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Warenverkaufskunde Korn

Elena Kuss | 16. Dezember 2020

Korn zählt zu den am häufigsten konsumierten Spirituosen in Deutschland nach Likören und Wodka. So wird der feste Bestandteil des Herrengedecks hergestellt.

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Es gibt verschiedene Sorten von Korn. Der Alkoholanteil ist rechtlich vorgegeben. Korn hat einen Alkoholgehalt von mindestens 32 Prozentvolumen, Kornbrand oder Doppelkorn 37,5 Prozentvolumen. Laut Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure wird Korn zu 70 Prozent über den Lebensmittel-Einzelhandel verkauft.

Herstellung
Im ersten Schritt wird das Getreide gemahlen. Nach dem Reinheitsgebot, das seit 1789 für Korn gilt, darf nur reifes Getreide wie Weizen, Roggen, Buchweizen, Gerste und Hafer verwendet werden. Die Zugabe von Aroma- und Zusatzstoffen ist nicht zulässig.

Maischezubereitung
Das gemahlene Getreide wird mit heißem Wasser vermengt, sodass ein Brei – die Maische – entsteht. Durch diesen Vorgang wird die im Getreide enthaltene Stärke zugänglich gemacht. Durch Zugabe von Malz verwandelt sich die Stärke in Zucker, die Maische ist „verzuckert“.

Gärung
Im Gärbottich wird der verzuckerten Maische Hefe hinzugefügt. Dadurch wandelt sich der Zucker in Alkohol und Kohlensäure um.

Destillation
Nach drei Tagen wird die vergorene Maische zum Sieden gebracht, also sehr stark erhitzt. Dies ist der eigentliche Brennvorgang.

Rektifikation
Der Alkohol, der im ersten Destillationsvorgang entsteht, ist nicht zum Trinken geeignet. Man bezeichnet ihn als Rohbrand. Erst in weiteren Destillationsschritten, der Rektifikation, wird der Rohbrand von unerwünschten Geschmacks- und Geruchsstoffen befreit. So entsteht ein Feinbrand.

Zwischenlagerung
Noch hat der Feinbrand eine zu hohe Alkoholkonzentration. Im Zwischenlager wird er mit Wasser versetzt, bis er die ideale Stärke für die Lagerung erreicht. Für die Bezeichnung „alt“ oder „alter“ Korn sind mindestens sechs Monate Reifezeit vorgeschrieben.

Korn wird zwar gern als Klarer bezeichnet, doch die Transparenz der Flüssigkeit ist kein Muss. Auch fassgelagerte Brände auf Getreide-basis – wie man sie vom Gerstendestillat Whisky kennt – kommen in Deutschland ins Regal.

Der Alkohol, der bei der Destillation als Dampf aufsteigt, wird aufgefangen, durch Kühlung wieder verflüssigt und gesammelt.
Das junge Unternehmen Bzone destilliert seinen Doppelkorn beispielsweise 48-mal, um aus einem Rohbrand einen Feinbrand zu gewinnen. 

Am Boden
Korn steht oft auf dem untersten Regalboden. Der Ruf ist vorbelastet: Die Spirituose gilt oft als billiger Kater-Fusel. So können Mitarbeiter Vorurteile ausräumen: In der Gastronomie keimt der Trend zu Premium-Kornbränden bereits seit mehreren Jahren. Meist sind es kleine, regionale Manufakturen oder Brennereien, die hochwertige Craft-Produkte in kleinen Auflagen anbieten. Im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel ist dieser Trend jedoch noch nicht wirklich sichtbar, sagt Stefan Goß, Marketingleiter des Kornherstellers Nordbrand Nordhausen. Die neuen Premium-Korn-Anbieter seien für die Wahrnehmung der Kategorie generell sehr wichtig. Sie leisteten einen großen Beitrag, um das Image und die Wertigkeit zu stärken. „Wir sehen auch im Handel ein echtes Potenzial für Premium-Kornbrände. Es braucht allerdings noch etwas Zeit, bis sich diese Produkte mengenmäßig bemerkbar machen“, sagt Goß. Auch Echter Nordhäuser arbeite an hochwertigen Premiumkonzepten für den Handel, die das Sortiment nach oben abrunden.

Christian Mludek, Mitgründer des rheinländischen Spirituosenherstellers Bzone, erklärt, wieso sein Unternehmen auf den LEH als Vertriebskanal setzt: „Der Supermarkt-Konsument legt immer mehr Wert auf qualitativ hochwertige Produkte, frei von Zusätzen und Aromastoffen: Korn ist genau das.“ Viele Vorurteile lassen sich ganz einfach ausräumen.

Korn ist billig
Oft wird Korn für weniger als zehn Euro pro Flasche im LEH verkauft. Neuer Kornbrand von jungen Herstellern (Nork, Konfettikorn, Herr Häns, Leonardt Korn, Burgen Korn, Rye Korn oder Bzone Doppelkorn) versuchen, deutlich höhere Preise über 20 Euro zu erzielen. Aber auch große Häuser wie Rotkäppchen-Mumm legen Premiumlinien auf. Der Single-Cask-Kornbrand des Marktführers Echter Nordhäuser wird für über 170 Euro gehandelt.

Wodka und Korn sind das Gleiche
Wodka ist der Sammelbegriff für klare gebrannte Spirituosen ohne explizite Regelungen, wohingegen Korn dem Reinheitsgebot unterliegt und somit als Untermenge von Wodka gilt. Jeder Korn ist also zugleich ein Wodka, aber nicht andersherum.

Korn ist NICHT gleich Korn
Beim Geschmack spielen die verwendeten Kornsorten eine große Rolle. Der Weizen bringe die Süße, der Roggen die Würze, erklärt Mludek. Auch die Lagerung zum Beispiel im Fass verändert Farbe und Geschmack.

Korn brennt im Hals
Alkohol hat eine zellschädigende Wirkung im Rachen. Den Effekt haben Schüler bei „Jugend forscht“ genauer untersucht. Sie konnten nachweisen, dass die Zellen mit zunehmender Alkoholmenge stärker geschädigt werden. Viele Spirituosenliebhaber beschreiben jedoch den Effekt, dass qualitativer Korn nicht oder weniger brennt. Und das, obwohl der Alkoholgehalt gleich ist. Dabei gilt als Faustformel: Je länger die Spirituose gelagert wurde, desto milder schmeckt sie.

Korn passt In Cocktails
In der Barszene erfreut sich Korn heute wachsender Beliebtheit. Barkeeper kombinieren den Brand mit Trendgetränken wie Wermut. Christian Mludek von Bzone empfiehlt zum Beispiel: 2 Zentiliter Doppelkorn, 4 Zentiliter Roter Weinbergpfirsichlikör mit Traube, 8 Zentiliter Bitter Lemon im Weinglas auf Eis serviert. Mit einer Orangenscheibe garnieren.
Nicht immer steht Korn auf dem untersten Regalboden. Wie bei Gin setzen die Händler auch bei Korn auf regionale Spirituosenhersteller, die durch Sonderplatzierungen besonders ins Auge fallen.

Wissen Checken

Wer aufmerksam gelesen hat, kann die folgenden Fragen beantworten.

Fragen

  1. In welchen Monaten wird im LEH am meisten Korn verkauft?
  2. Aus welchen Getreidesorten darf Korn gebrannt werden?
  3. Wie viel Prozent Alkoholgehalt sind bei Kornbrand vorgeschrieben?

Antworten

  1. Von Oktober bis Dezember.
  2. Weizen, Roggen, Gerste, Buchweizen, Hafer.
  3. Mindestens 37,5 Volumenprozent.

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken den Herstellern Nordbrand Nordhausen und Bzone.