Trendtag Ernährung Übern Tellerrand

Rohstoff-Spekulationen, Lebensmittel-Skandale, Handelskonzentration, Fehlernährung: Themen für die Ernährungswirtschaft. Und große Herausforderungen.

Donnerstag, 21. Oktober 2010 - Hersteller
Silvia Schulz
Artikelbild Übern Tellerrand
Dr. Thomas Lange, Netzwerk Ernährungswirtschaft

Hat Deutschland Esskultur? Schlagzeilen wie: „Mehr als die Hälfte der deutschen Männer ist übergewichtig", „Hier wohnen die Dicksten" und „Deutsche haben in der Moppel-Liga den Bauch vorn" sind nur einige aktuelle Überschriften aus Zeitungen, nach denen häufig die Ernährungsindustrie als „Schuldiger" ausgemacht wird. Die Teilnehmer des Trendtags der Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalts diskutierten das Thema intensiv und machten deutlich, dass die hiesigen Produzenten sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Aber letztlich tragen die Kunden durch ihr Kaufverhalten selbst zu mancher Fehlentwicklung bei. Dabei ist Kunde nicht gleich Kunde. Der eine ist Kämpfer, der andere Künstler und ein dritter Kontrolleur, so das Ergebnis einer Studie von „See More" – Institut für Zukunftsforschung und innovative Strategien. Oliver Leisse von „See More" beschreibt das so: „Der Kämpfer sucht Überlegenheit, der Künstler will begeistert werden und der Kontrolleur sehnt sich nach Orientierung." Allen Kundengruppen und ihren Anforderungen müsse Rechnung getragen werden. Zudem hätten sich die Begehrlichkeiten geändert. „Zeit und Aufmerksamkeit sind wichtiger denn je", sagt Leisse. Obendrein würden Entscheidungen zu 95 Prozent aus dem Bauch getroffen. Alles was der Mensch sehe und erlebe, wirke auf ihn. Aber nur was wirklich begeistert, weckt Aufmerksamkeit.

Neu dürfte sein, dass es nicht nur Fakten sind, die zum Ergebnis führen, sondern ethnografische Studien, Befragungen von Mitarbeitern in Metropolen in aller Welt und Consumer Insight Forschung. Leisse: „Erst die Kombination aus Neuromarketing, Marktforschung und Trendforschung wie ethnografische Studien führt zu zukunftsfähigen Strategien."

Ein Beispiel für diese Vorgehensweise ist die vor fünf Jahren eröffnete „Q110 – Die Deutsche Bank der Zukunft" in Berlin, wo die Deutsche Bank ihren Traum vom modernen Bankgeschäft verwirklicht sieht. Q110 ist nicht nur Bank, sondern Trendshop, gibt Ausstellungen Raum, ist Café-Lounge und bietet neben Kinderbetreuung und Service zahlreiche Events. Dazu kommen kundenfreundliche Öffnungszeiten.

Die regionale Ernährungsindustrie, zum Beispiel die aus Sachsen-Anhalt, braucht natürlich keine Sorge vor Veränderungen, Wandel und Innovationen zu haben. Die Unternehmen sind für sich und in ihrem Netzwerk gut aufgestellt. Die Plattform der Trendtage dienten dem Austausch zwischen Produzenten, Händlern und weiteren Akteuren und könnte zu einem branchenübergreifenden Treffpunkt in ganz Mitteldeutschland werden.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Dr. Thomas Lange, Netzwerk Ernährungswirtschaft
Bild öffnen Jan Schleicher, Rewe Group
Bild öffnen Austausch unter Fachleuten beim Trendtag der Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt