Supermarché Massen Luxemburg Für Lebensmittel-Liebhaber - :Für Lebensmittel-Liebhaber: Teil 2

Heute ist zwar beinahe alles „Manufaktur“, und der Begriff wird stark strapaziert, aber im nördlichen Luxemburg findet sich ein Supermarkt, der das handwerkliche Angebot mit Sortiments-Vielfalt und edlem Laden-Design kombiniert.

Donnerstag, 20. Oktober 2016 - Ladenreportagen
Reiner Mihr
Artikelbild Für Lebensmittel-Liebhaber - :Für Lebensmittel-Liebhaber: Teil 2
Bildquelle: Architekturbüro Kinzel

Inhaltsübersicht

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Supermarché Massen, Op der Haart 21,  9999 Wemperhardt,  Luxemburg

  • Manufaktur in Reinkultur
  • Ladendesign und eingesetzte Materialien unterstützen den Manufaktur-Charakter
  • Transparenz in allen Bereichen
  • Öffnungszeiten von Montag bis Sonntag (!) 7.30 bis 19 Uhr
  • Hoher Frischeanteil
  • Kaufkräftige Kundschaft
  • Personalintensiv
  • Offene, handwerklich Herstellung im Markt
  • Durchschnittsbon von 58 Euro
  • Eröffnung „Retail-Park“ im November 2016

Abgeschlossen ist das alles noch nicht. Laplume und Massen wollen das Einkaufszentrum weiter ausbauen: Ein eigenes Hotel eröffnet im November 2016, der zusätzliche „Retail-Park“ startet ebenfalls im November diesen Jahres, und ab Ende 2017 kommt ein Business-Center von 4.200 qm hinzu.

Natürlich fühlen sich Massen und Laplume gut gerüstet für die Zukunft. Luxemburger Kunden leisten sich eher hochwertige Lebensmittel. Dennoch ist der Einkaufstourismus im nördlichen Luxemburg immer noch ein Erfolgsfaktor. Belgien, die Niederlande und Deutschland sind nicht weit, und viele nehmen den Weg auf sich, um hier einzukaufen. Mehr als 50 Prozent der Kunden kommen aus Belgien. Deutsche machen immerhin 5 Prozent der Kunden aus. „Unsere deutschen Kunden kommen auch immer noch wegen Kaffee und Zigaretten“, gibt es einen kleinen Seitenhieb auf sparsame deutsche Konsumenten.

Geschichte
Wemperhardt liegt nördlich der Hauptstadt Luxemburg zwischen Belgien und Deutschland, aber auch die Niederlande und Frankreich sind nicht weit. Hier wurde schon immer gehandelt, manche sagen auch „geschmuggelt“. Luxemburg war früher für viele Deutsche, Belgier und andere ein Anziehungspunkt, um günstig zu tanken und nebenbei Zigaretten und Kaffee einzukaufen. Entlang der E421 und N7 bauten viele Betreiber ihre Tankstellen aus, boten Kaffee und Zigaretten an. Josef Massen, genannt Jos, Vater von Fernand,war in den 6oer- und 70er-Jahren ein erfolgreicher Landmaschinen- Händler, der auch eine Tankstelle betrieb und am Geschäft mit Kaffee und Tabak einfach nicht vorbei kam. Arsène Laplume stieß 1977 zum Unternehmen, weil er sich für Trekker, Eggen und Ackermaschinen interessierte. Massen hatte Mitte der 80er mehrere Tankstellen und mehr als 100 Mitarbeiter. Aber das Wachstum verlief unkoordiniert, die Differenzierung zu anderen Betreibern war schwierig. Dann kam der radikale Schnitt: Massen setzte auf den Einzelhandel und dabei auf Klasse statt Masse. Das brachte den Erfolg. Schon 1988 hatte der Supermarkt 2.500 qm mit Eigenproduktion in Bäckerei, Metzgerei, Brasserie. In mehreren Schritten erfolgte dann der Ausbau zum heutigen Shoppingcenter.

„Transparenz schafft vertrauen“

Fragen an die Architektin Valentina Kinzel

Was sind aus ladenbaulicher Sicht die auffallendsten Unterschiede zwischen einem Supermarkt in Deutschland und diesem Supermarché in Luxemburg?
Valentina Kinzel: Der Supermarché Massen in Luxemburg setzt neben hochwertigen Produkten auf frische Zubereitung und eigene Produktion von Waren wie Fleisch, Convenience, Backwaren, Nudeln und Eis. Die Gestaltung des Marktes unterstützt nicht nur diesen Manufakturcharakter, sondern gibt dem Kunden auch die Möglichkeit, zu sehen, was hinter den „Kulissen“ passiert.

Was bedeutet das für den Kunden?
Der Kunde kann sehen, woher seine Ware kommt und wie sie zubereitet wird. Mit seinem Design bietet ihm der Markt höchste Transparenz und stärkt so sein Vertrauen in die Hochwertigkeit und Frische der Lebensmittel sowie in die Kompetenz des Personals.

Was sind die – aus Architektinnensicht – Highlights des Lebensmittelmarktes im Shoppingcenter Massen?
Ein besonders gelungener Bereich des Marktes ist die Patisserie, die Einblick in die Produktion der Backwaren gewährt. Hier nutzen wir zur Unterstützung des Manufakturcharakters großformatige Bilder mit Tiefeneffekt in Kombination mit natürlichen Materialien wie Stein, Holz und Metall an den Wänden, Decken und Theken. Dem Kunden wird so die Natürlichkeit und Frische der Ware bei gleichzeitig höchster Qualität vermittelt.

Was könnten deutsche Lebensmittelhändler sinnvoll aus dem Konzept bei Massen lernen?
Die deutsche Bevölkerung legt in den vergangenen Jahren zunehmend Wert auf eine hohe Lebensqualität. Ladenbaukonzepte wie in Luxemburg, die dem Kunden einen Einblick in die Produktion oder Zubereitung der Lebensmittel geben, können meiner Meinung nach dieses Kaufverhalten verstärken.