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Iglo kritisiert BLL und steigt aus

Reiner Mihr | 09. Mai 2019

Eines der führenden deutschen Tiefkühlkostunternehmen - Iglo - verlässt den Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V.) nach harscher Kritik.

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Drei wesentliche Kritikpunkte werden genannt: Große Unternehmen würden die Politik des BLL bestimmen. Dabei werde im "Hinterzimmer" ausgeklüngelt, was später entschieden werde. So komme es dazu, dass beispielsweise das Thema einer Lebensmittelkennzeichnung nicht ergebnisoffen, sondern bereits vorgeprägt behandelt werde. Der Verband verharre zudem im Gestern und sei nicht zukunftsorientiert. Wesentliche gesellschaftliche Veränderungen würden weder aufgenommen, noch übernehme der BLL als Sprachrohr der Branche eine Gestaltungsposition im Sinne einer gesellschaftlichen Verantwortung der Lebensmittelindustrie ein.

Außerdem betreibe der BLL Symbolpolitik anstelle eines aktiven, europäischen Gestaltungswillens. Beispiel sei die aktuelle Kampagne für Europa („Lebensmittelwirtschaft fordert klares Bekenntnis zu Europa“). Denn der Verband schlage gleichzeitig bei der Lebensmittelkennzeichnung eine rein nationale, deutsche Lösung vor. Dabei sei der europäische Gedanke auch vom Abbau nationaler Schranken und dem Aufbau von effizienten, länderübergreifenden Lösungen geprägt. Das ist nicht ganz uneigennützig: Eine deutsche Einzellösung bedeutet für Unternehmen im internationalen Kontext zusätzlichen Verwaltungsaufwand, eine höhere Kostenbelastung und mehr Erklärungsaufwand für deren Vermittlung an die Verbraucher.

Iglo wolle mit diesem Schritt ein Signal setzen, dass es auch Unternehmen mit einer anderen Haltung in Deutschland gebe und dass dieser Schritt eine überfällige, brancheninterne Debatte um die Zukunftsausrichtung einer wichtigen Interessensvertretung auslösen könne.