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Nutzfahrzeuge Emotionen und Emissionen - Nutzfahrzeuge: Teil 2

Martin Heiermann | 15. Dezember 2017
Nutzfahrzeuge: Emotionen und Emissionen

Bildquelle: Tesla

Einen Elektro-Transporter oder doch wieder einen Diesel? Vor dieser Frage stehen derzeit viele Käufer von Nutzfahrzeugen. Denn noch ist unklar, wie sich die Mobilität in Deutschland entwickelt.

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Walmart und Loblaw testen Tesla
Teslas angekündigter Elektro- Sattelschlepper stößt auf Interesse großer Handelsketten in den USA und in Kannada. Walmart reservierte für Tests fünf Fahrzeuge. Derzeit sind bei Walmart etwa 6.000 Lkw im Einsatz. Beim Einzelhändler Meijer aus Michigan sind es zunächst vier Reservierungen. Für Meijer sind aktuell 220 Lastwagen unterwegs. Auch der kanadische Händler Loblaw will Schritt für Schritt seine Lkw-Flotte auf elektrische Fahrzeuge umstellen. Anfang November wurde der erste elektrische Tesla-Truck in Betrieb genommen. Die Reichweite dieses Lastwagens soll bis zu 800 Kilometern größer als erwartet sein. Die Ladezeit liege bei 30 Minuten. Über den Kaufpreis eines Tesla-Lkw ist noch nichts bekannt. Das Unternehmen betont aber, dass die Betriebskosten deutlich niedriger als bei den mit Dieselkraftstoff betriebenen Trucks sein sollen.

Umfrage: 5 Prozent für E-Auto
Dass auch insgesamt in Deutschland ein Umdenken beim Thema Mobilität stattfindet, zeigt eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, GfK, aus dem Sommer dieses Jahres (siehe Grafik auf dieser Seite). Unter anderem wird dort den Autofahrern die Frage gestellt, welche Kraftstoffe beziehungsweise Antriebe für sie beim nächsten Autokauf in Betracht kämen. Nicht verwunderlich ist, dass die größte Gruppe, zwei Drittel der deutschen Autofahrer, als nächstes Auto nach wie vor einen Benziner kaufen würden. 20 Prozent würden sich weiterhin für einen Diesel entscheiden. Dicht dahinter die Gruppe, die ein Fahrzeug mit Hybridantrieb wählen würde, immerhin 16 Prozent. Für ein mit Erdgas betriebenes Auto oder ein reines Elektrofahrzeuge würden sich immerhin jeweils rund 5 Prozent entscheiden. Dabei spielen besonders der Anschaffungspreis (65 Prozent) und die Reichweite (61 Prozent ) eine Rolle.

Um die verhalten wachsende Nachfrage nach E-Transportern zu bedienen, aber auch um die Mobilitätswende nicht zu verpassen, regieren die Hersteller. So hat Ford eine Zusammenarbeit mit der Deutsche Post DHL Group zur Entwicklung und Produktion des Streetscooter Work XL gestartet. Die Modellvariation des Streetscooter ist ein batterieelektrischer Lieferwagen mit 20 kbm Ladevolumen. Bis Ende 2018, so die Ankündigung, sollen 2.500 Fahrzeuge dieses Typs produziert und bei der Deutschen Post bzw. DHL in Dienst gestellt werden. Eine Verfügbarkeit dieses Fahrzeugtyps für Drittkunden, also auch des Handels, ist perspektivisch angedacht.

Darüber hinaus gibt es einen globalen Elektrifizierungsplan der Ford Motor Company. Danach wird derzeit der Ford Transit Custom PHEV für die Markteinführung im Jahr 2019 vorbereitet. Das Fahrzeug ist ein sogenannter Plug-in-Hybrid, der auf einen lokal emissionsfreien Batteriebetrieb mit etwa 50 km Reichweite ausgelegt ist und darüber hinaus über einen 1-l-Benzinermotor verfügt. So soll eine Gesamtreichweite von ca. 500 km ermöglicht werden. Mit 20 Erprobungsfahrzeugen dieses Typs wird Ende diesen Jahres ein Praxistest in London gestartet.

Mehr als 3 Prozent im Plus

Der Markt für leichte Nutzfahrzeuge legte 2017 um 4,6 Prozent zu. Auch insgesamt entwickelte sich der Nutzfahrzeugmarkt hierzulande besser als erwartet. Mit einem Zuwachs von 3,3 Prozent wurde das Rekordniveau des Jahres 2016 übertroffen.

Mercedes-Benz-Vans plant, alle gewerblichen Transporter mit Elektroantrieb anzubieten. Den Anfang macht der mittelgroße E-Vito, der sofort bestellbar und ab der zweiten Jahreshälfte 2018 lieferbar ist, kündigt der Hersteller an. Weitere Baureihen sollen ab 2019 folgen. Der E-Vito habe eine Reichweite von rund 150 km, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 120 km/h, mehr als 1.000 kg Zuladung und bis zu 6,6 kbm Ladevolumen. Darüber hinaus arbeitet der Hersteller an einer Elektrostrategie. Im Fokus stehe dabei nicht nur der elektrische Transporter, sondern ein technologisches Ökosystem, das auf den Nutzen der Kunden abgestimmt sei. Bestandteil ist, die Elektrifizierung aller gewerblichen Baureihen. Die Elektrifizierung der Modellpalette gehe zudem mit einem Paradigmenwechsel einher: Das Modell des sogenannten „Customer Co-Creation“ rückt in den Mittelpunkt. So sollen beispielsweise strategische Partner wie der Logistik-Dienstleister Hermes unmittelbar in die Weiterentwicklung der Elektrofahrzeuge integriert werden. Hermes und Mercedes-Benz-Vans starten ihre im Frühjahr vereinbarte Zusammenarbeit Anfang 2018 mit einer Pilotphase.

Auf die alternative Antriebstechnologie Erdgas setzt man bei Seat. Schon heute können die Händler der Lebensmittelbranche darauf zugreifen. Aktuell hat das Unternehmen drei Modelle im Angebot. Zwei weiter sollen im kommenden Jahr dazukommen. Bis batterieelektrische Autos eines Tages in großen Stückzahlen gekauft werden, habe man somit schon jetzt „eine saubere, kosteneffiziente und praxiserprobte Brückentechnologie im Portfolio“.