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Frischeparadies Hürth Gastronomie in der Weinabteilung

Elena Kuss | 17. Dezember 2019

Das Frischeparadies in Hürth zeigt, wie Gastronomie die Weinabteilung aufwerten kann. Denn Ausprobieren ist in diesem Segment das stärkste Kaufargument, findet Alina Kremer, Betriebsleiterin der Filiale.

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Der Umsatzanteil der Weinabteilung des Frischeparadieses in Hürth lag 2018 bei knapp zwölf Prozent. „2019 hat der Umsatz noch mal leicht zugenommen“, sagt Alina Kremer, Betriebsleiterin der Filiale. Grund für den im Vergleich zu anderen Vollsortimentern hohen Umsatz ist auch das Bistro, das in die Weinabteilung integriert ist. Seit zwölf Jahren gibt es im Frischeparadies ein gastronomisches Angebot, seit acht Jahren sind die umliegenden Regale mit Wein gefüllt. „Der große Vorteil ist, dass die zwei Mitarbeiterinnen der Weinabteilung auch im Bistro flexibel eingesetzt werden und aktiv mitberaten können“, erklärt Kremer. „Die Verzahnung ist schon sehr eng.“ Das Personal kann den Gästen zum Beispiel die probierten Weine sofort im Regal zeigen. „Durch das Bistro können wir auch die Geschmacksveränderung des Weins durch das Essen super abbilden“, sagt Kremer. „Wir haben erst vergangene Woche einen Kunden gehabt, der am Verkostungstisch noch gesagt hatte, ihm sei der Wein zu süß. Zusammen mit dem Essen im Bistro war er dann aber begeistert.“

Frontcooking und Wein
Während die beiden Köche des Frischeparadieses lautstark Gemüse schnippeln, liegt der Blick vieler Gäste auf der Weinvielfalt, die sich in großen Regalen rund um die 25 Sitzplätze des Bistros erstreckt. Sekt und Champagner stehen in einer offenen Kühlung, was im Winter zu doch eher frostigen Temperaturen in der Gastronomie führt. „Aktuell stellen wir den Gästen Decken bereit, damit es nicht zu kalt wird“, sagt die Betriebsleiterin. Doch von der niedrigen Temperatur ließen sich die Kunden nicht abschrecken. „Wir sind mit unserer Gastronomie wirklich am Kapazitätslimit“, sagt Kremer. Etwa 100 Essen wandern pro Tag über die Theke. Samstags müssen sogar manche Sonderplatzierungen weggeräumt werden, um dem Andrang gerecht werden zu können. „Wir setzen bereits Klapptische ein. Für nächsten Sommer arbeiten wir aber an einem Konzept, um außen noch weitere Plätze bereitzustellen“, so Kremer. Um 20 Prozent ist der Umsatz des Bistros 2019 gestiegen.

Etwa 500 verschiedene Weine bietet das Frischeparadies in Hürth seinen Kunden an, die gegen ein Korkgeld von zwölf Euro alle im Bistro getestet werden können. 90 Prozent der Weinauswahl bezieht die Filiale über den zentralen Einkauf für alle zehn Filialen des Frischeparadieses, das Weinwerk. Zehn Prozent des Sortiments kommt in Hürth direkt vom Winzer. Dabei liegt der Anteil an deutschen Weinen vergleichsweise niedrig: Nur 20 Prozent des Umsatzes in diesem Segment macht das Frischeparadies mit Weinen aus Deutschland. Auch Regionalität, bio und vegan spiele fast keine Rolle. „Ich denke, dass das auch an unserer älteren Zielgruppe liegt“, sagt Kremer. 40 Jahre und älter sei die Kerngruppe des Vollsortimenters. „Bei Fleisch oder Fisch ist das eine andere Sache, da Tierwohl sehr wichtig für unsere Kunden ist.“ In der Weinabteilung suchen die Käufer laut Kremer vor allem nach bekannten Winzern und bestimmten Rebsorten. 35 Prozent des Umsatzes macht Rotwein aus, 20 Prozent Weißwein. „Viele erzählen aber auch, was sie kochen wollen, und wir finden dann den passenden Wein“, erzählt die Betriebsleiterin.

Verkostung zählt
Das wichtigste Kaufargument sei nach wie vor das Testen. „Unsere Kunden wollen den Wein probieren, bevor sie ihn kaufen“, betont Kremer. Deshalb arbeite das Frischeparadies mit Verkostungen, die fast jeden Samstag stattfinden. Zusätzlich gibt es im Bistro eine Weinkarte, die gezielt auf Angebote und saisonale Weine eingeht. „Unsere Gastronomie ist wirklich die beste Werbung für unsere Produkte“, sagt Kremer. Etwa 70 Prozent der Bistro-Besucher trinken auch ein Glas Wein zum Essen, schätzt die Betriebsleiterin. „Bier ist bei uns fast kein Thema.“ Das liege jedoch auch daran, dass das Angebot im Markt sehr klein sei. Bier interessiere vor allem junge Leute, die ihren Weg eher noch selten ins Frischeparadies finden.