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M-Commerce Mobiler Zugriff

Sonja Plachetta | 12. Januar 2012

Immer mehr Menschen nutzen das Internet unterwegs. Der Handel stellt sich mit neuen Strategien darauf ein.

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Mobiles Surfen gehört in Deutschland längst zum Alltag. 28 Prozent der Nutzer gehen laut der Accenture-Studie „Mobile Web Watch 2011“ inzwischen über ihr Smartphone ins Internet, im Vorjahr waren es noch 11 Prozent weniger gewesen. Auch das sogenannte Mobile Retailing gewinnt an Bedeutung. Jede dritte Internetnutzer kaufte 2011 mit seinem Smartphone online ein, 2010 machte das erst knapp jeder zehnte. Die rasante Verbreitung des mobilen Internets wird anhalten, da sind sich alle Experten einig. Und mit den neuen Nutzungsmöglichkeiten steigen auch die Anforderungen an Industrie und Handel.

Für 75 Prozent der Händler ist das Thema gegenwärtig oder zukünftig von strategischer Bedeutung. Das ist ein Ergebnis der EHI-Studie „Mobile in Retail“ im Auftrag von GS1 Germany, die auf den M-Days Anfang Februar in Frankfurt vorgestellt wird. Dafür wurden 148 deutsche Handelsunternehmen befragt. Vor allem zur Kundenbindung, zur Imageverbesserung sowie zur Erschließung neuer Zielgruppen ist das Thema der Studie zufolge interessant.

Schweizer schon weiter

Als ersten Schritt haben bisher 31 Prozent der Befragten eine Mobile App und 28 Prozent eine Mobile Website eingerichtet, fast die Hälfte plant eine solche. Mobile Shops sind dagegen bisher kaum verbreitet. Ercan Kilic, Leiter Strategieprojekt MobileCom bei GS1 Germany, erklärt: „Für den Lebensmittel-Einzelhandel ist der Mobile Shop derzeit nicht relevant, da sich Bestellungen von Lebensmitteln über das Internet oder mit dem Handy in Deutschland noch nicht durchgesetzt haben.“ Hier beschränke man sich zunächst auf Funktionen wie Rabattaktionen, Einkaufsliste oder Warenverfügbarkeitscheck. „Anders sieht das bei unseren Nachbarn aus. Die Schweizer Migros-Tochter LeShop etwa setzt laut eigenen Angaben bereits 10 Prozent über die iPhone-App um“, fügt Kilic hinzu.

In Deutschland stellt ein Viertel der Händler über eine Mobile App bisher vor allem Scan-Features zur Verfügung. Kunden bekommen durch das Scannen des Barcodes erweiterte Produkt- und Preisinformationen, die die Händler meistens direkt von den Herstellern erhalten. Ein weiteres Viertel der Kaufleute plant, diesen Service zukünftig anzubieten. Die Hälfte der befragten Händler misst dem Thema Barcodescannen via Smartphone große Bedeutung zu. „Unternehmen wie Coop in der Schweiz haben die Vorteile dieser Funktionen innerhalb ihrer Mobile Apps erkannt und bieten das Scan-Feature als einen einfachen Produktbestellmechanismus an“, sagt Kilic.

Ein wichtiges Thema ist auch das Couponing. 43 Prozent der Befragten halten das klassische Papier-Couponing als Verkaufsförderungsinstrument für wichtiger als den Handzettel. Gleichzeitig geben 60 Prozent der Befragten an, dass sie das Mobile Couponing im Vergleich zum klassischen für wichtig oder gar sehr wichtig halten – auch wenn ein Großteil nicht glaubt, dass das klassische Couponing gänzlich verschwindet (oder zumindest in den nächsten drei Jahren nicht). Begründung: Mittels Mobile Couponing könne man den Kunden zielgerichteter erreichen und somit Streuverluste vermeiden. Außerdem erlaube es flexiblere Reaktionen und eine bessere Erfolgsmessung. Derzeit behindern fehlende Technologien und unzureichend standardisierte Prozesse den Ablauf noch, weshalb erst sehr wenige Händler Mobile Couponing einsetzen.

Auch das Mobile Payment steckt noch in den Kinderschuhen, zumindest in Deutschland. „Contactless Payment über einen NFC-Chip auf der Kredit- oder Geldkarte wird als Zwischenlösung zum eigentlichen Mobile Payment gesehen. Hier haben bereits knapp 4 Prozent der befragten Händler entsprechende Lösungen im Einsatz“, erklärt Kilic. Doch fast die Hälfte gibt an, das mobile Bezahlen mit dem Smartphone in Zukunft als neue Bezahlform anbieten zu wollen. Die Händler erhoffen sich dadurch, unter anderem eine erhöhte Durchlauffrequenz an der Kasse zu erreichen.

Für eine erfolgreiche Marktdurchdringung von Mobile Payment sind für 78 Prozent der Händler technische Standards essenziell. Sollten die gegeben sein, gehen mehr als drei Viertel der Befragten davon aus, dass es innerhalb der nächsten drei Jahre in Deutschland zu einer Pilotierung mobiler Bezahlformen kommen wird.

M-Days in Frankfurt

Immer mehr Menschen greifen von unterwegs auf das Internet zu – via Tablet-Computer oder Smartphones. Das stellt auch den Lebensmittelhandel und die Nahrungsmittelindustrie vor große Herausforderungen. Wie spricht man die Nutzer dieser neuen Techniken optimal an? Wie stellt man sicher, dass nur korrekte Produktinformationen via Internet abrufbar sind? Unter anderem um solche Fragen geht es bei den M-Days am 1. und 2. Februar in Halle 1.2. der Messe Frankfurt . In mehreren Foren werden die einzelnen Aspekte des Themas Mobiles Internet beleuchtet. GS1 Germany bietet zum Beispiel am Mittwoch, 1. Februar, in Forum 4 zahlreiche Informationen zu den Themen Mobile Commerce/Couponing, Mobile Payment und Extended Packaging/Trusted Data – also das Umsetzen mobiler Rabatt-, Bezahl- und Produktinformationsmöglichkeiten.
Weitere Infos und Anmeldung unter www.m-days.com.

Dem Smartphone gehört die Zukunft

Sie heißen Dailydeal , Payback und Kaufda . Für Anbieter von Couponing- und Rabatt-Leistungen stehen die Zeichen auf Sturm, spätestens seit dem spektakulär erfolgreichen Börsengang von Groupon . Neben den seit vielen Jahren etablierten Papier- und Online-Gutscheinen liegt die Zukunft des Modells beim Mobile Couponing. „Aufgrund der generell positiven Einstellung Coupons gegenüber und der steigenden Zahl an Smartphones wird die Zahl in nächster Zeit deutlich steigen“, ist Ercan Kilic, Leiter Strategieprojekt MobileCom bei Gs1 Germany , überzeugt. Das glaubt auch Michael Elias, Geschäftsführer der Kuffer Marketing GmbH . Das Unternehmen, bisher mit den Gutscheinbüchern im Gastronomie-Bereich erfolgreich, hat nun den Lebensmittel-Einzelhandel im Visier. Die Strategie: Für die Händler selbst lohne sich eine eigene App kaum, da es bereits ein viel zu großes Angebot gebe. Kuffer Marketing will hier mit der eigenen App die nötige Nutzerzahl erreichen, bei der sich dann auch für den LEH stark regionalisierte Promotion-Angebote auf Filialebene lohnen sollen.