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Gespräch mit Klaus Dohle - Dohle Neue Konzepte sollen die Marke Hit stärken

| 15. November 2012

Im Ladenbau geben die Siegburger Gas, außerdem feilen sie an Sortiment und Marken. Hit und Dohle suchen neue (Franchise-)Partner.

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Entspannt sitzt Klaus Dohle in seinem Büro, ohne Krawatte, den obersten Hemdknopf auf, den Blick auf sein großes Fischbecken gerichtet, Tee trinkend. Alles laufe wie geplant, man sei bestens vorbereitet, die Mannschaft stehe, die Themen seien klar. Viel ändere sich eigentlich gar nicht, wenn am 1. Juli 2013 Gert Schambach die operative Geschäftsführung der Dohle-Gruppe übernehme. Klaus Dohle (45) zieht sich dann in den Beirat zurück, in dem er von seinem Vater Kurt (77) den Vorsitz übernimmt, und kümmert sich dann außerdem verstärkt um die strategische Ausrichtung des Unternehmens und das Immobiliengeschäft. Er freut sich auf den Tag, strahlt Gelassenheit und Zuversicht aus.

Mit Ex-Edeka-Vorstand Schambach, der 2004/2005 schon mal Station in Siegburg gemacht hatte, versteht sich Familie Dohle bestens. Das Vertrauen reicht bis hin zur Unternehmensbeteiligung. Lange sah es nach dem Weggang des Schweizers Christoph Clavadetscher (einstiger Coop-Spitzenmanager) so aus, als würde Kurt Dohle sein Lebenswerk nicht wieder in externe Hände legen wollen. Doch Gert Schambach, verheirateter Familienvater, als Mittvierziger eine Altersklasse mit Klaus Dohle, wird eben nicht als Externer wahrgenommen, wenn er von der Elbe zurück an den Rhein kommt.

Klaus Dohle nimmt sich Zeit, mehr als geplant, erläutert gelassen, woran man arbeite – am Sortiment, den Marken, der Ladengestaltung, dem Standortnetz, dem (Franchise-)Partnersystem. In allen Themen ist er tief drin, kann ohne irgendwo nachzusehen auf Anhieb alle möglichen Zahlen nennen, muss bei keinen Abteilungsleiter oder Fachmann nachfragen.

Ende November öffnet in Bad Homburg der 90. Hit-Markt. Mehrheitlich sind es selbstbetriebene Märkte, ca. 20 verteilen sich auf etwa 15 Franchise-Partner. Die kaufen nicht nur über Hit ein und machen die (Handzettel-)Werbung mit, sondern firmieren auch als Hit. Neben ihnen gibt es Partnerkaufleute und -unternehmen, die zwar Ware über die Dohle-Gruppe beziehen, aber ansonsten selbstständig auftreten, etwa Handelsunternehmen wie die süddeutsche AEZ-Gruppe mit elf Märkten, Süßwarenspezialisten oder auch Feinkostunternehmen. Sie nutzen nur zu einem Teil zentrale Dienstleistungen der Siegburger.

Die Dohle-Gruppe will nicht nur ihr Partnersystem ausbauen – Ziel sind nicht nur neue Hit-Märkte, von denen es jährlich fünf, mindestens aber netto (es werden natürlich auch immer mal Standorte aufgegeben) drei geben soll –, sondern sucht auch weitere Belieferungspartner. Schon knapp ein Jahrzehnt arbeitet man so mit dem von Laurent Schonckert geführten Handelsunternehmen Cactus in Luxemburg zusammen. Seit diesem Herbst kam im kleinen Nachbarland der Feinkost-Spezialist „La Proven çale“ hinzu. „Wir suchen nicht nur im Ausland, sondern vor allem in Deutschland weitere Partner für die Dohle-Gruppe“, so Klaus Dohle. In Frage kommen Unternehmen der Gastronomie, aber auch Spezialitäten-Händler oder Caterer. Dabei sei eine solide, nicht unbedingt schnelle Expansion gewollt. Ziel sei eine langlebige und für alle Seiten gute Zusammenarbeit.

Mit den eigenen Hit-Märkten hat Dohle aber auch einiges vor: Derzeit wird das neue Konzept für Märkte mit einer Verkaufsfläche bis maximal 2.000 qm ausgerollt. Noch im November wird der Hit in Bad Godesberg umgestaltet. In Reinkultur wird das neue Ladenbau-Konzept in Bad Homburg sichtbar, wenn dort am 26. November der 90. Hit-Markt öffnet.

Für alle größeren Hit-Märkte mit mehr als 2.000 qm Verkaufsfläche greift im kommenden Jahr ein neues Konzept. Angetan ist Klaus Dohle von Wegmans (www.wegmans.com), einem Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen aus den Vereinigten Staaten mit 81 Märkten in sechs Staaten im Nordosten (Maryland, Massachusetts, New Jersey, New York, Pennsylvania, Virginia). Was die Emotionalisierung und Inszenierung von Lebensmitteln anginge, könne man von Wegmans noch viel lernen. Das gelte für Gastronomiekonzepte im Kleinen und für die Ladengestaltung im Großen.

Wohin die Reise gehen könne, zeige die Eigenmarke Hit Regional. Vor neun Monaten wurde das Konzept im Sortimentsbereich „Obst & Gemüse“ eingeführt. Im Fokus stehen Lebensmittel aus der Region, oft saisonale Artikel wie Erdbeeren, Spargel, Kartoffeln etc. Überlegungen gibt es, Hit Regional auf andere Warengruppen wie Käse oder Marmelade auszudehnen. Alnatura wird es auch in Zukunft bei Hit geben – das Sortiment werde, wie der Biobereich insgesamt, eher noch ausgebaut. Mit den Themen Tierschutz/Tierwohl und auch Gesundheit werde man sich intensiv befassen. Aufgegeben habe man quasi die Marke Hit Gourmet. „Da haben wir uns einfach zu wenig drum gekümmert und auch Fehler gemacht“, so Dohle. Man könne eben nicht Artikel, die keinen echten Gourmet-Charakter hätten, als solche verkaufen. Konzepte und Marken müssten glaubwürdig sein. Potenzial sehe man für hochwertige Spezialitäten aber auf jeden Fall. Sie seien sogar ein wesentlicher Baustein in der Abgrenzung zum Wettbewerb.

Diesen treibe man mit einer gewissen Aggressivität voran. Aktuell hat Dohle die Preise von 500 Markenartikeln gesenkt. Mit dieser Aktion will Hit sein Preis-Image weiter schärfen. Und auch, wenn man mit dem großen Bruder aus Köln in einem gewissen Umfang beim Einkauf kooperiere, kämpfe man oft gegeneinander um Standorte. „Wir bleiben unabhängig“, betont Dohle. Einen Verkauf des Unternehmens oder eine Mehrheitsbeteiligung schließt er aus. „Wenn das auch nur im entferntesten in Betracht käme, hätten wir es uns schenken können, Gert Schambach an Bord zu holen.“ Man werde ein Marktteilnehmer und eine Marke im deutschen LEH bleiben.

Die Dohle-Gruppe auf einen Blick
Die Siegburger Dohle-Gruppe erwartet fu?r 2012 einen flächenbereinigten Umsatz von 1,4 Mrd. Euro (+ 1,2 Prozent). Ende November öffnet der 90. Markt der Gruppe. Im Juli startet Ex-Edeka-Vorstand Gert Schambach als Geschäftsfu?hrer.
Ca. 6.000 Menschen arbeiten fu?r das von Klaus Dohle in dritter Generation gefu?hrte Familienunternehmen, davon ca. 300 (auf VZ gerechnet ca. 240) in der Zentrale.