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Interview mit Friedhelm Dornseifer „Die Lage ist angespannt“

Sonja Plachetta | 16. Januar 2015

Der Mengenumsatz im LEH stagniert. Um Kunden zu gewinnen, müssen Händler in Standorte, Sortimente und Mitarbeiter investieren, sagt Friedhelm Dornseifer, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels.

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Die jährliche Trendbefragung der Lebensmittel Praxis im LEH hat ergeben, dass die Stimmung bei den Händlern gedämpft ist. Schon 2014 waren die von uns befragten Kaufleute weniger optimistisch als noch im Vorjahr. Für 2015 sind sie noch weniger zuversichtlich. Woher kommt dieser eher pessimistische Ausblick?
Friedhelm Dornseifer: Der Mengenumsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln stagniert. Die Gründe dafür sind vielfältig, hängen aber vor allem mit dem demografischen Wandel und sich verändernden Verzehrsgewohnheiten zusammen. Wir haben nur noch einen sehr leichten Preisanstieg, teilweise fallen die Preise sogar.

Wie schätzen Sie als BVLH-Präsident und Lebensmittelhändler die wirtschaftliche Lage für den LEH ein?
Die Lage würde ich als angespannt bezeichnen – trotz insgesamt guter Konjunktur und stabiler Binnennachfrage.

Das Thema, das die Händler am meisten umtreibt, ist laut unserer Befragung der Kostendruck, der weiter zunimmt. Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um gegenzusteuern? Wird es z. B. Preiserhöhungen für die Verbraucher geben?
Preiserhöhungen sind im harten Wettbewerbsumfeld des Lebensmittel-Einzelhandels sicherlich das letzte Mittel der Wahl. So paradox es klingen mag: Um dem Kostendruck standhalten zu können, muss man investieren. Energiekosten senkt man am besten durch moderne, effiziente Kühlgeräte und Leuchtmittel. Kunden gewinnt und bindet man durch Investitionen in moderne Standorte, ins Marketing, in qualitativ hochwertige Sortimente und in qualifizierte, freundliche Mitarbeiter. Diese Maßnahmen zahlen sich am Ende mehr aus als das kurzfristige Herunterfahren sämtlicher Kostenblöcke.

Was bedeutet die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ab 2015 für den LEH?
Der gesetzliche Mindestlohn wird den Kostendruck für viele Händler erhöhen. Da er aber nun einmal beschlossen ist, müssen wir sehen, wie wir damit umgehen.

Welche Veränderungen und Herausforderungen für das neue Jahr bringt die im Dezember eingeführte Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) mit sich?
Das größte Stück Arbeit hatten wir zum Schluss mit der Allergeninformation bei loser Ware. Hier hat das Bundeslandwirtschaftsministerium viel zu spät und dann auch erst auf Druck der Wirtschaftsverbände eine Regelung auf den Weg gebracht, mit der auch der LEH leben kann. Auch durch die Arbeit des BVLH konnte erreicht werden, dass die mündliche Allergeninformation an den Bedientheken weiterhin ein wichtiges Informationsinstrument für die Kunden bleibt und zwar ohne, dass die Lebensmittelsicherheit darunter leidet.