Warenverkaufskunde Süßungsmittel

Der Trend hin zu einer gesünderen Ernährung lässt ­einen 
Wirtschaftszweig der Lebensmittelindustrie derzeit florieren: 
die Herstellung von Süßstoffen. Ein Überblick.

Sonntag, 16. Juni 2024 - Warenkunden
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Süßungsmittel
Bildquelle: Getty Images/LP

Zunächst zur Begrifflichkeit: Süßstoffe sollten nicht mit Zuckeraustauschstoffen wie Sorbit oder Isomalt verwechselt werden. Obwohl beide Kategorien mit E-Nummern auf dem Etikett kenntlich gemacht werden müssen, ist die Unterscheidung leicht: Austauschstoffe haben weniger Kalorien als Zucker, sind aber nicht wie Süßstoffe praktisch kalorienfrei. In der EU sind laut Verbraucherzentrale zwölf verschiedene Süßstoffe sowie acht Zuckeraustauschstoffe zugelassen. Sie können eine bis zu rund 37.000-fache Süßkraft im Vergleich zu Haushaltszucker haben

Immer wieder, auch in jüngerer Vergangenheit, gibt es Kritik an Süßstoffen, die die Verbraucher verunsichert. So hat die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Aspartam letztes Jahr als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Hierzu muss man aber wissen, dass auch Mobiltelefone so eingestuft werden, und ferner kam der WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe zu dem Ergebnis, dass Aspartam sicher sei. Grundlage ist hier eine zulässige Tagesdosis von 40 Milligramm Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht.

Reguliert werden die Stoffe über das europäische Zusatzstoffrecht, das vorschreibt, welche Süßmittel für bestimmte Produkte und in welchem Umfang verwendet werden dürfen. Süßstoffe enthalten keine tierischen Bestandteile, sodass sie für Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, geeignet sind (gilt nicht für Bio-Produkte).
Zu den zwölf zugelassenen Süßstoffen zählen die bekannten Namen wie Aspartam, Acesulfam-K und Saccharin, die allesamt häufig in der Getränkeproduktion eingesetzt werden. Es kommen aber immer wieder Neuheiten auf den Markt. Seit 2011 beispielsweise ist Stevia zugelassen. Genauer: Das Süßungsmittel aus der Stevia-Pflanze, die sogenannten Steviolglykoside (E960). Ebenso verhältnismäßig neu ist Advantam. Besonders ist laut Süßstoff-Verband die sogenannte „Süßkraft“. Diese Größe gibt an, um wie viel ein Stoff süßer ist als gewöhnlicher Haushaltszucker (Saccharose). Saccharose hat die Süßkraft 1. Je nach Lebensmittel, für das es eingesetzt wird, besitzt Advantam eine Süßkraft von bis zu 37.000, sodass bereits winzigste Mengen in der Produktion genügen. Zusätzlich zu seinem zuckerähnlichen Geschmack verstärkt und intensiviert Advantam Aromen, insbesondere Molkereiprodukte, Citrus-, Frucht- und Minzaromen, verlängert den Süßge­schmack in Kaugummi und kann bitteren Geschmack reduzieren.

Stevia

Pflanzenkraft: Stevia ist ein natürliches Süßungsmittel, das aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana gewonnen wird. Diese Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika, insbesondere aus Paraguay und Brasilien, wo sie seit Jahrhunderten von den indigenen Völkern als Süßstoff und Heilpflanze genutzt wird. Die Verwendung von Stevia war in vielen Ländern lange Zeit eingeschränkt, da Bedenken hinsichtlich der Sicherheit bestanden. Nach umfangreichen Studien hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2011 Steviolglykoside, die süßmachenden Bestandteile von Stevia, als unbedenklich eingestuft. Seitdem ist Stevia in vielen Ländern, einschließlich der EU und den USA, als Süßungsmittel zugelassen.

Aspartam

Der Klassiker: Aspartam ist ein künstlicher Süßstoff, der oft als Zuckerersatz in einer Vielzahl von Lebensmitteln und Getränken verwendet wird. Es wurde 1965 von James M. Schlatter entdeckt und ist etwa 200 Mal süßer als Zucker. Wegen seiner intensiven Süße wird Aspartam in geringen Mengen verwendet, was es zu einer kalorienarmen Alternative zu Zucker macht. Aspartam ist ein Dipeptid, das aus zwei Aminosäuren besteht: Asparaginsäure und Phe­nyl­ala­nin. Diese Aminosäuren sind Bausteine von Proteinen, die natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vorkommen. Bei der Einnahme wird Aspartam im Körper in seine Bestandteile zerlegt und verstoffwechselt. Es gibt widersprüchliche Studien über die Sicherheit von Aspartam. Eindeutig wissenschaftlich bestätigt ist ein negativer Einfluss von Aspartam bisher nicht.

Advantam

Süße Bombe: Advantam ist ein hochintensiver Süßstoff, der zur Familie der künstlichen Süßstoffe gehört. Es wurde entwickelt, um als kalorienfreier Zuckerersatz in einer Vielzahl von Lebensmitteln und Getränken verwendet zu werden. Advantam ist etwa 37.000 Mal süßer als Zucker, was es zu einem der stärksten verfügbaren Süßstoffe macht. Advantam wurde von verschiedenen internationalen Gesundheitsbehörden geprüft und als sicher für den menschlichen Verzehr eingestuft. Diese Organisationen haben festgelegt, dass Advantam in den zugelassenen Mengen bedenkenlos konsumiert werden kann. Advantam hat ein zuckerähnliches Geschmacksprofil ohne bitteren Nachgeschmack und wird unter anderem bei Kaugummis eingesetzt.

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