Jahrestagung des MIV Milchindustrie fordert höhere Preise im Handel

Der Milchindustrieverband zeigt sich auf seiner Jahrestagung in Dresden vorsichtig optimistisch für steigende Milchpreise, fordert aber höhere Preise im Handel. Milchalternativen sieht der Verband nicht als Konkurrenz.

Montag, 26. Oktober 2026, 13:34 Uhr
Anke Reimink
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Vom zweitbesten Milchpreis-Jahr aller Zeiten 2025 mit durchschnittlich mehr als 52 Cent pro Kilogramm in das Fünf-Jahrestief mit 25 Prozent weniger Milchgeld in diesem Jahr. Und das bei gleichzeitig rund 20 Prozent höheren Kosten für Energie, Diesel oder Dünger. Die Margen auf den Milchkuhbetrieben sind aktuell eng.

Der wesentliche Grund für die gesunkenen Milchpreise ist die hohe Anlieferung. 2026 lag sie im Schnitt 5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. „Das ist angesichts des anhaltenden Strukturwandels mehr als außergewöhnlich“, betonte der Hochwald-Chef und Vorsitzende des Milchindustrieverbandes (MIV) auf der Pressekonferenz im Rahmen der MIV-Jahrestagung in Dresden. Die Zahl der Betriebe war laut Maizählung auf 47.157 Betriebe mit 3,6 Millionen Kühen gefallen.

Für Detlef Latka ist daher klar: „Die Milchproduktpreise im Handel müssen steigen, damit auch die Erlöse für Milcherzeuger zulegen und sie ihre Betriebe wirtschaftlich weiterführen können.“ Seine Hoffnung liegt unter anderem auf den aktuell laufenden halbjährlichen Kontraktverhandlungen der weißen Linie, bei der Molkereien und Handel die Preise unter anderem für Trinkmilch, Quark und Sahne festlegen.

Molkereiverband

Für die kommenden Wochen und Monate äußerte sich der Verband vorsichtig optimistisch. „Aktuell sinkt die Milchmenge – vermutlich wegen der unterdurchschnittlichen Ernte durch die Dürre. Bei den bestehenden Möglichkeiten im Export entspannt das die Lage und wir können gegenüber dem Handel besser argumentieren“, so Detlef Latka. Zudem seien die Signale am Weltmarkt positiv, die Preise für Magermilchpulver auf hohem Niveau und die Butterpreise stabil bis leicht steigend. Im Inland sei die Nachfrage bei Milchprodukten gut. So steigen die Absatzmengen von Käse, proteinreichen Frischeprodukten, wie Speisequark und Joghurt, sowie Magermilchpulver und Molkenerzeugnissen. 

Milchalternativen keine Konkurrenz

Pflanzliche Milchalternativen schätzt der Verband insgesamt nicht als eine Gefahr für die Milchwirtschaft ein: Das Wachstum habe sich abgeflacht und der Konsum stehe aus Sicht des MIV nicht in Konkurrenz zu dem von Milchprodukten. Die Einschätzungen der kürzlich veröffentlichten Studie „Alternative Milchprodukte – Nachfrageentwicklung und mögliche Auswirkungen auf den Milchmarkt in Deutschland“ von Agora Agrar, DLG und Universität Hohenheim teilt der MIV ausdrücklich nicht. „Ein höherer Absatz von Milchalternativen ging auch in der Vergangenheit nicht zulasten der Milchprodukte und wird es auch künftig nicht. Aktuell sehen wir eine steigende Nachfrage unter anderem bei Trinkmilch, deutlich bei Käse sowie proteinreichem Skyr oder Quark – während pflanzliche Alternativen eher ein Plateau erreicht zu haben scheinen“, sage der MIV-Vorsitzende deutlich.

Doch nicht nur die Milchpreise sorgen für Aufruhr in der Branche. Fusion von Arla und DMK, Übernahme der Molkerei Rücker durch Meggle und jetzt die geplante Übernahme der Vogtlandmilch durch die Müller-Gruppe: Die Molkereibranche scheint sich neu zu sortieren. Auch wenn die einzelunternehmerischen Entscheidungen nicht kommentiert wurden, räumte der Verband ein, dass es seit einigen Jahren einen Konzentrationsprozess gibt.

„Kooperationen oder Fusionen helfen den Molkereien, dem steigenden Kostendruck zu begegnen“, so Detlef Latka. Immerhin dürfe man nicht vergessen, dass den zahlreichen deutschen Molkereien nur vier große Handelsgruppen mit knapp 90 Prozent Marktanteil gegenüberstehen. Zusammenschlüsse tragen auch zu einer stärkeren Verhandlungsmacht bei.