Der Pfalzmarkt für Obst und Gemüse hat im Geschäftsjahr 2025 einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnet. Die Konzernerlöse sanken um 14,8 Prozent auf 274,4 Millionen Euro, nach 322 Millionen Euro im Vorjahr, wie die Genossenschaft mitteilte. Der reine Warenumsatz fiel von 264 Millionen Euro auf 232 Millionen Euro – ein Minus von 12,1 Prozent. Die vermarktete Warenmenge ging um 11,8 Prozent auf rund 203.000 Tonnen zurück, zudem lagen die Durchschnittspreise über alle Produkte hinweg um 3,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Die Genossenschaft mit Sitz in Mutterstadt bezeichnete 2025 als „desaströses Jahr“ für den heimischen Gemüseanbau in der Pfalz. Mehrere Faktoren hätten zusammengewirkt: Günstige Witterung in Südeuropa habe dort für ein hohes Warenangebot gesorgt, weshalb der Lebensmitteleinzelhandel seine Sortimente erst verzögert auf deutsche Produkte umgestellt habe. Als die Vermarktung heimischer Ware anlief, hätten auch andere deutsche Anbauregionen ihre produktive Phase erreicht, sodass der klimatische Vorsprung der Pfalz nicht wie gewohnt genutzt werden konnte. Zusätzlich hätten feuchte Witterungsbedingungen im Frühherbst zu Qualitätsproblemen und hohen Reklamationsquoten geführt. Verschärft habe sich die Lage dadurch, dass für verschiedene Kulturen geeignete Pflanzenschutzmittel nicht ausreichend verfügbar gewesen seien.
Pfalzmarkt: Mindestlohn ist wesentlicher Kostentreiber
Vertriebsvorstand Reinhard Oerther stellte in der Mitteilung eine Grundsatzfrage: „Wir fragen uns, ob die Erzeugung von Obst und Gemüse in Deutschland unter den derzeitigen Rahmenbedingungen überhaupt noch gewollt ist.“ Die Betriebe stünden im Wettbewerb mit Importware, die unter völlig anderen Kostenstrukturen erzeugt werde. Als wesentlichen Kostentreiber nannte die Genossenschaft die Entwicklung des gesetzlichen Mindestlohns, der von 12,41 Euro im Jahr 2024 auf aktuell 13,90 Euro gestiegen sei und zum Januar 2027 auf 14,60 Euro steigen werde. Zwischen 2024 und 2027 erhöhe sich der Mindestlohn damit um rund 17,6 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren sei er den Angaben zufolge um mehr als 40 Prozent gestiegen.
Genossenschaft will sparen
Als Reaktion auf die schwierige Lage kündigte der Pfalzmarkt ein Kostensenkungsprogramm an. Strukturen und Geschäftsprozesse sollen überprüft und optimiert werden. Organisationsvorstand Hans-Jörg Friedrich erklärte laut der Mitteilung: „Wir können nicht darauf warten, dass die Politik unsere Probleme für uns löst. Wir müssen uns selbst helfen.“ Zudem wolle die Genossenschaft ihr Dienstleistungsgeschäft als ergänzendes Standbein weiter ausbauen.
Im Geschäftsjahr 2025 führte der Pfalzmarkt nach eigenen Angaben ein neues Warenwirtschaftssystem ein. Auch die Genossenschaftsstrukturen wurden gestrafft: Die Generalversammlung beschloss im Frühjahr 2025, den Beirat als eigenständiges Gremium aufzulösen. Dessen Aufgaben übernahm der Aufsichtsrat, der auf elf Mitglieder erweitert wurde. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder sank nach einer Bereinigung auf 370, davon 90 aktive Erzeugerbetriebe.
Positiver Start in die Saison 2026
Den Start in die Saison 2026 beschrieb die Genossenschaft als positiv. Die Geschäftsentwicklung liege auf einem etwas höheren Niveau als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Während Anbieter aus Südeuropa und anderen Teilen Deutschlands ihre Produktion wegen einer Hitzeperiode teilweise einstellen mussten, habe die Pfalz weiterhin liefern können.
Dennoch bleibe die wirtschaftliche Situation angespannt, da die Erzeugerpreise die gestiegenen Kosten weiterhin nicht deckten. Aufsichtsratsvorsitzender Christian Deyerling warnte in der Mitteilung: „Am Ende geht es um die wirtschaftliche Existenz unserer Mitgliedsbetriebe und damit auch um die Frage, ob wir langfristig noch frisches Obst und Gemüse aus heimischem Anbau haben werden.“