Der Berliner Stadtteil Wedding, früher ein klassisches Arbeiterviertel, ist heute bekannt als Schmelztiegel der Kulturen. Gastronomie und Geschäfte spiegeln die Vielfalt wider. Dass der zu testende Markt, „Kral Discount“, ein türkischer Lebensmittelmarkt ist, scheint weniger zufällig, denn viele Ladengeschäfte tragen hier türkische Schrift. Für die LP-Reporterin sind orientalische Läden kein Neuland, im Discount-Format jedoch schon. Somit ist die Neugierde groß. Doch schnell stellt sich ihr die Frage, warum der Marktname so gewählt wurde. Weder ist ein abgespecktes Warenangebot zu sehen, noch scheinen die Preise deutlich von denen vergleichbarer Läden abzuweichen.
Stimmung ★★☆☆☆
Geschäftig geht es vor dem Markt zu. An zwei Seiten wird dieser umrahmt von einer ausladenden Obst- und Gemüse-Präsentation. Zwei Verkäufer haben alles genau im Blick, kommen zu Hilfe, um die ausgewählten Produkte abzuwiegen, allerdings wortlos. Auch im Laden wird kaum gesprochen. Der Verkäufer an der Fleischtheke hat die kleine Verkaufsfläche und alle Kunden im Blick. Insgesamt herrscht eine eher gedrückte Stimmung.
Sortiment ★★☆☆☆
Türkische Supermärkte bieten oft Überraschendes im Obst- und Gemüse-Sortiment. Diese Erwartung kann auch Kral Discount erfüllen. Von warzigen Bittergurken über Okraschoten und blassgrüne, gefurchte Gurkenmelonen (als „Acur“ gekennzeichnet) bis zu Kaktusfeigen gibt es hier einige Produkte, die in regulären Supermärkten fehlen. Ungewöhnlich: Vor dem Markteingang steht ein kleiner Imbisswagen mit gekochten Maiskolben, die Kunden wie einen Hotdog auf die Hand mitnehmen und sofort verzehren. Eine breite Auswahl an Nüssen, Kernen und Trockenfrüchten, darunter Raritäten wie Moltebeeren, ist hier ebenso Pflicht wie in jedem anderen türkischen Markt. Ein Fokus liegt auf frischem, halal-zertifiziertem Fleisch in Bedienung, zudem wird eine kleine Auswahl Oliven und Käse an der Frischetheke angeboten. Im Kühlregal dominieren Wurstwaren, Weißkäse und Joghurt. Zudem gibt es mehrere Varianten Kadayif, die aus der Dubai-Schokolade bekannten Teigfäden – sowohl frisch als auch geröstet. Hinzu kommen Geschirr, Wasserkocher oder Körperpflegeprodukte, die sich auf den Regalen oder hinter der Kasse türmen.
Sauberkeit ★★☆☆☆
Fleischtheke und rückwärtiger Bereich sind sauber und aufgeräumt. Auch das Obst und Gemüse vor dem Markt punktet mit Frische. Der Verkaufsraum wirkt jedoch mitunter „kruschig“, die Ausstattung in die Jahre gekommen und zusammengewürfelt. Die Regale sind vollgepackt. Um alle Produktvarianten zu entdecken, müssen Kunden tiefer ins Regal greifen. Einkaufswagen dienen vereinzelt als zusätzliche Warenträger, machen es jedoch auch schwerer, sich auf den rund 50 Quadratmetern zu bewegen. Preise und Produktnamen sind teils handschriftlich auf Zetteln angebracht, teils mit türkischen Bezeichnungen. Nicht immer findet die Reporterin den Preis zum Produkt.
