Ausbilder des Jahres 2016 „Creativ Cups“ Nachmachen erwünscht!

„Darauf hätten wir ja auch kommen können!“, kommentierte ein Händler die Vorstellung besonderer Projekte beim Ausbilder des Jahres.

Donnerstag, 20. Oktober 2016 - Rückblick
Heidrun Mittler
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Inhaltsübersicht

Sie sind das Salz in der Suppe und peppen den Alltag für die Azubis auf: besondere Projekte, die man mit anderen Auszubildenden gemeinsam durchführt. Da schaut man erfahrungsgemäß auch nicht auf die Uhr, wenn es gilt, das Projekt besonders gut umzusetzen. Kurz gesagt: Diese besonderen Aktivitäten stärken das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Firmennachwuchses und sorgen dafür, dass die Ausbildung viele Facetten zeigt

Auch im diesjährigen Branchenwettbewerb „Ausbilder des Jahres“ hat die unabhängige Jury eine Vielzahl von Bewerbungen in der Kategorie „Kreativ-Cups“ durchgeschaut. Drei Projekte wurden bei der Preisverleihung ausgezeichnet. Außergewöhnlich ist, dass zwei Handelszentralen (in beiden Fällen die Rewe) darunter sind. Bei diesen Projekten haben also die Personalentwickler Lösungen für bestehende Probleme oder Aufgaben gesucht und gefunden. Davon profitieren dann später die Azubis in diesen Unternehmen. Oder, um es mit den Worten eines Juroren zu sagen, als er die Bewerbung der Rewe Süd durchblätterte: „Wenn es das Projekt nicht schon gäbe, müsste man es ins Leben rufen!“

Selbst aktiv hingegen wurden Auszubildende aus dem Unternehmen Tegut: Sie unterstützen Flüchtlinge, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und mit viel Herz. Alle drei gleichwertigen Kreativ-Cups stellen wir im folgenden vor – sehr zur Nachahmung empfohlen!


Rewe West

Blendend lernen mit Blended Learning

Die Rewe West, genauer gesagt, das HR-Kompetenzcenter, wird für das Lernen mit dem Tablet ausgezeichnet. Die Abteilung betreut derzeit fast 800 junge Menschen und kümmert sich um 350 angehende Führungskräfte in Weiterbildungsprogrammen.

Seit letztem Jahr bekommen alle Rewe-Group-Neulinge nach der Probezeit ein Tablet zur Verfügung gestellt. Mit diesem Hilfsmittel soll die Ausbildung erleichtert werden, außerdem kann der Azubi das Gerät auch für private Zwecke nutzen. Nur bringt das schönste Tablet nichts, wenn keine Lerninhalte dafür zur Verfügung stehen. Jetzt kommt das Team der Rewe West ins Spiel, das die Inhalte geschneidert hat – natürlich mit tatkräftiger Unterstützung der übrigen sechs Rewe- Vollsortiment-Regionen. Das Lernsystem ist einzigartig im deutschen Lebensmittelhandel, andere Firmen werden sicher eigene Konzepte dazu entwickeln.

Das Blended Learning beschreibt ein Lernkonzept, das Online-Lernangebote und Präsenzseminare miteinander verbindet, losgelöst von Ort und Zeit. Es soll Kosten sparen, insbesondere Raum-, Übernachtungs- und Reisekosten, welche die Seminarteilnehmer ansonsten verursachen. Die neue Form des Lernens gilt natürlich genauso für die Trainer, die ihre Arbeitsweise umstellen müssen. Die Arbeit mit dem Tablet bringt neuen Spielraum, so kann ein Trainer mit Zusatzaufgaben gezielt Azubis bei ihren Defiziten unterstützen. Die persönliche Betreuung aber ersetzt sie keinesfalls. Die Personaler der Rewe haben noch viel zu tun: Seit Juli dieses Jahres sind die Lerninhalte des zweiten Ausbildungsjahres auf der Rewe-Plattform aufgespielt, nächstes Jahr folgt das dritte Lehrjahr, dann die Nachwuchsförderprogramme.


Tegut

Ein Engel sein

Mit einem karitativen Projekt ist die Tegut-Zentrale in Fulda auf dem Treppchen gelandet. Das Projekt trägt den Namen „ein Engel sein“. Gestartet wurde es 2015, als vier Lernende (so heißen die Azubis bei Tegut) aus der Zentrale einen Beitrag zur Flüchtlingskrise leisten wollten. Sie organisierten eine Kleiderspende und fuhren die Kleidung mit einem Transporter selbst zu einer großen Flüchtlingsunterkunft in Fulda. Diese persönliche Erfahrung hat die Lernenden bewegt und den Wunsch geweckt, mehr tun zu wollen. Gemeinsam mit ihrem Betreuer Bernhard Vey hat die Gruppe überlegt, welche weiteren Hilfsangebote sinnvoll und umsetzbar sind. Das Ergebnis: Die Auszubildenden haben sich über mehrere Monate alle zwei Wochen (konkret nach der Berufsschule) getroffen und etwas unternommen. Das Angebot war breit, es reichte von der Hausaufgabenbetreuung über gemeinsames Basteln zum Muttertag und Ostereier-Bemalen über eine Stadtführung bis zu einem Besuch eines Tegut-Supermarktes mit anschließendem Eisessen. Das Projekt kam so gut an, dass es in diesem Jahr von weiteren Lernenden fortgeführt werden soll.

Und woher hat das Projekt seinen Namen? Die Idee stammt von der letztjährigen Weihnachtsfeier, die von den Azubis gestaltet wurde. Damals sind sie der Frage nachgegangen, wie und wo sie Engel sein könnten. In einem Krippenspiel haben sie auf die Flüchtlingssituation vor 2000 Jahren aufmerksam gemacht und an die Migration nach dem zweiten Weltkrieg erinnert. Geschäftsführer Thomas Gutberlet bekam bei dieser Gelegenheit übrigens einen eigenen Schutzengel überreicht. Die Philosophie, dass ein Jeder nach seinen Kräften helfen kann, gab den Ausschlag für den Projektnamen.


Rewe Süd

Mobile Ausbildungs-berater

Das HR Kompetenzcenter der Rewe Region Süd kann sich den Lorbeer anstecken, als erster eine Lösung für ein Problem gefunden zu haben, das den gesamten Handel betrifft. Es geht darum, dass Auszubildende heute oft mehr persönliche Betreuung benötigen als früher, gleichzeitig werden die Aufgaben im Handel immer komplexer. Auch die Personalentwickler haben andere Schwerpunkte als in früheren Zeiten, in erster Linie die Weiterentwicklung von Mitarbeitern und Teams. Dadurch wird die Zeit, die bleibt, um die Azubis und Ausbilder vor Ort zu betreuen, immer knapper. Deshalb schickt die Rewe Süd in einem Pilotprojekt seit Jahresbeginn Mobile Ausbildungsbetreuer in die Märkte. Sie haben drei Aufgaben: die persönliche Kompetenz der Azubis zu fördern, den Praxistransfer von Gelerntem zu unterstützen und die Qualitätsstandards in der Ausbildung sicherzustellen. Man kann das vielleicht mit einem Fachberater für Käse vergleichen, nur auf die Ausbildung bezogen. Die Mobilen Ausbildungsbetreuer unterstützen jeweils ein Verkaufsgebiet, je nach Region um die 100 Azubis. Alle kommen aus der Praxis, waren vorher z. B. Marktmanager, und sind speziell geschult, etwa im Arbeits- und Personalrecht. Sie dienen in der Praxis als Ansprechpartner für die Jugendlichen; sie erkennen, wann ein junger Mensch eine spezielle Förderung wie Nachhilfe benötigt und stellen sicher, dass die Azubis regelmäßig in Aktionen eingebunden werden. Die Finanzierung erfolgt über eine Umlage an die Kaufleute. Schon nach einem halben Jahr stand fest, dass das Projekt bei der Rewe Süd gut angenommen und weitergeführt wird.