Niederlande Deutschen Händlern fehlen im Ostergeschäft Import-Eier

Hintergrund

Trotz steigender heimischer Produktion muss Deutschland immer mehr Eier importieren. Gleichzeitig drosseln die Niederlande ihre Exporte.

Dienstag, 31. März 2026, 07:40 Uhr
Lea Pichler
Der deutsche Lebensmittelhandel und die Lebensmittelindustrie kämpfen seit Anfang des Jahres mit Engpässen bei Eiern. Bildquelle: Getty Images

Deutschland steigert seit Jahren die Eigenproduktion an Eiern und wird dennoch immer abhängiger vom Import. Besonders eng ist die Handelsbeziehung zu den Niederlanden. Als eines der wichtigsten Exportländer in Europa setzen die Nachbarn im Westen aber auf Produktionsrückbau statt -ausbau – mit Folgen für den deutschen Eiermarkt.

Obwohl die deutsche Eierproduktion steigt, sinkt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland seit 2022 deutlich. Gleichzeitig stieg der Bestand an Legehennen in Deutschland im Jahr 2024 auf 51,4 Millionen Tiere, mit einer Legeleistung von 295 Eiern je Henne. Das entspricht einer Gesamtproduktion von 15,2 Milliarden Konsum-Eiern – ein Plus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieser Positiventwicklung sinkt die Abdeckung des Inlandsbedarfs an Eiern. Der Grund: Neben dem Bevölkerungswachstum dürfte das Ei im Zuge der Inflation als preisgünstiges, vergleichsweise preisstabiles Lebensmittel an Attraktivität gewonnen haben. Der Nahrungsverbrauch stieg auf 20,8 Milliarden Eier (+ 4 %) und der Pro-Kopf-Verbrauch erreichte mit 249 Eiern einen neuen Höchstwert (+ 10 Eier).

Nachfrage übertrifft Produktion

Die inländische Produktionssteigerung wird durch die deutlich höhere Nachfrage ausgehebelt. 2022 erreichte Deutschland mit 75,6 Prozent den höchsten Selbstversorgungsgrad seit 20 Jahren. 2024 kam es zu einer Trendwende und die Zahl sank nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf 72,2 Prozent.

Durch die fehlenden knapp 30 Prozent an Eiern und Eiprodukten zählt Deutschland zu den wichtigsten Abnehmern am europäischen Markt. Konsum-Eier, die nach Deutschland importiert werden, stammen vor allem aus den Niederlanden, die 2024 rund 75,6 Prozent der gesamten Ei-Importe abdeckten. Weitere 12,6 Prozent stammten aus Polen, gefolgt von Belgien mit 3,3, Prozent. Damit spielt die niederländische Geflügelwirtschaft eine tragende Rolle bei der Versorgung des deutschen Eiermarktes. Doch die Niederlande setzen auf Rückbau am Eiermarkt.

Hintergrund sind vor allem staatliche Aufkaufprogramme im Zuge der Stickstoff- und Umweltpolitik sowie ein anhaltender Strukturwandel. Seit 2015 ist der Legehennenbestand bereits um rund 12 Prozent gesunken; weitere vier bis sechs Millionen Tiere könnten in den kommenden Jahren wegfallen. Die Zahl der Legehennenbetriebe hat sich damit innerhalb von 25 Jahren von rund 2.190 auf etwa 800 mehr als halbiert. Für Deutschland hat dieser Strukturwandel direkte Konsequenzen. Rund 90 Prozent des niederländischen Eierabsatzes gehen in die Niederlande selbst sowie nach Deutschland und Belgien.

Zusätzlich mussten im vergangenen Jahr wegen des Ausbruchs der Vogelgrippe mehrere Hunderttausend Tiere gekeult werden. Der Wiederaufbau der Bestände braucht Zeit. Da der Lebensmittelhandel bevorzugt bedient wird, sind Gastronomie und verarbeitende Industrie stärker von der Knappheit betroffen. Das Angebot ist auch durch Veränderungen in der Haltungsstruktur begrenzt. Ende 2025 gingen die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung aus der Produktion. Diese Eier waren vor allem für die verarbeitende Industrie wichtig und müssen nun ersetzt werden.

Ein präsentes Beispiel ist die Eierregion Nord-Limburg, welche im Zuge mehrerer Vogelgrippe-Fälle zeitweise nicht nach Deutschland exportiert durfte. Nach Angaben des niederländischen Geflügelverbandes fehlten dadurch täglich mehrere Millionen Eier am Markt.

Angespannte Lage

Der politisch forcierte Abbau von Legehennenbeständen in den Niederlanden, massive Produktionsausfälle infolge der Vogelgrippe sowie eine anhaltend hohe Nachfrage nach Eiern verschärfen seit Anfang 2026 die Versorgungslage in Deutschland. Das Ergebnis: Eier werden knapper und teurer.

Verbraucher zahlen höhere Regalpreise und auch der Lebensmitteleinzelhandel muss tiefer in die Tasche greifen, wenn er zusätzliche Ware aus anderen Regionen beschafft. Vergangenes Jahr zahlten Kunden im Geschäft im Schnitt 2,02 Euro für zehn Eier aus Bodenhaltung. Derzeit kostet die günstigste Packung vielerorts 2,49 Euro. Neben Angebot und Nachfrage sind weitere Kostentreiber ein gestiegener Mindestlohn, höhere Mautgebühren und Energiekosten. Für Verbraucher bedeuten die aktuellen Entwicklungen nicht nur einen Preisanstieg pro Eierpackung im Regal, sondern auch eine erhöhte Nachfrage bei geringeren Nachlieferungen rund um das Ostergeschäft.

Viele Händler halten dennoch an KAT-zertifizierten niederländischen oder deutschen Eiern fest, selbst wenn diese preislich über Alternativen liegen – nicht zuletzt, um den Erwartungen der Kundschaft in Bezug auf Herkunft und Haltungsform gerecht zu werden.

Nicht nur Einzelhandel betroffen

Die Preisentwicklung trifft ebenso die verarbeitende Industrie. Hersteller von Backwaren, Teigwaren, Süßwaren oder Convenience-Produkten sehen sich mit deutlich höheren Rohstoffkosten konfrontiert. Um Produktionssicherheit zu gewährleisten, prüfen zahlreiche Unternehmen alternative Bezugsquellen – sowohl im Inland als auch in anderen EU-Staaten, wie Polen oder der Ukraine. In welchen Haltungsstandards diese Eier produziert worden sind, bleibt oft ungewiss, da es zu keiner entsprechenden Kennzeichnung kommt.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen somit, wie eng der deutsche Eiermarkt mit den Niederlanden verflochten ist. Politische Eingriffe, Tierseuchen und strukturelle Veränderungen im Nachbarland schlagen unmittelbar auf Preise und Verfügbarkeit in Deutschland durch. Für Erzeuger eröffnen sich kurzfristig Marktchancen, für Handel und Industrie steigen jedoch Kosten und Planungsrisiken. Versorgungssicherheit rückt damit zunehmend vor den reinen Preiswettbewerb.