Seele der Frucht Obstbrände - Obstbrand

Spirituosen aus Obst haben eine lange Tradition in Deutschland und starke regionale Verankerung. Diese Warenkunde erklärt, was man als Händler über Obstbrände wissen sollte, denn das Segment ist erklärungsbedürftig.

Donnerstag, 03. November 2011, 23:00 Uhr
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Obstbrände - Obstbrand
Spirituosen aus Obst haben eine lange Tradition in Deutschland und stellen für Obstbauern eine wichtige Einnahmequelle dar.
Bildquelle: Brennerei Schladerer
Wasser und Geist

Unter dem Oberbegriff Obstbrand werden Obstwässer und Obstgeiste zusammengefasst. Den Unterschied kann man sich recht einfach merken, denn die Wässer werden aus Kern- und Steinobst gewonnen, beispielsweise aus Zwetschgen oder Kirschen. Nach dem so genannten Einmaischen wird der Fruchtzucker durch die Gärung wie beim Wein in Alkohol umgewandelt. Als Maische bezeichnet man das zermahlene Obst, das aus kleinen Stückchen und dem Most (Saft) besteht. Nach dem Gärprozess erfolgt die Destillation (auch „brennen“ genannt), heute hauptsächlich auf kupfernen Brennblasen, die per Dampf erhitzt werden. Obstler ist eine Unterkategorie der Wässer und wird aus Äpfeln und/oder Birnen gewonnen und hat einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Prozent Vol. „Fränkischer Obstler“ ist eine geschützte Herkunftsangabe, genau wie das weithin bekannte „Schwarzwälder Kirschwasser“.

Bei der Herstellung von Obstgeist gibt es im Gegensatz zu Obstwasser zwei wesentliche Unterschiede: Als Rohstoffe dienen speziell aromatische, zuckerarme Beeren wie Himbeere, Heidelbeere, Johannisbeere, aber auch Schlehe und Quitte. Um das empfindliche Aroma nicht durch Gärung und Destillation zu irritieren und trotzdem Alkohol zu erhalten, mazeriert man die frischen Früchte unvergoren in neutralem Alkohol. Das bedeutet: Das Obst wird in Alkohol eingelegt, gibt an diesen sein Aroma ab und wird als Mazerat (Alkohol und Beeren) destilliert. Gärung und Mazeration finden heute in Edelstahl- oder beschichteten Betontanks statt.

Qualitätsanspruch

Die Frische der Früchte und eine saubere, kontrollierte Vergärung sind wichtige Qualitätsfaktoren. Auch die Reifezeit beeinträchtigt das Ergebnis. Die Faustregel: Ein Destillat braucht mindestens ein Jahr, um sich vom Brennvorgang zu erholen und sein Aroma voll zu entfalten. Je nach Sorte können aber unterschiedliche Reifezeiten nötig sein. Ebenso legen Brennereien mit hohem Anspruch Wert auf die Reinheit des Destillats, das heißt, keine Zusatzstoffe und möglichst wenig Zuckerzusatz, denn dieser manipuliert das Ergebnis. Laut EU-Spirituosenverordnung ist eine Zuckerung des fertigen Obstbrandes bis zu einem gewissen, je nach Land unterschiedlichen, Grenzwert zulässig. In Deutschland liegt dieser bei 10 g pro 1 l Fertigware. Ausgenommen sind Obstbrände mit Herkunftsbezeichnung, denn diese unterliegen strengeren Richtlinien und eine Zuckerung ist verboten. Außerdem müssen bei geschützten Bränden alle Rohstoffe aus der definierten Region stammen, sowie der erste Brennvorgang in dieser stattfinden.

{tab=Frage:}

  1. Nenne mindestens zwei Obstbrände mit geschützter Herkunft!
  2. Welchen Alkoholgehalt dürfen Obstbrände in keinem Fall überschreiten?
  3. Wie heißt ein bekannter, sortenreiner Birnenbrand?

{tab=Antwort:}

  1. Schwarzwälder Kirschwasser, Fränkischer Obstler
  2. 86 Prozent vol.
  3. Williams

{tab=Kleines Obstbrand-Lexikon}

Bei Kennern besonders beliebt sind sortenreine Apfelbrände. Das Obst kommt meistens von Streuwiesen. Prinzipiell kommen viele Apfelsorten für die Produktion in Frage, was der Kategorie ein breites aromatisches Spektrum verleiht. Calvados stammt aus der Normandie und unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den deutschen Apfelbränden: Diese Spirituose wird aus gelagertem Apfelwein (Cidre) destilliert. Die bekannteste Sorte bei der Gruppe Tresterbrand (Brände aus den Rückständen der Weinproduktion) ist der italienische Grappa. Einen weit bekannter Klassiker stellt auch das Kirschwasser dar, eine Hochburg der Kirschwasser-Produktion liegt im badischen Teil des Schwarzwaldes. Mirabellenbrand muss vor der Abfüllung mit Wasser verdünnt werden, da sonst der Alkoholgehalt zu hoch wäre. Noch verhältnismäßig unbekannt ist der Schlehenbrand aus der Schlehe. Die Nachfrage wächst aber. Ernte und Produktion sind aufwendig und der Preis ist dementsprechend hoch. Ähnliches gilt für die Rarität Zibärtle aus der Wildpflaume Zibarte.

{tab=Impressum}

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis.

Redaktion: Tobias Dünnebacke

Wir danken der Brennerei Schladerer für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Bildmaterial.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Spirituosen aus Obst haben eine lange Tradition in Deutschland und stellen für Obstbauern eine wichtige Einnahmequelle dar.
Bild öffnen Nach dem Gärprozess erfolgt die Destillation heute hauptsächlich auf kupfernen Brennblasen, die per Dampf erhitzt werden.
Bild öffnen Manche Sorten werden, je nach gewünschtem Ausbau, in Fässern gelagert, zumeist Esche, da sie kein Geschmack und Aroma abgibt.
Bild öffnen Die Erfahrung des Brennmeisters spielt bei der Destillation eine wichtige Rolle.
Bild öffnen Konsumiert werden sollten Obstbrände übrigens stets bei Zimmertemperatur in einem entsprechenden Digestif-Glas.
Bild öffnen Die Lagerung kann auch in Edelstahltanks erfolgen.
Bild öffnen Die regelmäßige Kontrolle der Qualität ist bei einem Obstbrand genau so wichtig ...
Bild öffnen wie eine individuelle und hochwertige Markenbildung.
Bild öffnen Die Birne spielt eine zentrale Rolle bei der Obstler-Produktion. Besonders wichtig ist die Sorte Williams Christ, aus der der Brand „Williams“ gemacht wird.
Bild öffnen Kirschen dienen als Rohstoffe für das bekannte „Schwarzwälder Kirschwasser“. Aber auch für andere Sorten werden Süß- und Sauerkirschen vergoren.
Bild öffnen Zwetschgenwasser ist in Deutschland vor allem im Allgäu und in Baden-Württemberg zu finden. Aber auch in Serbien, Kroatien und Slowenien werden ähnliche Brände gemacht.
Bild öffnen Genau wie Birnen können auch Äpfel für die Grundlage eines Obstlers verwendet werden. Das Destillat muss dabei mindestens 37 Prozent Vol. haben.

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