Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli hat sich von Konzernchef Adalbert Lechner getrennt. Nach zwei Umsatzwarnungen innerhalb eines Jahres hält der Verwaltungsrat eine neue Führung für nötig, wie das Unternehmen in Kilchberg mitteilte. Der 65-jährige Lechner war 33 Jahre für den Konzern tätig und hatte Anfang 2022 die Leitung übernommen. Zu den Umständen der Trennung machte Lindt & Sprüngli keine weiteren Angaben.
Die Führung übernimmt mit sofortiger Wirkung der frühere Konzernchef Dieter Weisskopf. Der 71-Jährige hatte den Hersteller von Lindor-Kugeln und Schokohasen bereits bis 2022 geleitet und war zuvor viele Jahre Finanzchef. Weisskopf gehört zudem dem Verwaltungsrat an. Einen dauerhaften Nachfolger will das Unternehmen den Angaben zufolge im zweiten Quartal 2027 ernennen.
Hintergrund der Entscheidung sind anhaltende Absatzprobleme. Wegen der stark gestiegenen Kakaopreise hatte Lindt & Sprüngli die Verkaufspreise deutlich angehoben – im ersten Halbjahr 2026 laut der Mitteilung um durchschnittlich 11,8 Prozent. Gleichzeitig gingen die verkauften Mengen zurück. Besonders in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien reagierten die Verbraucher empfindlicher auf die höheren Preise als erwartet. Zusätzlich belastete die sommerliche Hitze in Europa das Geschäft.
Lindt & Sprüngli senkt Umsatzprognose zum zweiten Mal
Ende September senkte der Konzern seine Umsatzprognose bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Statt des ursprünglich erwarteten organischen Wachstums von 6 bis 8 Prozent rechnet Lindt & Sprüngli für 2026 nur noch mit 0 bis 2 Prozent. An der Börse löste die Prognosesenkung nach Unternehmensangaben einen Kurssturz aus. Der Konzern hatte bereits im Sommer begonnen, einzelne Produkte wieder günstiger anzubieten, und setzt zudem auf kleinere Packungen.
Der Verwaltungsrat sei zum Schluss gekommen, dass Lindt & Sprüngli „eine neue operative Führung benötige, um zu beständigem, starkem Wachstum zurückzukehren und die Marktchancen weltweit besser auszuschöpfen“, hieß es in der Mitteilung. Interimschef Weisskopf will den Angaben zufolge vor allem das Europageschäft wieder stärken und die Investitionen in die Marken erhöhen.
Auch in Deutschland kommt es zum Wechsel
In Nordamerika und Asien laufe das Geschäft deutlich besser. Auch in Deutschland kommt es zu einem Führungswechsel: Länderchef Michal Spiller verlässt das Unternehmen nach 23 Jahren. Sein Nachfolger wird der bisherige Österreich-Chef Ali Kulein.