Anzeige

Fuhrpark Mobil mit Mehrwert

Klaus-Peter Kessler | 30. November 1999

Es muss nicht immer Kaviar sein. E-Klasse, Fünfer, A6 – Kürzel etablierter Manager-Mobile wiederholen sich mit jeder Fahrzeuggeneration . Es geht auch anders.

Anzeige

Wie wäre es mit einem völlig neuen Raumgefühl, „erhabener Sitzposition“ und eingebautem „Aha-Effekt“? Dann sollte bei der nächsten Entscheidung über ein Geschäftsfahrzeug die Kategorie „Vans“ mit einbezogen werden. Auf der Grundfläche einer Mittelklasse-Limousine bieten diese Großraumfahrzeuge eine ganz besondere Kombination aus komfortablem Reisen und Arbeiten oder Tagen in gepflegter Atmosphäre. Spannend: In der Regel sieht man den Fahrzeugen ihr spezielles Innenleben von außen überhaupt nicht an – perfektes Understatement. Ist die äußere Hülle also meist unauffällig, ändert sich das im Innenraum schlagartig. Edle Materialien werten das sonst eher massentaugliche Serien-Interieur mehr oder weniger heftig auf, und auch die Ausstattung der Business-Varianten lässt in der Regel keine Wünsche offen. Zum wahren „Aha-Effekt“ wird das Innenleben aber im hinteren Fahrzeugteil. Da laden bequeme, bewegliche Sessel ebenso ein wie mobile Ti sche und Ablagen. Spezielle Leuchten sind auf die Geschäfts-Bedürfnisse der Passagiere ausgerichtet, Heizungs- und Belüftungsmöglichkeiten versehen das rollende Büro auch bei unwirtlichen Außentemperaturen mit einer angenehmen Atmosphäre.

Der Trend, Kleinbusse oder Großraumlimousinen zu rollenden Arbeitsplätzen oder gar zur Luxuslounge umzurüsten, kommt wie so vieles aus Amerika. Hier werden große Vans wie Chevrolet G20 oder Ford Econovan schon seit Fahrzeuggenerationen zu entsprechenden „Conversions“ umgerüstet. Hierzulande lange belächelt, entdecken nun verstärkt auch europäische Großserienhersteller den besonderen Nutzwert solcher Fahrzeuge. Jüngste Vertreter dieser Art sind der neue Viano von Mercedes-Benz und der Volkswagen-Klassiker „VW Bus“, der sich jüngst auch in einer Business-Variante präsentiert. Plus zwei weitere Anbieter, die man hier nicht unbedingt vermuten würde: Fiat und Peugeot werten gemeinsam mit Ausbau-Spezialist Sortimo ihre Schwester-Modelle Scudo und Expert mit einem eigens entwickelten Mobiliar auf.

Kleinbus statt S-Klasse

Zur IAA machte Mercedes in der Top-Version „Vision Pearl“ den Viano sogar zur Asphalt-Yacht. Hier zeigen die Stuttgarter im Rahmen eines Gesamtkonzepts, was möglich ist. Komplettbelederung, Echtholzboden, gebürstete Aluminiumelemente, chromatische Fensterglasverdunklung, integrierter WLan-Anschluss und Soundanlage sind nur einige Komponenten und machen den „Kleinbus“ zur S-Klasse unter den Vans. Wer nicht auf die eventuelle Markteinführung dieser automobilen Leckerei warten will, für den offerieren die Schwaben seit dem Frühjahr 2011 mit dem Viano Avantgarde in der Jubiläums-Edition „125“ (125 Jahre Automobil) eine etwas weniger extravagante aber nicht minder reizvolle Version. Die V6-Dreiliter-Diesel leisten bis zu 258 PS, ein spezielles Fahrwerk unterstreicht die besonderen Note dieses Automobils. Nach unten rundet Mercedes-Benz das Angebot mit den Varianten Trend Edition und Ambiente Edition ab; mit einer Möblierung, die sich vom üblichen Gesc häfts-Pkw deutlich abhebt. Der Einstiegspreis liegt bei 33.990 Euro netto für den Viano Trend Edition 2.2 CDI mit kurzem Radstand. Für 600 Euro mehr gibt es sogar die um 20 Zentimeter gestreckte Langversion. Es lebe die Beinfreiheit!

Jüngste Business-Class ist der erst vor wenigen Tagen präsentierte Multivan Business von VW und damit das neue Spitzenmodell der Multivan-Baureihe. Er basiert auf der Ausstattungslinie Highline und steht laut VW „für repräsentativen und nicht alltäglichen Komfort für Geschäftsreisende.“ Edelholz und Leder, elektrisch verstellbare Pullman-Sessel sorgen für luxuriöses Ambiente ebenso wie eine integrierte Kühlbox für Getränke und Snacks und eine Standheizung fürs Wohlfühlklima. Ein drahtloser Internetzugang hält auch unterwegs Kontakt zur Onlinewelt. DVE (Digital Voice Enhancement) erleichtert das Gespräch während der Fahrt, indem es die Stimme des jeweils Sprechenden automatisch über die Lautsprecher verstärkt. Für Vortrieb sorgen die zwei leistungsstärksten TDI-Motoren von Volkswagen mit 140 bzw. 204 PS. Der Preis des Multivan Business 2,0 TDI (140 PS) startet bei 67.595 Euro (netto).

Als Top-Modell der Scudo-Baureihe will Fiat den in Kooperation mit Sortimo gefertigten Scudo Modular verstanden wissen. Durch sein wertiges Innenraumkonzept mit bis zu sechs Einzelsitzen ist auch er für anspruchsvollen Personentransport geeignet und eine Alternative zu Mercedes und VW. Die, wahlweise mit Stoff oder Leder bezogenen, Sitze der mittleren Sitzreihe lassen sich um bis zu 360 Grad drehen, in der hinteren Reihe um bis zu 90 Grad verstellen. Die Tischkonstruktion darf sogar während der Fahrt benutzt werden. Das ist laut Fiat europaweit einzigartig. Eine maßgefertigte Bodenkonstruktion ermöglicht ein flexibles System, mit dem die Möbel variabel in der Länge verschoben oder leicht ein- und ausgebaut werden können. Als Basis für den Umbau dient der Panorama Executive L2H1 165 Multijet Euro 5 (ab 30.050 Euro netto). Die Umbaukosten beginnen bei 9.500 Euro netto.

Mit dem gleichen Sortimo-Baukasten verwandelt Peugeot den Expert Tepee in den MultiVIP. Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich auch dieser Luxus-Expert vom mobilen Besprechungsraum in ein VIP-Shuttle mit viel Platz für Passagiere oder Freizeitgeräte. Die im August 2011 vorgestellte Variante baut auf dem Expert Tepee HDi Fap 165 oder dem HDi FAP 135 auf und ist über das Peugeot-Händlernetz bestellbar. Weiteres Plus: Der mobile Konferenzraum mit vier Sitzen und Klapptisch verwandelt sich schnell in einen Freizeitbus, in dem der Fahrer sicher Fahrräder oder andere Sportgeräte unterbringen kann. Eine ganz neue Dimension für die private Nutzung des Geschäftsfahrzeugs.