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Warenverkaufskunde Deodorants und Anti-Transpirantien

Bettina Röttig | 06. November 2020

Deodorants und Anti-Transpirantien sind fester Bestandteil der täglichen Körperpflege. Worin besteht der Unterschied zwischen den Kategorien und auf welche Zusatznutzen achten Verbraucher heute? Ein Überblick.

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Düfte stellen viel mit uns an, sie wecken Emotionen und Reaktionen. Kein Wunder also, dass wir uns wünschen, dass andere Menschen uns gut riechen können – und das ganz wörtlich genommen. So ist der Kampf gegen unerwünschte Körpergerüche bereits ein über Jahrhunderte andauernder. Schon im alten Rom oder Ägypten wurden Überlieferungen zufolge Körpergerüche mit Parfümölen überdeckt.

Heute wissen wir mehr über die Entstehung des Schweißgeruchs – Voraussetzung für die Entwicklung wirksamer Deodorants: Grundsätzlich riecht Schweiß neutral. Der strenge Duft entsteht erst, wenn Bakterien auf der Haut den Schweiß zersetzen. Da das feuchte und warme Umfeld in den Achselhöhlen das Bakterienwachstum begünstigt, entwickeln sich vor allem dort unangenehme Gerüche.

Deo ist nicht gleich Deo
Sicher schwitzen: Dieses Versprechen geben moderne Deos. Hinter dem Sammelbegriff verbergen sich zwei Kategorien: Deodorants und Anti-Transpirantien. Die Produkte der beiden Kategorien schützen auf unterschiedliche Weise. Welcher Begriff steht für welche Wirkung?
Ein Produkt, dessen Hauptaufgabe es ist, Schweißgerüche zu überdecken, heißt Deodorant. Antimikrobielle (keimhemmende) Wirkstoffe in den Produkten hemmen das Wachstum von Bakterien.

Ein Anti-Transpirant dagegen reduziert die Schweißbildung. Eingesetzt werden hierfür Aluminiumsalze wie Aluminiumchlorid. Sie sorgen für eine Verengung der Schweißkanäle, sodass weniger Schweiß an die Oberfläche gelangt. Ein reduzierter Schweißfluss bedeutet gleichzeitig, dass geruchsbildenden Bakterien weniger Nährboden zur Verfügung steht. So verringert sich auch der Schweißgeruch. Hersteller empfehlen zum Teil, ein Anti-Transpirant vor dem Schlafengehen zu verwenden, so können sich die Wirkstoffe über Nacht effektiv entfalten. Die Dusche am nächsten Morgen könne die Wirkung des Anti-Transpirants nicht beeinträchtigen.

Rund 20 Milliarden US-Dollar (circa 17 Milliarden Euro) geben Verbraucher laut Statistischem Bundesamt weltweit pro Jahr für den guten Achselgeruch aus – Tendenz steigend. Eine Studie des IKW (Industrieverband Körperpflege und Waschmittel) zeigt, dass für Teenies in Deutschland spätestens ab der weiterführenden Schule Deo ein Muss ist. 83 Prozent der in der Studie befragten Jugendlichen nutzen Deo bereits täglich beziehungsweise mehrmals täglich.

Sprühen, Rollen oder Cremen?
Am Regal gilt es, zunächst die Entscheidung zu treffen: Deo oder Anti-Transpirant? Unterschiede und neue Trends gibt es jedoch auch hinsichtlich der Darreichungsformen. Das Thema Nachhaltigkeit kommt hier zum Tragen, zudem ist die Wahl Gefühlssache.

  • Spray: Deodorants und Anti-Transpirantien zum Sprühen sind beliebt. Der Sprühnebel erfrischt, die Handhabung ist besonders hygienisch. Viele Deo-Sprays verwenden Treibgase, um einen feinen Sprühnebel zu erzeugen. Wer auf diese verzichten möchte, greift zum Pumpspray. In diesen Zerstäubern wird das flüssige Deodorant lediglich durch mechanische Wirkung über das Steigrohr in den Sprühkopf gepumpt. Nach Angaben der Industriegemeinschaft der Aerosole wurden 2019 in Deutschland insgesamt 255 Millionen Deo-Spraydosen verkauft. Dies entspricht einem Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Roll-on: Deos in Form von Rollern gibt es bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Als Inspirationsquelle soll die Technik des Kugelschreibers gedient haben. Per Roll-on kann ein Deo sehr präzise und damit sparsam aufgetragen werden.
  • Stick: Deo-Stifte verwenden meist die gleiche Drehmechanik wie ein Lippenpflegestift. Andere werden nach und nach einfach mit dem Finger nach oben geschoben. Sticks besitzen die größte Auftragsfläche, womit sie bei übermäßiger Schweißproduktion empfohlen werden.
  • Creme: Deocremes in Tiegel und Tube finden aktuell mehr Aufmerksamkeit. Sie werden mit den Fingern dünn auf die Achselhaut aufgetragen und erlauben so eine sehr genaue Abmessung der aufgetragenen Menge. Ein 50-Milliliter-Tiegel soll bis zu sechs Monate halten, so die Angaben der Hersteller. Ein weiterer Vorteil dieser Verpackung, der zunehmend Verbraucher anspricht: weniger Plastikmüll. Die Glastiegel lassen sich nach dem Gebrauch für andere Zwecke verwenden.
  • Tücher: Noch wenig verbreitet, aber praktisch für zwischendurch und unterwegs sind mit Wirkstoffen getränkte Deo-Tücher aus Vlies. Sie werden einzeln verpackt oder im Zehnerpack angeboten und passen sogar in die Hosentasche.

Warum schwitzen?
Schwitzen ist natürlich und sogar lebensnotwendig.
Beim Schwitzen aktiviert die erhöhte Blutzirkulation die 2–5 Millionen Schweißdrüsen, die sich in der Haut befinden. Sobald der Schweiß verdunstet, wird die Haut abgekühlt und somit die Körpertemperatur reguliert.

Aluminium: neue Erkenntnisse aus der Forschung
Zu hohe Aluminiumgehalte im Körper können nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand negative Auswirkungen auf das Nervensystem, die Nieren und die Knochen haben. Gerade in Verbindung mit Anti-Transpirantien, die täglich auf die Haut aufgetragen werden, war das Thema für Verbraucher in den vergangenen Jahren ein sehr sensibles wie emotionales.

Die Wissenschaft hat den Beitrag von aluminiumhaltigen Anti-Transpirantien zur Gesamtbelastung der Konsumenten mit Aluminium neu untersucht.

Sowohl der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (Scientific Committee on Consumer Safety SCCS) der Europäischen Kommission als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kamen nun zu der Einschätzung, dass ein signifikanter Beitrag von Anti-Transpirantien zur Gesamtbelastung gegenüber Aluminium nach derzeitiger Datenlage unwahrscheinlich ist.

BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel: „Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet.“

Eine neue Humanstudie aus dem Jahr 2019 zur Aluminiumaufnahme über die Haut ermöglichte die Neubewertung. Wer sich grundsätzlich vor einer zu hohen Aluminiumaufnahme schützen wolle, sollte darauf achten, dass vor allem saure und salzhaltige Lebensmittel und Getränke nicht mit Aluminium in Kontakt kommen, etwa über Trinkflaschen, Backbleche, Grillschalen, so die Empfehlung des BfR.

„Frei von“ ist Trend im Deo-Regal
Was steckt im Deo? Der Blick der Verbraucher auf die Liste der Inhaltsstoffe ist bei Deodorants und Anti-Transpirantien in den vergangenen Jahren schärfer geworden. „frei von“-Aspekte zum Schutz von empfindlicher Haut und Kleidung rücken stärker in den Fokus. So wuchs vor allem die Zahl der Produkte, die ohne Aluminiumsalze auskommen. Nachdem dieser Inhaltsstoff in der Kritik stand, haben Deo-Marken ihr Angebot an aluminiumfreien Geruchskillern immer weiter ausgebaut.

Produkte für sensible Haut sowie für Allergiker verzichten auf Alkohol und Parfüm. Auch auf vegane Formulierungen achten mehr Verbraucher. In veganen Kosmetikprodukten wird auf jegliche tierische Ausgangsstoffe verzichtet.

Natürlichkeit im Fokus
Der Trend zur Naturkosmetik und naturnahen Kosmetik ist längst auch im Deo-Segment angekommen. Rund 18 Prozent steuern beide Bereiche nach Angaben des IKW zusammen mittlerweile zum Gesamtumsatz mit Körperpflege und Kosmetik (2019) bei.

Unter naturnahen Körperpflegeprodukten sind Pflanzenkosmetika und „frei von“-Produkte zu verstehen, die auf eine Reihe herkömmlich eingesetzter synthetischer Roh- und Hilfsstoffe verzichten und verstärkt auf pflanzliche Inhaltsstoffe setzen. Für sie gibt es jedoch keine geltenden Mindeststandards.

Für „echte“, sprich zertifizierte Naturkosmetik gelten jedoch klare Regeln: Die Hersteller beschränken sich auf ein enges Spektrum an Roh-, Hilfs- und Wirkstoffen sowie spezielle Verarbeitungsverfahren. Im Fokus der Entwicklung von Naturkosmetikprodukten stehen statt chemischer Inhaltsstoffe also Wirkstoffe aus der Natur. Zertifizierte Naturkosmetik erkennt man an den Siegeln Cosmos und Natrue. Auch bio-zertifizierte Produkte sind erhältlich.

Verbraucher schauen genauer auf die Inhaltsstoffe von Deodorants und Anti-Transpirantien.

Wissen Checken

Wer aufmerksam gelesen hat, kann die folgenden Fragen beantworten.

Fragen

  1. Worauf zielen Deodorants ab?
  2. Welche Wirkung haben Anti-Transpirantien?
  3. Was versteht man unter „echter“ Naturkosmetik?

Antworten

  1. Deodorants hemmen die Bakterienbildung und verhindern damit unangenehme Gerüche.
  2. Anti-Transpirantien reduzieren die Aktivität der Schweißdrüsen.
  3. Als „echte“ Naturkosmetika werden Produkte bezeichnet, die nach Zertifizierungs-Standards kontrolliert werden.

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken dem Bundesinstitut für Risikobewertung für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.