Widerrede dm bietet Augenuntersuchungen an – Nachahmenswert oder gefährlich?

Hintergrund

Die Drogeriekette dm bietet in ausgewählten Filialen Untersuchungenvon Haut und Augen an. Ist das nachahmenswert – oder gefährlich?

Donnerstag, 16. Oktober 2025, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Lukas Handelshauser (li.) und Daniel Pleger Bildquelle: KBR Wesermarsch, BVA

„Echter Mehrwert auch für behinderte Menschen“

Von Lukas Handeslhauser, Behindertenvertreter.

Lukas Handelshauser ist im Ehrenamt stellvertretender Vorsitzender des Kreisbehindertenbeirates Wesermarsch. Hauptberuflich arbeitet er im Pflegemanagement des Sozialwerkes Wesermarsch.

Das Gesundheitswesen in Deutschland steht schwer unter Druck. Auch personell, weil nicht zuletzt im ländlichen Raum zu wenige Ärzte praktizieren. Und diese Entwicklung wird sich voraussichtlich weiter verschärfen. Die Menschen leiden bereits jetzt unter anderem unter langen Wartezeiten bis zum nächsten Arztbesuch, insbesondere wenn es sich um einen Facharzt wie zum Beispiel einen Augenarzt oder Hautarzt handelt. Vor diesem Hintergrund stehe ich niedrigschwelligen Gesundheitsdienstleistungen positiv gegenüber, wie sie die Drogeriekette dm anbietet. Solche kreativen und innovativen Angebote können das Gesundheitswesen in Deutschland sinnvoll entlasten. Dabei darf es jedoch nicht – und dm hat das klargestellt – um den Ersatz klassischer Gesundheitsanbieter gehen, sondern ausschließlich um eine Ergänzung, die das System leistungsfähiger macht.

Besonders wichtig ist mir – und das scheint nach meinen Informationen bei dm gewährleistet zu sein –, dass die Angebote durch kontrollierte und qualifizierte Partner erfolgen. Ist das der Fall, erkenne ich einen echten Mehrwert auch für pflegebedürftige Personen und für Menschen mit Behinderung.

 

„Augengesundheit gehört in fachärztliche Hand“

Von Daniel Pleger, Bundesverband der Augenärzte

Daniel Pleger ist praktizierender Augenarzt in Kiel und Bundesvorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA). Viele Jahre arbeitete er in der Augenklinik Rendsburg.

Neben Blutentnahmen und Hautuntersuchungen bietet dm Augenscreenings in Kooperation mit Skleo Health an. Ich kritisiere dieses Angebot. Denn Augengesundheit gehört in fachärztliche Hand. Das Angebot von Skleo Health umfasst einen Sehtest und die Fotografie der Netzhaut. Die Ergebnisse seien KI-basiert ausgewertet und ärztlich validiert. Wie genau die Aufnahmen ausgewertet werden, ist nicht weitergehend erläutert. „KI-geprüft“ sowie „ärztlich validiert“ sind inhaltlich nicht ausreichend definierte Begriffe. KI-Unterstützung kann hilfreich sein, ist jedoch kein Garant für korrekte Ergebnisse und kein validierter Standard in der Medizin. 

Ihr Marketingversprechen, das Gesundheitssystem zu entlasten, können die Angebote vermutlich kaum einhalten. Sobald Kunden auffällige Ergebnisse erhalten, beanspruchen sie augenfachärztliche Leistungen. Spätestens dann oder bei einer Verunsicherung der Kunden kann schlussendlich nur noch die Untersuchung durch einen Augenarzt Klarheit schaffen. Wenn Erkrankungen durch nicht eindeutig definierte KI-Systeme oder weil Anzeichen außerhalb des Fotoausschnitts liegen, gar nicht oder zu spät festgestellt werden, kann das individuell schwerwiegende Folgen haben.

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