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Globus in Halle/Saale Der Begeisterungsort

Sonja Plachetta | 27. Mai 2020

Globus hat in Halle unter schwierigen Bedingungen einen neuen Markt eröffnet. In Zeiten, in denen Abstand gehalten werden muss, schätzen die Kunden, dass die Großfläche viel Platz bietet. Das stärkste Plus sind aber Transparenz und Qualität der Produktionsbetriebe.

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Abstand halten und trotzdem Nähe signalisieren, das ist für René Klauer trotz aller derzeitigen Widrigkeiten immens wichtig. „Corona ist für viele Menschen eine Belastung“, hat der Geschäftsleiter des Globus-Marktes in Halle (Saale) beobachtet. Seine Mission ist, dass die Kunden das Thema beim Einkauf eine Weile vergessen – durch die Atmosphäre, die Gerüche sowie die Freundlichkeit der 360 Mitarbeiter. „Ich winke jetzt, damit die Kunden merken, dass ich sie gesehen habe“, sagt er. Früher, vor der Maskenpflicht, habe er gelächelt.

Der Geschäftsleiter, der seit 25 Jahren bei Globus und seit 2015 in Halle ist, zählt zu denjenigen, die immer Lösungen sehen statt Probleme, wie allein diese drei Beispiele zeigen:

  • Dass der neue Markt nicht fertig war, bevor der Mietvertrag für den alten im Einkaufszentrum Hallescher Einkaufspark ausgelaufen war? „So haben wir den Abholservice etabliert“, sagt Klauer. „Er war aus der Not heraus geboren, um die Zeit bis zur Neueröffnung zu überbrücken. Durch Corona hatten wir bis zu 150 Bestellungen am Tag, und ich habe nun kurzerhand eine Abholstation ins Gebäude integriert.“ Aktuell gebe es bis zu 80 Aufträge am Tag. Für Klauer ist das ganz klar ein Konzept der Zukunft.
  • Dass der Markt in der Hochphase der Corona-Beschränkungen eröffnet hat? „Hat uns die Chance gegeben zu zeigen, dass wir die Besten sind“, betont Klauer. Die ungeplanten Kosten für das Sicherheits- und Hygienekonzept seien gut investiertes Geld. „Wir haben den Menschen gezeigt, dass wir ihnen auch unter schwierigen Bedingungen ein sehr gutes Angebot machen. So haben wir ihr Vertrauen gewonnen.“
  • Dass die Erlebnisgastronomie mit diversen Frontcooking-Stationen und 280 Sitzplätzen bis 18. Mai keine Gäste vor Ort empfangen durfte? „Der Markt war die erste Rakete. Mit der Gastronomie zünden wir nun die zweite“, da ist sich Klauer sicher.

Mit seiner Zuversicht steckt der Geschäftsleiter sein Team an. So auch die 28 Mitarbeiter, darunter sechs Köche, in der Gastronomie, die nun endlich mehr von ihrem Können zeigen können. „Wir wollen es den Gästen so angenehm wie möglich machen“, sagt Karina Müller, Teamleiterin Gastronomie. Sie sollen ihr Essen genießen, auch wenn ein Flächenmanager ihre persönlichen Daten notieren muss und sie zu den Tischen führt, die so weit auseinanderstehen, dass von den 280 kaum mehr als 100 Sitzplätze übrig bleiben. Aus Hygienegründen müssen etwa die Bowl- und die Schnitzelbar geschlossen bleiben, und es wird erst einmal nur die Hälfte der Speisen angeboten. Doch das Sortiment an Tages-, Nudel- und Wokgerichten, Pizzen sowie Fleisch von der Steakbar bietet dennoch große Auswahl. „Obwohl das Essen bisher nur abgeholt werden durfte, befanden sich mittags schon bis zu 22 Prozent aller Kunden, die gerade im Markt waren, in der Gastronomie“, sagt Karina Müller. Diesen Anteil will sie deutlich steigern und es erreichen, dass der Samstag dort der umsatzstärkste Tag wird.

Wenn die Kunden sich in der Gastronomie niederlassen, können sie zwei wesentliche Aspekte des Selbstverständnisses von Globus beobachten. Erstens hat René Klauer den Anspruch, „der lokale Händler vor Ort“ zu sein. Den Bezug zu Halle stellen im Sitzbereich Zeichnungen mit städtischen Wahrzeichen der Künstlerin Sabine Schulz her. 30 Motive gibt es im gesamten Markt, darunter ein großflächiges hinter dem Aufbau der „Gutes von hier“-Produkte. Zweitens blicken die Gäste von der Gastronomie aus direkt in die gläserne Eis- und Baumkuchenproduktion und können sehen, dass Globus wirklich ein „produzierender Händler“ ist, wie Klauer es nennt.

Mehr Eigenproduktion zeigen, das war – gemeinsam mit dem Wunsch nach einer ebenerdigen Verkaufsfläche – die größte Motivation für Globus, den neuen Markt im Südosten Halles an der Dieselstraße zu bauen, wo allein 4.000 Kunden im fußläufigen Bereich wohnen. Im vorherigen Mietobjekt gab es keine Gastronomie und keine Meisterbäckerei.

Jetzt gibt es auf dem Dach zwei Silos für Weizen- und Roggenmehl, die jeweils acht Tonnen fassen. Pro Woche verbrauchen die 28 Mitarbeiter der Meisterbäckerei fünf Tonnen Weizen- und drei Tonnen Roggenmehl. Jeden Tag werden 20 verschiedene Brot- und um die 15 Brötchen-Sorten zubereitet, dazu noch Kuchen, Torten und süße Teilchen. „Allein der Absatz von rund 8.000 Weizenbrötchen und bis zu 300 Roggenmischbroten täglich zeigt, wie sehr die Hallenser die Qualität unserer Eigenproduktionen schätzen“, betont Klauer.

Auch in der Fachmetzgerei sind die Mengen beeindruckend, die Bereichsleiter Markus Melzer und seine Mitarbeiter in den Verkauf bringen. Pro Woche werden in der Produktion zwischen 18 und 20 Tonnen Fleisch zerlegt und für die Theke aufbereitet. Die Devise ist: „Wir zerlegen nur das, was wir am Tag verkaufen“, sagt Melzer. Um absolute Frische zu garantieren, geht Fleisch, das an der Theke nicht verkauft wurde, am nächsten Tag in die Produktion. Acht bis zehn Tonnen Wurst werden pro Woche gefertigt.
Für Geschäftsleiter Klauer hat sich der Umzug an die Dieselstraße unbedingt gelohnt: „Durch die produzierenden Betriebe, die breiten Gänge, eine recht freie Kundenführung und mehr Services erreichen wir im Vergleich zum alten Standort ein zweistelliges Umsatzplus – trotz Corona und trotz der gegenüber vorher geringeren Verkaufsfläche.“ Klauer hat jetzt 8.000 Quadratmeter (ohne Mall) zur Verfügung statt gut 10.000 zuvor. „Wir haben Nonfood um 1.000 Quadratmeter reduziert“, erklärt er. Bereiche wie Schuhe und Spielwaren, wo Globus nur Grundversorger ist, hat Klauer stark zurückgefahren, Kompetenzfelder wie Haushalts- und Schreibwaren dafür ausgebaut.

Wegen des Virus‘ hat Globus auf eine Eröffnungswerbekampagne verzichtet. Angst, dass durch die Krise die Discounter eine Renaissance zulasten der Vollsortimenter erleben könnten, hat Klauer nicht: „Wir sind supergut unterwegs. Wenn wir unsere Stärken weiter so spielen, werden wir die Kunden mit diesem Ort und unserem Konzept begeistern.“

Fakten im Fokus

8.000 qm Verkaufsfläche
360 Mitarbeiter
80.000 gelistete Artikel
19 Prozent Selfscanning-Anteil
Bis zu 80 Bestellungen/Tag beim Abholservice, in Corona-Spitzenzeiten waren es bis zu 150 Bestellungen/Tag
Montag bis Samstag: 8 - 21 Uhr


Schnell gelesen
Globus, Dieselstrasse 47, 06130 Halle/Saale

  • Der Markt liegt auf einem 90.000- Quadratmeter-Areal für Globus-Verhältnisse relativ stadtnah im Südosten Halles.
  • Anders als am alten Standort gibt es Gastronomie und Meisterbäckerei. Besonders sind auch Eisproduktion und Baumkuchenmanufaktur.
  • Der Markt verfügt über mehr SB-Kassen (zwölf) als über bediente Kassen (elf). Der Selfscanning-Anteil liegt bei 19 Prozent, der von Scan&Go bei 16,5 Prozent.
  • Wegen der Corona-Vorschriften dürfen nur 500 Kunden gleichzeitig in den Markt. Doch der Umsatz ist höher als im alten SB-Warenhaus.