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Kolumne Dr. Rüschen Nachhaltig handeln - aber wie?

Stephan Rüschen | 02. Oktober 2019
Kolumne Dr. Rüschen: Nachhaltig handeln - aber wie?
Bildquelle: Rewe Markt GmbH/Meta Welling

Nachhaltigkeit wird in den kommenden Jahren das bestimmende Thema im Handel sein. Denn es besteht darüber Konsens, dass unser heutiges Wirtschaften den Anforderungen des Klimaschutzes nicht gerecht wird. Kann die „unsichtbare Hand“ des Marktes wirklich die benötigte Wende bringen?

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Der Konsument könnte durch sein Konsum- und Einkaufsverhalten den wichtigsten Beitrag für nachhaltiges Wirtschaften leisten. Dieser Markt-Mechanismus hat uns in die heutige Situation gebracht.
Hierfür gibt es drei Gründe:

  1. Das „Attitude-Behaviour-Gap“ zeigt, dass Konsumenten in der Realität häufig nicht konform zu ihren Einstellungen handeln.
  2. Der einzelne Konsument schätzt seinen Beitrag als zu gering an, als dass er im Gegenzug auf Bequemlichkeit und Wohlstand verzichten möchte.
  3. Für Konsumenten ist es wegen der vielfältigen und auch widersprüchlichen Diskussionen schwer nachzuvollziehen, was „richtig“ und was „falsch“ ist.

Das Marktversagen ist insofern vor allem dem Konsumenten anzulasten. Er zeigt Widersprüche im Konsumverhalten und ist überfordert. Die Veränderungen im Konsum- und Einkaufsverhalten werden zu langsam voranschreiten, um eine relevante positive Auswirkung auf das Klima zu haben.

Der Handel könnte Vorreiter sein, in dem er dem Konsumenten nicht mehr die Wahl zwischen „nachhaltig“ und „nicht-nachhaltig“ lässt. Wenn die Branche im Gleichschritt Produkte verbannt, könnte dies funktionieren. Der Verzicht auf Plastiktüten hat dies gezeigt. Jedoch ist der Versuch von Lidl, im Alleingang die konventionelle Banane durch die Fairtrade-Variante zu ersetzen, gescheitert. Der Kunde ist zum Wettbewerb abgewandert, der die günstigere, konventionelle Banane weiterhin angeboten hat.

Der bestehende Wettbewerb um die Marktführerschaft im Bereich Nachhaltigkeit ist damit nur ein Baustein des Klimaschutzes, nicht aber die alleinige Lösung. Der Markt kann das, was er angerichtet hat, nicht alleine lösen.
Man könnte auf neue Gesetze und Vorgaben warten oder setzen. Der Staat hat hier aber häufig nicht das richtige Augenmaß und agiert mit Blick auf die Wählergunst nicht konsequent und schnell genug.

Der Handel sollte vielmehr an einem runden Tisch Maßnahmen beschließen und im Gleichschritt agieren – siehe Verzicht auf Plastiktüten. Die Branche könnte somit ihrer Verantwortung für den Klimaschutz gerecht werden und einen wichtigen Beitrag leisten. Klimaschutz darf nicht auf einen reinen Wettbewerbsfaktor reduziert werden, sondern sollte zumindest partiell als gemeinsame Aufgabe der Branche gesehen werden.

Akzeptiert das der Kunde? Ja, wenn man ihn offen und transparent informiert, dass ein signifikanter Beitrag zur Nachhaltigkeit sowohl Wohlstand und als auch Bequemlichkeit kostet. Diese Wahrheit ist alternativlos!