Discounter im Stiefelstaat Lidl gibt in Italien weiter Gas

Während deutsche Händler, allen voran Lidl, in Italien Gas geben, bleibt die Wirtschaftslage im Stiefelstaat insgesamt angespannt. Made in Italy erlebt große Veränderungen.

Dienstag, 03. Juni 2025, 07:40 Uhr
Christina Steinhausen
Die Ape, übersetzt Biene, wird seit diesem Jahr nicht mehr in Italien, sondern in Indien gebaut. Bildquelle: Getty Images

Wenn Institutionen wie die Ape nach über 75 Jahren ihr Heimatland verlassen, geht es allmählich ans Eingemachte eines Staates, denn sie sind gemeinschaftsprägend. Der legendäre Kleintransporter von Piaggio auf drei Rädern rollt nicht mehr in der Toskana von Band, sondern seit April nur noch in Indien. Auch die Edicole, die kleinen Kioske, die es früher überall gab, sterben aus. Vor 25 Jahren waren es in ganz Italien noch 36.000, die ein breites Zeitschriftensortiment, Tabak, Snacks und Getränke verkauften. Die aktuell noch verbliebenen rund 11.000 verticken hauptsächlich Billigplunder aus Fernost. Die Airline Ita ist nun Teil des Lufthansakonzerns. In der italienischen Wirtschaft läuft vieles seit Jahrzehnten nicht rund – das kennt man, nur das Ausmaß erreicht neue Dimensionen: Die Mafia generiert laut Wissenschaftlern mit rund 40 Mrd. Euro Jahresumsatz, was 2 Prozent des jährlichen italienischen Bruttoinlandsprodukts entspricht, gut doppelt so viel wie der Weltkonzern Ferrero mit annähernd 18 Mrd. Euro Jahresumsatz. Mamma mia.

Nur gut, dass der Italiener an sich gerne nach den Sternen greift: Die Crew der Mondlandungsmission Artemis 3 trägt Prada. Lichtblicke sind Kooperationen in der Industrie (Genossenschaften und Konsortien haben Tradition), der Forschung und sogar Verteidigung (Leonardo und Rheinmetall). Halleluja. So heißt übrigens auch die Eissorte des Jahres. Vom Vatikan anlässlich des Heiligen Jahres in einem Wettbewerb gesucht, schmeckt sie nach gerösteten Haselnüssen und Schokolade. Dolce Vita eben! Loacker feiert seinen 100. Geburtstag, Barilla und Co. liefern so viel Pasta wie noch nie nach Deutschland (380.000 t), Tomatenexperte Mutti stürmt das Konservenregal.

 
Massimiliano-Silvestri
 „In den nächsten drei Jahren werden wir in Italien 150 neue Filialen eröffnen.“
Massimiliano 
Silvestri, 
Lidl-Italien-Chef

Deutsche Händler gewinnen Marktanteile

Eine Erfolgsstory geben die deutschen Handelsunternehmen in Italien ab, allen voran Lidl (7,2 Mrd. Euro Umsatz 2023, 6 Prozent Marktanteil laut Nielsen, 23.000 Mitarbeiter). Mit weitem Abstand vor Aldi, Metro und Penny investiert der Discounter seit 1992 im Stiefelstaat. Massimiliano Silvestri, Vorsitzender der Geschäftsleitung Lidl Italien: „Wir sind mit unseren 780 Filialen ein wichtiger Bestandteil im Alltag der Menschen und ein positiver Treiber für die italienische Wirtschaft. Unser Sortiment besteht zu 80 Prozent aus Waren, die von heimischen Produzenten hergestellt werden. Und wir fördern den Export italienischer Produkte ins Ausland. 2023 haben wir italienische Ware im Wert von 2,5 Mrd. Euro ausgeführt, was 4,8 Prozent des gesamten Exports des italienischen Lebensmittel- und Getränkesektors entspricht.“ Mit jedem italienischen Produkt, das Lidl in den internationalen Markt bringe, fördere man das Wachstum lokaler Unternehmen. Für die nächsten drei Jahre kündigt Silvestri 150 neue Filialen an. Lidl ist als einziger deutscher Händler in allen 20 italienischen Regionen vertreten. Als Letztes wurde die Region Basilikata im Februar 2025 mit der Eröffnung einer Filiale in Matera erschlossen.

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