Brauereien Sachsen gegen zuviel Mehrweg-Vielfalt

Lebensmittel Praxis | 04. Mai 2012

Sächsische Brauereien schlagen Alarm. Bei ihnen landen viele Pfandflaschen, die sie nicht verwenden können. Unternehmen haben jetzt einen Protestbrief vorgelegt, in dem sie eine politische Lösung fordern, etwa ein höheres Pfand für Individualgebinde.

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Vor allem kleinere Brauereien haben ein „Riesenproblem" mit der Vielfalt der Pool- oder Individualgebinde, wie Steffen Dittmar, Geschäftsführer der Löbauer Bergquell Brauerei, sagt. Die Leergut-Kästen, die aus dem Handel zurückkommen, seien bunt gemischt. Etwa 30 Prozent der Pfandflaschen könne das ostsächsische Unternehmen schlichtweg nicht nutzen – und damit ist die Firma nicht allein. „Das solide Mehrwegsystem steht auf der Kippe", sagt Dittmar, der zugleich Präsident des Sächsischen Brauerbundes ist.

Seit 2008 überschwemmten die Individualgebinde zunehmend den Markt, hat Katrin Bartsch, Geschäftsführerin der Landskron-Brauerei in Görlitz, beobachtet. Der „Systemfehler" zwinge den Betrieben nicht nur einen erhöhten Aufwand beim Sortieren auf. Hinzu kämen ökologische Folgen, wenn gewissermaßen jeder vierte Lkw das falsche Leergut bringt.

Landskron kostete das „Flaschen-Durcheinander" im Vorjahr rund
125.000 Euro. Inzwischen hat die Braumanufaktur nach eigenen Angaben 300.000 Euro in eine neue Sortieranlage investiert, auch um lieferfähig zu bleiben. Individuelle Ausführungen können nun maschinell von den standardisierten Mehrwegflaschen getrennt werden, die Landskron wie andere mittelständische Unternehmen abfüllt. Auch die Bergquell-Brauerei in Löbau hat ihre Anlage für 80.000 Euro umgerüstet, um Fremdflaschen noch besser erkennen zu können.

„Wir mussten fünf Mitarbeiter mehr einstellen, die nur Flaschen aussortieren", berichtet Stefan Bittner, Geschäftsführer der Braustolz GmbH in Chemnitz. Damit nicht genug: Das spezielle Leergut muss zu der Brauerei zurück, die es auf den Markt gebracht hat. Mittlerweile gebe es Fremdfirmen, die diese Arbeit zum Tausch durch ganz Deutschland übernähmen – für rund 4 Cent pro Flasche, erklärt Bittner. Der Braustolz-Chef hofft darauf, dass die Politik ein höheres Pfand für Individualflaschen verhängt: „Der Sinn von Mehrwegflaschen ist ja, dass sie jeder wiederverwenden kann."

Der Sächsische Brauerbund, in dem elf mittelständische Betriebe der Branche im Freistaat zusammengeschlossen sind, hat deshalb ein „Memorandum zur Erhaltung eines umweltverträglichen Mehrwegsystems" verabschiedet. Ein differenzierter Pfandwert könnte schon im Handel zu einer weitestgehend sortenrein getrennten Erfassung der Pool- und Individualflaschen führen, heißt es darin. Das Papier unter dem Titel „Mehrweg statt mehr Wege" soll etwa Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) und verschiedene Ministerien auf die Probleme der Branche hinweisen.

Der Deutsche Brauer-Bund kommentiert den Vorstoß aus Sachsen diplomatisch zurückhaltend. „Die Frage, welche Flasche eingesetzt wird, ist Teil der unternehmerischen Produktpolitik», sagt Hauptgeschäftsführer Peter Hahn. Die deutsche Brauwirtschaft setze auf die 0,5-Liter-Einheitsflasche, von denen etwa 1 Mrd. im Umlauf seien.

Auch das Umweltministerium in Dresden macht den Brauereien wenig Hoffnung. Eine Veränderung des Mehrweg-Systems sei unter anderem etwa über eine Bundesrats-Initiative denkbar. Allein auf Landesebene könne man nur wenig ausrichten.