Anzeige

Brauereien Die Kreativen gewinnen

Tobias Dünnebacke | 10. Februar 2011

Trotz sinkenden Bierkonsums, Aktionitis und enttäuschenden Sommers: Die großen Brau-Konzerne sind optimistisch. Radler und Alkoholfrei bleiben Trends im Markt.

Anzeige

Der Gewinner des Jahres 2010 heißt Veltins. 4,8 Prozent Wachstum beim Gesamtausstoß: Da konnte keine andere Brauerei hierzulande mithalten. Warum gerade die Westfalen bei einem erneuten Marktrückgang von immerhin 1,7 Prozent (laut Deutschem Brauer-Bund) so gut abschnitten, darüber kann nur spekuliert werden. Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb, glaubt, dass der von Porsche entwickelte Mehrwegkasten seinen Teil zur Performance beigetragen hat. Für viele Marktbeobachter überraschend ist die Entwicklung der Bier-Mix-Range. Der Ausstoß von „V+" legt um 7,5 Prozent zu, der Mix steigt zum Marktführer in diesem Bereich auf. Biermisch-Getränke scheinen also nach wie vor gefragt. „Die Impulskraft von Biermix ist ungebrochen. Wer Neuheiten hat, kann punkten", glaubt Kuhl. Einen kreativen Trend will man 2011 mit Bayão setzen, einem Ready-to-Drink-Mix mit Caipirinha-Geschmack, allerdings auf der Basis von Wein.

Während die Entwicklung von Wettbewerber Krombacher bei Bier (+1,5 Prozent) noch positiv ausfällt, scheint man hier die Lust an szenigen Mix-Getränken erstmal verloren zu haben: Nachdem Cab Blood Orange & Beer vom Markt genommen wurde, schlägt hier ein Minus von 28,9 Prozent zu Buche. Der Cab-Ausstoß beträgt derzeit nur noch 111.000 hl. „Das Segment verharrt in der Nische und wird längerfristig weiter sinken", sagt Marketingleiter Uwe Riehs und bewertet den Markt damit anders als Kuhl. Insgesamt präsentiert sich die Krombacher-Gruppe mit einem Umsatzwachstum von 4,6 Mio. Euro auf 647,2 Mio. Euro aber gesund. Dazu trägt auch das von Stephan Maubach verantwortete AfG-Geschäft mit Marken wie Schweppes und Orangina (+ 4,3 Prozent) bei. „Angesichts des hart umkämpften Marktes ist das Wachstum unserer AfG-Sparte außergewöhnlich", sagt Maubach.

Gewohnt weniger auskunftsfreudig in Sachen Geschäftsentwicklung ist die Bitburger-Braugruppe. Bekannt ist, dass die Gruppe mit Bitburger, König, Licher, Wernesgrüner, Köstritzer und Königsbacher 7,4 Mio. hl (+1,3 Prozent) abgesetzt hat. Die Marke Bitburger stagniert bei rund 3,9 Mio. hl. Bauchschmerzen bereitet dem Fassbier-Marktführer der rückläufige Außer-Haus-Konsum.
Ebenfalls ein schwieriges Jahr hat Warsteiner hinter sich: Im Inland erzielte die Brauerei ein Absatzplus von 0,2 Prozent auf 2,26 Mio. hl. Fassbier- und Exportgeschäft gestalteten sich deutlich schwieriger. Im November wurde die argentinische Tochter Casa Isenbeck an SAB Miller, zweitgrößter Braukonzern der Welt, verkauft.

ANZEIGE

Ein Trend hat sich deutlich fortgesetzt: Das Geschäft mit Radler und alkoholfreien Varianten boomt. Warsteiner Alkoholfrei und das 100 Prozent natürliche Radler hätten hohe zweistellige Zuwachsraten erzielt, sagt Catharina Cramer, geschäftsführende Gesellschafterin der Warsteiner Gruppe. Ähnlich euphorisch ist man in Krombach. Für Krombacher alkoholfrei (+ 8 Prozent) wird es 2011 erstmals eine selbstständige Markenkampagne inklusive TV-Spots geben.