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Kaffee Kapseln für den Kompost

Elena Kuss | 05. Februar 2020
Kaffee: Kapseln für den Kompost
Bildquelle: Edeka Zurheide

Das Geschäft mit kompostierbaren Kaffeekapseln gilt als vielversprechend. Mit Lavazza will davon nun auch ein großer Hersteller profitieren. Edeka-Händler Zurheide steigt mit Holzkapsel in den Markt ein.

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Die Nachfrage nach Kaffeekapseln steigt, seit 2013 jedoch deutlich geringer als in den Vorjahren, wie die Zahlen des Deutschen Kaffeeverband deutlich machen. Ein möglicher Grund ist die anhaltende Kritik am Verpackungsmaterial Aluminium. Die Herstellung ist energieintensiv, das Recycling der Kapseln gilt als schwierig. Umso reizvoller erscheint die kompostierbare Alternative, die Convenience und Umweltschutz aussöhnt.

Lavazza stellte als erster großer Hersteller im Herbst 2019 sein Kapselsortiment auf Bio-Plastik um. Das Start-up Unicaps, das sich als Pionier in der Nische sieht, will sich jedoch nicht verdrängen lassen: „Kompostierbare Kaffeekapseln spielen eine zunehmend größere Rolle im Markt. Wir sehen uns daher nicht in direkter Konkurrenz zu Lavazza, da diese keine Bio-Produktlinie anbieten und nicht CO2-neutral sind. Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, konventionellen Kaffee allein in kompostierbare Kapseln abzufüllen, um eine Discount-Positionierung zu erreichen.“ Das nach eigenen Angaben führende Unternehmen im Segment kompostierbare Kapseln konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr vervierfachen.

Auch der Handel reagiert auf die Bewegung im Kapselmarkt. So führte im Dezember der Edeka-Händler Zurheide unter der Eigenmarke Kaffee-Kapseln aus Holz ein. Heinz Zurheide will auf den Erfolg des in der Nürnberger Straße in Düsseldorf selbst gerösteten Kaffees aufbauen. Ein Einstieg in ein Nischenprodukt aus einem Nischensortiment. Heinz Zurheide glaubt trotzdem an seinen Kaffee in der Kapsel: „Weil wir mit unserem Kaffee schon seit einigen Jahren erfolgreich sind, ist die Idee entstanden, dass wir keine Aluminium- oder Kunststoff-Kapsel brauchen, sondern eine umweltverträgliche und ressourcenschonende. Und genau das ist uns mit dem jungen Start-up Rezemo gelungen.“ Das Unternehmen produziert Kapseln aus Holz. Diese werden mit dem selbstgerösteten Zurheide-Kaffee befüllt. „Wir alle hier in Deutschland schreien immer danach, etwas verbessern zu wollen. Aber wenn es dann darum geht, für Qualität etwas mehr zu bezahlen, dann schreckt der ein oder andere zurück und greift letztendlich doch wieder zum günstigen Produkt.“, sagt der Kaufmann.

Öko Teils günstiger als Alu
Ob Verbraucher auf die Öko-Variante umsteigen, hängt also auch davon ab, wie wettbewerbsfähig die Preise sind. Unicaps legt mit einem Preis vor, der den der Nespresso-Kapseln sogar unterschreitet: „Unsere Bio-Kapseln kosten im Handel rund 3,29 Euro für zehn Kapseln. Dies liegt deutlich unter Starbucks und Nespresso, die konventionellen Kaffee in Alu-Kapseln anbieten.“ Der italienische Hersteller Lavazza konnte seine UVP von 2,99 Euro für zehn Kapseln über die Umstellung von Alu- auf Öko-Kapseln halten. Zurheides Feine Kost kann mit einem Preis von 3,99 Euro für zehn Kapseln durchaus mithalten. „Wir haben so kalkuliert, dass wir damit eine breite Masse ansprechen können“, sagt Heinz Zurheide.

Die generelle Kritik an den Kleinstverpackungen bleibt jedoch bestehen. Die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, Barbara Metz, kritisiert: „Versprechungen wie ‚ökologisch‘, ‚biologisch‘ oder ‚kompostierbar‘ sollen Verbraucher dazu bringen, sich mit gutem Gefühl für abfallintensive und klimaschädliche Kleinstverpackungen zu entscheiden. Dabei bleiben Kaffeekapseln eine besonders umweltschädliche Verpackung, selbst wenn mit deren Abbaubarkeit oder Recyclingfähigkeit geworben wird.“ Unicaps stellt seine kompostierbaren Kapseln aus Glukose und Stärke sowie aus Lignin her, einem Reststoff der Holz- und Papierindustrie. Laut Website des Herstellers sollen die Kapseln in der Biotonne oder im Restmüll entsorgt werden. Die Kapseln seien auch für den Gartenkompost geeignet, das zeigten zumindest eigenen Tests des Start-ups. „Eine Entsorgung im hauseigenen Kompost ist zwar möglich, die Verrottung kann hier jedoch bis 18 Monate in Anspruch nehmen. Ein Teil der industriellen Kompostieranlagen sind auf die kurze Verrottungsdauer von beispielsweise Obst oder Gartenabfällen ausgelegt. Aufgrund der längeren Verrottungsdauer der Kapseln werden diese teilweise aussortiert und landen in einer Verbrennungsanlage“, heiß es auf der Website weiter.

Kritik an kompostierbaren Kapsel
Der Geschäftsführer der Bundesgütegemeinschaft Kompost, Bertram Kehres, bestätigt das: „Kaffeekapseln, egal ob aus erdöl- oder aus biobasierten Kunststoffen, werden in der Kompostanlage als Fremdstoffe betrachtet und soweit als möglich abgetrennt. Das gilt auch dann, wenn sie als biologisch abbaubar oder kompostierbar zertifiziert sind.“

Das Start-up Unicaps ist trotzdem überzeugt, dem Konsumenten das zu bieten, was er sich wünscht: „Für Kunden ist entscheidend, woraus die Kapseln nicht bestehen. Uns gelingt mit unseren Kapseln nicht zuletzt ein CO2-neutraler Ansatz von der Ernte bis ins Regal, bei der Entsorgung im Hausmüll und anschließender Verbrennung in einem Heizkraftwerk können sie sogar einen Beitrag zu ökologischer Energiegewinnung leisten.“

Die Kapseln des aus der Gründershow „Höhle der Löwen“ bekannten Start-ups Rezemo, die auch der Händler Zurheide einsetzt, bestehen aus Holz. Lavazza erklärt, man setze auf industriell kompostierbares Bio-Plastik, das in der Bio-Tonne entsorgt werden kann, sofern die Regeln des lokalen Abfallwirtschaftsunternehmens dies zulassen.