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Nachhaltigkeit Greenwashing für die Galerie

Reiner Mihr | 06. November 2020
Nachhaltigkeit: Greenwashing für die Galerie
Bildquelle: Getty Images

Nachhaltiges Wirtschaften ist selbstverständlich an den drei Zielen Ökonomie, Ökologie und Soziales ausgerichtet. Selbstverständlich? Natürlich nicht. Jeder versteht etwas anderes unter „nachhaltig“, und manche drehen es so, wie es gebraucht wird.

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Neu ist das ohnehin nicht: Die Idee, mit ressourcen- und energiesparenden, sozial verträglich erzeugten Produkten Umwelt und Gesellschaft zu helfen, ist ein Vierteljahrhundert alt. Und Forstwirte saugen das quasi mit der Muttermilch auf: Schon im frühen 18. Jahrhundert wurde der Begriff definiert. Damals gab es einfach zu wenig Holz. Heute wird Nachhaltigkeit modern interpretiert. Begonnen hat das mit dem Grundverständnis von Dauerhaftigkeit, die von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission), dem Club of Rome oder auch der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages spätestens seit den 80erJahren des vorigen Jahrhunderts geprägt wurden.

Und nur wenig später – seit Anfang der 1990-er Jahre – geistert der Begriff des „nachhaltigen Konsums“ durch die Abschlusserklärungen internationaler Klima- und Nachhaltigkeitskonferenzen. Die Idee: Wenn jeder sparsamere und umweltfreundlich produzierte Produkte kauft, werden Ressourcen und Umwelt geschont.

Und obwohl das Wort Nachhaltigkeit mittlerweile alltäglich geworden ist – eine gültige, anerkannte Definition gibt es nicht. Ein Meilenstein war sicher das Abschlussdokument der Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro (die sogenannte Agenda 21). Diese Agenda ist der erste internationale Vertrag zum Klimawandel, der von 172 Staaten unterzeichnet wurde. Hier werden konkrete Handlungsempfehlungen formuliert, deren übergeordnetes Ziel die Nachhaltigkeit in sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bereichen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene sind. Damit kann gearbeitet werden. Seit rund zehn Jahren wird noch mit dem Begriff „enkelgerecht“ hantiert. Er soll wohl zeigen, dass das Wirtschaften die Chancen der nachfolgenden Generationen nicht verringert.

Nachdem mittlerweile ökologische Gedanken allgemein akzeptiert sind, eine grüne Partei vielfach in Regierungsverantwortung steht und selbst konservativste Parteien an dem Thema nicht mehr vorbeikommen, verzichtet kaum noch ein Unternehmen auf die eigene nachhaltige Positionierung. Das betrifft dann vielfach das eigene Handeln und Wirtschaften, aber auch die Ausgestaltung von Konzepten und Produkten. Und machen wir uns nichts vor: Seit die Mehrheit der Konsumenten weiß, dass der eigene Konsum der Umwelt und ihren Ressourcen schaden kann, gibt es immer mehr Produkte und Konzepte, die mit Nachhaltigkeitsversprechen ausgestattet sind.

Das verwässert den Begriff der Nachhaltigkeit natürlich. Kritiker stehen daher längst bei Fuß. Ein „Gummiwort“ sei das geworden mit einem zweifelhaften Ruf. Und die Wirksamkeit nachhaltigen Tuns wird auch bereits in Zweifel gezogen: Wer mit dem SUV zum Bioladen einkaufen fährt, hat zwar ein gutes Gefühl, trägt aber wohl wenig zur Ressourcenschonung bei. Dabei ist natürlich jeder, wirklich jeder für Nachhaltigkeit – solange sie nicht wehtut.

Und daher hat die Redaktion der Lebensmittel Praxis mal bei Herstellern, Händlern und Verbrauchern nachgefragt, was sie denn jeweils unter „Nachhaltigkeit“ verstehen. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Diese Fragen haben wir den Händlern gestellt:

  • Wann ist ein Produkt für Sie nachhaltig?
  • Wie hoch schätzen Sie den Anteil nachhaltiger Produkte an Ihrem Wochenumsatz ein?
  • Wie verhalten sich Ihre Kunden beim Thema Nachhaltigkeit?
  • ...

 Die Umfrageergebnisse im Detail finden Sie in unserem E-Paper:

https://lp-epaper.lpv-online.de/de/profiles/b52f728a9d6a/editions/5ac121b2fc5d0d4ee076/pages/page/18