Das Wachstum des globalen Obst- und Gemüsehandels ist nahezu zum Stillstand gekommen. Zwischen 2021 und 2025 stieg der weltweite Handelswert inflationsbereinigt lediglich um durchschnittlich 0,1 Prozent pro Jahr. Das geht aus dem neuen Trend-Report der Fachmesse Fruit Logistica hervor. Gleichzeitig verändern ihm zufolge geopolitische Spannungen, extreme Wetterereignisse und steigende Kosten die Rahmenbedingungen für die gesamte Branche.
Der Bericht mit dem Titel „How to weather the storm?“ vereint Analysen und Einschätzungen internationaler Branchenexperten. Deren klare Botschaft: Wer langfristig erfolgreich sein wolle, müsse nicht nur effizient wirtschaften, sondern vor allem flexibel auf Veränderungen reagieren können.
„Die internationale Obst- und Gemüsebranche hat schon viele Krisen gemeistert. Doch die Herausforderungen kommen heute schneller, häufiger und oft gleichzeitig. Unternehmen müssen deshalb umdenken: Es reicht nicht mehr, Lieferketten auf maximale Effizienz auszurichten. Entscheidend ist, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn Märkte wegbrechen, Ernten ausfallen oder Transportwege plötzlich nicht mehr funktionieren.“ Das sagt Mike Knowles, Managing Director Fruitnet Europe. Fruitnet Media International hat den Report erstellt.
Kühlere Regionen könnten wichtiger werden
Dürren, Hitzewellen und veränderte Niederschlagsmuster beeinflussen darüber hinaus, wo und unter welchen Bedingungen Obst und Gemüse wirtschaftlich angebaut werden kann. Analysen von Rabo Research zeigen, dass sich die klimatischen Voraussetzungen für den europäischen Obstanbau bis 2050 deutlich verändern könnten. Während Teile des Mittelmeerraums stärker unter Hitze und Wasserknappheit leiden, können kühlere Regionen für bestimmte Obstsorten wichtiger werden.
Damit steigen die Anforderungen an klimaresistente Sorten, effiziente Bewässerung und langfristige Investitionsentscheidungen. Gleichzeitig sind Handel und Einzelhandel gefordert, flexibler auf schwankende Erntemengen und unterschiedliche Produkteigenschaften zu reagieren.
Internationale Logistik stark gefordert
Auch die internationale Logistik steht vor neuen Herausforderungen, wie der Report aufzeigt. Niedrige Wasserstände – zum Beispiel im Panamakanal und auf dem Rhein – sowie geopolitische Konflikte und steigende Transportkosten gefährden die Verlässlichkeit globaler Warenströme. Für verderbliche Produkte können schon kurze Verzögerungen einen erheblichen Qualitätsverlust bedeuten.
Der Report macht deutlich, dass künftig nicht allein die schnellste oder günstigste Transportverbindung entscheidend ist. Vielmehr kommt es darauf an, alternative Routen im Blick zu behalten, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette zu stärken.
Die Botschaft des Reports ist klar: Die Branche könne nicht jede Krise verhindern. Unternehmen, die frühzeitig in Innovationen, resiliente Partnerschaften und flexible Geschäftsmodelle investieren, schafften jedoch die Voraussetzungen, um auch unter unsicheren Bedingungen wettbewerbsfähig zu bleiben.