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Pro und Contra Ladenöffnungszeiten Wie lang ist lang genug?

Sonja Plachetta | 09. Februar 2012

Die Konsumenten können durch den liberalisierten Ladenschluss freier entscheiden, wann sie einkaufen. Doch wie hoch ist der Preis für die Flexibilität ? Überwiegen die Vor- oder die Nachteile der langen Öffnungszeiten?

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Pro

Die Verbraucherzentrale NRW befürwortet seit vielen Jahren eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten an allen Werktagen. Wir sehen darin eine kundenfreundliche Anpassung der Ladenöffnungszeiten an veränderte Lebensumstände moderner Verbraucherhaushalte, wenn z.B. beide Eltern einer Familie berufstätig sind. Deshalb sollte die aktuelle Regelung in NRW beibehalten werden. Gesetzlichen Nachbesserungsbedarf sehen wir dagegen bei der Sonntagsregelung. Als Verein von Verbänden stehen wir für eine plurale Wertestruktur und sehen einen positiven Wert in gesamtgesellschaftlich konsumfreien Zeiten, die durch den Sonn- und Feiertagsschutz gewährleistet werden. Der Einzelhandel steht zunehmend in einem konkurrierenden Verhältnis mit den E-shopping-Angeboten des Internets. Flexiblere Ladenöffnungszeiten stärken den im Vergleich zum Internet oftmals verbraucherfreundlicheren Einzelhandel, da sie ihm einen bedarfsgerechten und auf die Bedürfnisse und Lebensumständ e der Verbraucher zugeschnittenen Service ermöglichen. So bleibt der kundenorientierte Einzelhandel weiterhin für den Verbraucher attraktiv und dem 24-Stunden-Dienst des Internets gegenüber wettbewerbsfähig. In einer Evaluation des Wirtschaftsministeriums haben 45 Prozent der befragten Verbraucher zwischen Rhein und Ruhr angegeben, dass sie in den vergangenen Jahren ihr Einkaufsverhalten verändert haben. Das sind ca. 7,5 Mio. Menschen, die für die neuen Öffnungszeiten „abgestimmt“ haben.
Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW

Contra

Beim Thema verlängerte Öffnungszeiten scheiden sich die Geister. Wem nutzen lange Öffnungszeiten eigentlich? Obwohl in den vergangenen Jahren eine stetige Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in Deutschland stattgefunden hat, hat sich die wirtschaftliche Lage des Einzelhandels nicht signifikant verbessert. Das überrascht nicht, da das verfügbare Einkommen des Großteils der Bevölkerung nicht zugenommen hat. Wer nicht mehr Geld zum Ausgeben hat, dem nutzen auch keine verlängerten Öffnungszeiten. Im selben Zeitraum hat sich jedoch die Beschäftigtenstruktur des deutschen Einzelhandels stark zum Nachteil verändert. Vollzeitarbeitsverhältnisse mit geregelten Arbeitszeiten sind in der Minderheit – Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung, Leiharbeit und Werkverträge nehmen zu. Ungünstige Arbeitszeiten und ungünstige Arbeitsbedingungen insgesamt sind keine Aushängeschilder für den Einzelhandel und werden zunehmend zum Problem bei der Nachwuchssuche. Diejenigen, die nach verlängerten Öffnungszeiten rufen, stammen meist aus den Giganten des Handels, die verlängerte Öffnungszeiten genauso wie erweiterte Einzelhandelsflächen und Billigpreise dazu nutzen, um die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen. Wichtig sind jedoch auch Ruhephasen, in denen man sich erholen kann, in denen Familien gemeinsam Zeit verbringen können und in denen es Raum gibt für Kultur und Ehrenamt.
Ulrich Dalibor ist Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi

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