Der Name „NRW-Einkaufsmarkt“, gehalten in den Landesfarben Nordrhein-Westfalens, lässt Großes erwarten. Zumindest eine gewisse Ordnung, Seriosität und Struktur. Doch wer am Rande von Duisburg mitten in einem Industriegebiet aus dem Auto steigt, merkt schnell: Das hier ist kein gewöhnlicher Supermarkt. Vielmehr eine Mischung aus Basar, Lagerhalle und Großhandel. Die Schwerlastregale reichen bis unter die Decke, gefüllt mit Waren auf Paletten. Der Boden hat seine besten Tage längst hinter sich. Und irgendwo zwischen exotischen Lebensmitteln, riesigen Oliven-Gläsern und Haushaltswaren stellt sich unweigerlich die Frage: Bin ich hier zum Einkaufen oder auf Schatzsuche?
Stimmung ★★☆☆☆
An diesem heißen Dienstagmittag ist die LP-Reporterin die einzige Kundin. Während des Besuchs verschwindet der junge Kassierer sogar zwischenzeitlich aus dem Markt – Ladendiebstahl scheint hier kein großes Thema zu sein. Die Atmosphäre schwankt zwischen kurios und familiär. Das liegt vielleicht auch daran, dass die drei älteren Herren, die offenbar Stammgäste der benachbarten Bäckerei sind, alles aufmerksam im Blick behalten. Trotz der teilweise chaotisch wirkenden Atmosphäre überrascht der Markt mit digitalen Akzenten: Wer den hauseigenen WhatsApp-Kanal abonniert, kann beim Einkauf sogar sparen.
Sortiment ★★★☆☆
Rund um den Markt pulsiert das Leben eines multikulturellen Viertels: Dönerbuden, Imbisse und internationale Shops prägen die Umgebung. Die kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch im Sortiment wider – hier findet man Produkte, die sich sonst nur auf Reisen oder bei einem Besuch in einem der benachbarten Imbisse entdecken lassen. Neben normalen Produktgrößen ist vieles auch auf den Großhandel ausgelegt: Gewürze aus aller Welt, tiefgekühlte Teigtaschen, internationale Süßwaren oder XXL-Dosentomaten. Dazwischen mischen sich Nonfood-Artikel wie Pizzakartons, Dönerverpackungen, Decken und arabische Teekocher. Viele Waren stehen noch auf Paletten – das System dahinter ist rätselhaft. Auffällig sind auch die zahlreichen leeren Regale, als würde der Laden gerade umgebaut oder die Bestückung eher zufällig erfolgen. Statt klassischer Kühlvitrinen ist im hinteren Teil ein begehbares Kühllager versteckt – nichts für Kunden, die leicht frieren.
Sauberkeit ★★☆☆☆
Der Innenbereich wirkt insgesamt sauber, auch wenn der Boden an einigen Stellen klebrig ist. Zwischen den Regalen liegen vereinzelt Verpackungsreste – der Lagerhallen-Charakter bleibt unübersehbar. Manche Preise sind handschriftlich auf Zetteln vermerkt, was einerseits charmant, andererseits etwas improvisiert wirkt. Auf dem Parkplatz und direkt hinter dem Markt türmen sich Kartons und Paletten, ein Anblick, der manche Kunden gleich zu Beginn abschrecken könnte. Das Obst und Gemüse ist hingegen ansprechend direkt am Eingang positioniert. Das sieht zwar einladend aus, lässt bei so hohen Temperaturen wie am Testtag jedoch kein Frischegefühl aufkommen.
