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Metro/Real Wird die Trennung bald real?

Martin Heiermann | 18. Januar 2019
Metro/Real: Wird die Trennung bald real?

Bildquelle: Jörg Strojny

Der Handelskonzern Metro will am Ende des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 ein reiner Großhändler sein. Dieses Ziel verkündet der Metro-Vorstandsvorsitzende Olaf Koch. Vor allem die Gastronomiekunden stehen dann im Mittelpunkt. Die SB-Warenhauskette Real wird als Ganzes verkauft. Sie passt nicht mehr in die Unternehmens-Struktur. Das sieht nicht nur Koch so, sondern auch die Real-Geschäftsführung. Doch benötigt Real künftig einige Investitionen in neue Marktkonzepte, will das Unternehmen erfolgreich sein.

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Wir wollen ein hundertprozentig fokussierter Großhändler sein.“ Das sagte Metro-Chef Olaf Koch bei der Vorstellung der Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres des Handelskonzerns. Das bedeutet Veränderung für die Konzerntochter, die SB-Warenhauskette Real. Noch einmal bestätigte Koch, dass in vier bis sechs Monaten die Transaktion des Verkaufs abgeschlossen sein soll. Das Geschäftsjahr 2018/2019 werde Metro als reiner Großhändler abschließen können. Im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis zeigte sich der Vorsitzende der Real-Geschäftsführung Patrick Müller-Sarmiento mit dieser Strategie und dem angestrebten Verkauf der SB-Warenhauskette einverstanden. Real passe nicht mehr in die Metro-Struktur. Die Trennung von Metro sei positiv zu bewerten. „Wir sind sehr zufrieden mit der Anzahl und Qualität der Interessenbekundungen für Real,“ stellte Olaf Koch fest. Neben Finanzinvestoren, die die Gelegenheit nutzen, einen Blick in die Bücher zu werfen, seien auch strategische Interessenten in diesem Stadium der Gespräche dabei. Der Metro-Chef begründete noch einmal, warum sich das Handelsunternehmen von seiner Tochter Real trennen will. Die Zukunft der Metro liege im Bereich Großhandel. „Damit sind wir in der Vergangenheit erfolgreich gewesen und werden auch in Zukunft erfolgreich sein“, kündigte er an. Die Perspektive, sich im Großhandel zu entwickeln, sei sehr gut. Deshalb investiere man vor allem in den Metro Großhandel. Anders als im Lebensmittel-Einzelhandel sind die Märkte, aus seiner Sicht, gerade in der Zusammenarbeit mit Gastronomiekunden noch nicht konsolidiert. Das Wachstum sei im Großhandel nachhaltig und seit fünf Jahren auf vergleichbarer Fläche konstant. Der „HoReCa-Markt wächst permanent“, so Metro-Chef Koch. Dreiviertel der Kunden kommen wieder, die Kundenloyalität sei also sehr hoch.

380 Millionen

Euro Umsatz erzielte real.de im vergangenen Geschäftsjahr. Das Unternehmen strebt eine halbe Milliarde Euro an. Das operative Ergebnis vor Steuern der Real-Warenhauskette sank im gleichen Zeitraum von 154 Millionen Euro auf 143 Millionen Euro. Als ein Grund dafür wird die Auseinandersetzung mit Verdi genannt.

Mögliche Wertsteigerung
Real dagegen genießt derzeit bei den Metro-Investitionen keine Priorität. Das betrifft wohl vor allem den Rollout des Markthallen-Konzeptes und die Integration einiger Wochenmarkt- Module in die Märkte. Allerdings sind aus Sicht des Metro-Chefs signifikante Wertsteigerung bei Real möglich, wenn man den richtigen neuen Eigentümer finde, der die 279 Märkte komplett übernehme. „Wir bieten ein Paket aus 65 Immobilien, ein operatives Geschäft, das profitabel ist und einen erfolgreichen Online- Marktplatz. Ich schließe deshalb für dieses Paket einen negativen Kaufpreis aus“, so Koch weiter. Metro berücksichtige keine Teilangebote, nur Bieter für die Gesamtheit des Einzelhandels-Unternehmens. Kartellrechtliche Risiken wolle man jedoch nicht eingehen.


Nach Informationen verschiedener Medien gibt es rund eine Handvoll Interessenten für das Einzelhandelsunternehmen Real, darunter mindestens einen strategischen Investor. Das Handelsblatt spekuliert, Wettbewerber Kaufland, der zur Schwarz-Gruppe gehört, habe Interesse signalisiert. Im vergangenen Geschäftsjahr ging der Metro-Umsatz insgesamt um 1,6 Prozent zurück. Der Umsatz von Real verringerte sich flächenbereinigt um 1,7 Prozent. Gründe seien die heiße Witterung sowie temporäre Beeinträchtigung der Warenverfügbarkeit im zweiten Halbjahr.