Einkaufstest Können Lieferdienste den Einkauf ersetzen?

Beruf und Freizeit, Haushalt und Familie – unser Leben verlangt viel, die Ansprüche an die Ernährung steigen, dabei ist Zeit immer knapp. Lieferdienste versprechen Abhilfe. Halten Sie das?

Donnerstag, 14. Februar 2013 - Store Checks
Silvia Schulz
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Wie gut sind Lieferdienste wirklich? Die Redaktion wollte es wissen und testete einige Anbieter in diesem relativ jungen Segment. Diese liefern in der Regel die Zutaten für bis zu drei Mahlzeiten für zwei oder mehr Personen bis an die Haustür. Verpackt wird in einer Tüte oder Kiste. Nur gekocht werden muss noch selber. Ein Angebot, das große Aufmerksamkeit findet und in der Öffentlichkeit auch durchaus kontrovers diskutiert wird. Es gibt bereits diverse Anbieter in Deutschland, unter anderem Hello Fresh, Kochzauber (nicht getestet), TastyBox (nicht getestet), Tischline deck dich (nicht getestet), KommtEssen und Unsere Schlemmertüte. Die Redaktion testete zum Vergleich darüber hinaus auch die stationären Anbieter Kochhaus und Perfetto.

Tester waren mehrere Personen, die exakt der Zielgruppe entsprechen: berufstätige Mütter mit Kindern und zeitlich stark beanspruchte Personen. Neben dem Online-Shop mit Design, System und Sicherheit wurden Bestellung, Service, Lieferung und Qualität unter die Lupe genommen.

Die Tester kritisierten vor allem lange Lieferzeiten: Dabei ist ein Angebot gerade für schnell entschlossene Kunden, die von jetzt auf gleich kochen wollen oder müssen, eine tolle Alternative.


Die LP-Tester waren sich einig: Lieferdienste, die Zutaten und Rezepte ins Haus bringen, sind ein tolles Angebot. Dass der Service nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist logisch. Natürlich ist es günstiger, selber einzukaufen. Doch sparen Lieferdienste Zeit. Im Supermarkt kann der Kunde wählen. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Auch beim Kochhaus kann der Kunde zwischen mehreren Gerichten wählen und er muss – wie auch bei Perfetto – kein Abo abschließen. Bei den anderen Lieferdiensten ist das Abo das Ziel. Formulierungen wie „Kündigung spätestens Mittwoch für die nächste Lieferung“ oder „Kündigung 8 Tage nach erster Lieferung“ kamen nicht gut an. Die Tester fragten sich, was gegen eine Bestellung ohne Abo spricht?

Alle Testpersonen kritisieren die langen Lieferzeiten. Dabei ist das Angebot insbesondere für schnell entschlossene Kunden, die von jetzt auf gleich kochen wollen oder müssen, eine tolle Alternative. Der Vierseithof (Hotel mit Gastronomiebetrieb) in Luckenwalde etwa bietet seinen Gästen die Vierseithof-Tüte an. Der Kunde bestellt bis 18 Uhr für 2, 4 oder 6 Personen und kann die Zutaten mit Kochanleitung sowie mit und ohne Wein am selben Abend (Dienstag bis Sonntag) nach 18 Uhr abholen. Zugegeben – es muss abgeholt werden, aber das Beispiel zeigt, dass es möglich ist, schnell zu sein und dass es nicht gleich ein Abo sein muss und dass die Idee nicht nur in der Großstadt Anklang findet.

Checkliste
Darauf sollten Online-Anbieter achten:
  • Bild oder Video: Die Angebote sollten immer visualisiert werden
  • Nachvollziehbare Navigation: alle notwendigen Informationen müssen mit wenigen Klicks erreichbar sein und stimmen; offene Fragen müssen schnell klärbar sein
  • Lokal und mobil: Smartphone App anbieten
  • Klare und einfache AGB: Rückgaberecht, Versandkosten, etc.
  • Lieferzeit, Lieferbarkeit, Verfallsdaten: kurze Lieferzeiten sind wichtige Entscheidungshilfen für die Nutzer dieser Online-Dienstleistung; Zeitfenster sollten wählbar sein
  • Bewertungen, Empfehlungen, Testurteile, Gütesiegel: Qualität attestieren lassen und visualisieren; Herkunft, Aufzucht, Haltung ...
  • Service: unterschiedliche Bezahlmodalitäten, saubere passende Verpackung, Menü oder Warenkorbvorschläge, Rezepte, aber auch Geschirr- und Gastromöbel-Vermietung sowie Vermittlung von Mietköchen
  • Support oder Beratung
  • Kontaktoptionen und Ansprechpartner immer angeben

 

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