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Hieber Immer offen für neue Ideen

Heidrun Mittler | 06. Mai 2019

Eine Salatbar in der Vorkassenzone, unverpackte Ware, ein Spielbereich für Kinder – das Unternehmen Hieber setzt in seinem Müllheimer Markt eigene Ideen um.

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Wie fühlt es sich an, wenn man den 14. Markt eröffnet? „Es ist immer wieder spannend“, antwortet Dieter Hieber, Inhaber und Geschäftsführer. Der neue Markt in Müllheim ist Mitte März an den Start gegangen und wird „prima von den Kunden angenommen“. Wer die Ideen für das neue Konzept geliefert hat? „Jeder hat seinen Input geliefert“, antwortet Dieter Hieber und verweist auf das Team der Geschäftsführung: Karsten Pabst, Norbert Schoeffel, er selbst – und, nicht zu vergessen, seinen Vater Jörg.

Eines seiner Steckenpferde ist die „Unverpackt“-Abteilung, mit der die Kaufleute einen „Schritt in die plastikfreie Welt“ gehen wollen. Kurz hinter der Obst- und Gemüse-Abteilung findet der Verbraucher hier transparente Spender, die Produkte in Bio-Qualität bereithalten: Nudeln, Bohnen, Reis, Müsli, getrocknete Früchte und Süßes. Entweder, der Kunde bringt von zuhause ein passendes Gefäß mit oder er kauft ein wiederverwendbares vor Ort. Dann stellt er dieses auf eine spezielle Waage, wiegt Tara ein und befüllt das Behältnis. Ein Mitarbeiter hilft, falls Fragen auftauchen. Doch bislang gibt es kaum Probleme: Die Kunden, die sich für Unverpacktes interessieren, sind neugierig und lernfähig. „Müll reduzieren ist populär, da wird sich in nächster Zeit noch einigens ändern müssen“, kommentiert Dieter Hieber das Angebot.

Übrigens: Bio-Ware ist im Müllheimer Markt nicht nur ausgeprägt vertreten, sondern wird in den jeweiligen Abteilungen optisch durch auffällige, grüne Top-Schilder hervorgehoben. Damit zielen die Edekaner auf Käufer, die bislang in einem etablierten Bio-Markt in der Nachbarschaft ihr Geld lassen. Im Angebot sind beispielsweise auch hochpreise Bio-Tees aus der Region, von der Kräuterei Mutter Erde aus dem 20 Kilometer entfernten Ort Steinen-Hofen. Zu den Neuerungen, die Dieter Hieber besonders wichtig sind, gehört ein kleiner Spielbereich für Kinder, mitten im Markt gelegen. Selbst Vater von zwei kleinen Kindern, weiß er, wie anstrengend Einkaufen mit dem Nachwuchs sein kann. In Müllheim warten eine Rutsche und eine schwarzgelbe Biene zum Klettern (mit Namen Hiebini) auf die Kunden von morgen, außerdem steht kostenloses Obst für die Kleinen zur Verfügung. Die Kinder sollen gern zum Einkaufen kommen und spielen, aber nicht (wie mancherorts im Bällebad von Ikea) „geparkt“ werden.

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Vielleicht essen die Eltern ja in der Zwischenzeit lecker Asiatisch? Vor dem Sushi-Stand sind Sitzbänke aufgebaut, von denen man den Spielbereich im Blick hat. Anders als in den sonstigen Hieber-Märkten ist Sushi & Co. untervermietet, und zwar an Eat Happy. „Wir fertigen grundsätzlich so viel wie möglich selbst“, erläutert der Inhaber. „Aber Sushi können die eindeutig besser als wir.“ Auch an den anderen Standorten wird die Sushi-Produktion allmählich an den Konzessionär gegeben, erläutert er.

In Müllheim präsentiert sich Eat Happy in einer ungewohnten Optik: ein einsehbarer Stand mit weißer Verkleidung, orangenen Schildern und zudem einer Kasse für den Sofort-Verzehr. Im Angebot ist weit mehr als Sushi: vietnamesische Sommerrollen, Goi (vietnamesischer Salat mit Dressing) und Bun (Reissalat mit Gemüse und Kräutern). „Das Angebot bringt Kunden in den Markt und diesen insgesamt nach vorn“, ist Hieber überzeugt. Das gastronomische Angebot hält er für den entscheidenden Erfolgsfaktor. Denn dass die Hiebers ihre Frische-Sortimente wie Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch und Käse super managen, das ist ohnehin gesetzt.

Aber wie begeistert man anspruchsvolle Kunden, die zum Beispiel aus dem benachbarten Frankreich angereist sind, und nach dem Einkaufen auch noch essen und entspannen wollen? Dazu haben die Hiebers eine Kombination von Backshop und Gastronomie in die Vorkassenzone gebaut, mit 70 Sitzplätzen innen und 40 weiteren draußen. Herzstück sind die Backöfen, eingerahmt von einer Bäckerei und Küche sowie Verkaufstheken an zwei Seiten. Angelo Sparacio, Italiener sizilianischer Herkunft, ist Herr über einen Steinbackofen. Er bereitet seinen Pizzateig selbst zu, lässt ihn über Nacht ruhen und formt jeden Tag an die 50 Riesenpizzen, die jeweils acht Portionen ergeben. Klar, dass die Marktküche auch frische Pasta (etwa Papardelle mit Räucherlachs) bietet, flankiert von Obstsalat und süßen Desserts.

Für frischen Salat geht der hungrige Gast ein paar Schritte Richtung Markteingang. Noch bevor er zu den transparenten Schranken kommt, gelangt er an die fünf Meter lange Salatbar mit Salaten aus der eigenen Schnippelküche. Wer Gurken, Paprika und Schnittsalat vor Ort essen möchte – ebenso Mozzarella/Tomaten sowie als Topping Putenfleischstreifen oder Oliven – füllt sich einen kleinen oder großen Porzellanteller zum Festpreis. Oder aber, er stellt sich seine Portion zum Mitnehmen im Kunststoffteller zusammen und wiegt grammgenau aus. Dann gibt es zwei Bezahlmöglichkeiten: direkt an der angrenzenden Lotto- und Zigarettenkasse oder an den Hauptkassen.

Carlos Sparacio, ein quirliger Italiener (der mit dem Pizzabäcker nicht verwandt ist), macht als Bereichsleiter des Backstands mit seiner Mannschaft den Gästen von 7 bis 20 ein tageszeitlich passendes Angebot: Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen und Abendbrot. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Brotauswahl. Die Edekaner haben gute Bäcker aus der Region mit ins Boot genommen und verkaufen deren Besonderheiten. Nur zwei Beispiele: Das Brot der Bäckerei Pfeifle ist nicht nur in Freiburg Stadtgespräch, sondern sorgt auch an der Müllheimer Theke für lautes Klingeln in der Kasse: Der 750-Gramm-Laib kostet 5 Euro 60, wird in seine eigene Tüte verpackt und gilt als „Brot-Spezialität“. Oder „Stefans Käsekuchen“, ein Freiburger Original, das nur auf Wochenmärkten in der Region verkauft wird. Und bei Hiebers, die eine exklusive Partnerschaft eingegangen sind. Die Käsekuchen warten außerdem in der Backwaren-Abteilung im Markt auf Kundschaft, mit passenden Transportkartons.

Insgesamt beliefern elf regionale Lieferanten die Müllheimer Backstation. Darüber hinaus produzieren Hieber-Bäcker vor Ort selbst Brot und Backwaren. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, Teiglinge aufzubacken, sondern vor Ort Teige zu wirken, zu formen und abzubacken. „Vom ersten Tag an“, so Dieter Hieber, „prescht der Umsatz in der Back- und Gastro-Station nach oben“. Wie es in Sachen Expansion weitergeht? Hiebers haben den 15. Markt im Blick, eine 1.000 Quadratmeter große Fläche in Steinen. In naher Zukunft aber ist das „Hieberland“ gut besetzt, abgesehen vielleicht von den Kleinflächen („Lädele“), mit denen noch Lücken in der Region erschlossen werden. Denn ein Grundsatz bei Hieber lautet: „Niemals die Pflicht nicht für die Kür vernachlässigen!“

Fakten im Fokus:
3.400 qm Verkaufsfläche
142 Mitarbeiter
2,5 Mio. Euro Investitionen
22,31 Euro Durchschnittsbon
48.000 Artikel

von montags bis samstags: 8 - 20 Uhr
sonntags Brötchenverkauf: 8 - 11 Uhr


Schnell gelesen
Hieber Müllheim, Schliengener Strasse 1, 79379 müllheim.
Das Unternehmen Hieber hat den Markt der Edeka Südwest übernommen und umgebaut. 80 Prozent der Mitarbeiter des einstigen E-Centers arbeiten jetzt bei Hieber.
Hiebers haben Frischetheken und Lager ausgebaut, Nonfood deutlich verkleinert.
Die K&U-Bäckerei ist einem Bäckerei- und Gastrobereich mit 110 Sitzplätzen gewichen. Hier backt man Pizza und Brot selbst und verkauft Brote von regionalen Bäckern.
Besonderheiten: Salatbar in der Vorkassenzone, Abteilung mit unverpackten Lebensmitteln, kleiner Kinderspielplatz im Markt.