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Überalterung Der Kunde ist Senior

Martin Heiermann | 31. August 2018
Überalterung: Der Kunde ist Senior

Bildquelle: Getty Images

Der Trend der Überalterung ist nicht neu, aber er greift nun auch auf Länder über, die aufgrund ihrer jugendlicher Prägung und Konsumfreude überdurchschnittliche Wachstumsperspektiven versprachen.

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Sowohl Hersteller als auch Handelsunternehmen tun gut daran, einen schleichenden Trend genau zu beobachten. Die langsam voranschreitende Trendwende heißt Überalterung. Es gilt sich darauf einzustellen, denn die Überalterung wird in vielen Ländern zunehmend Platz einnehmen, das berichtet eine aktuelle Studie des Marktforschers Planet Retail. Dass sich die Welt in Arm und Reich unterteilt, wissen wir. Dass sie sich aber zunehmend auch in Jung und Alt gliedert, will man noch nicht so richtig wahrhaben, ist aber eine Tatsache.

Je nach Gesellschaftsform und Sozialstruktur sorgen die Jungen für die Alten. Das funktioniert aber nur so lange, wie es kein zahlenmäßiges Missverhältnis zwischen den Generation gibt. Dieses Verhältnis gerät aber immer deutlicher in ein Ungleichgewicht. Bei globaler Betrachtung werden die Konsumenten immer älter, die Haushalte immer kleiner und die Versorgung konzentriert sich immer stärker auf Nahversorger oder auch Bringdienste. Gleichzeitig steigt der Bedarf weltweit an Kleinpackungen und -gebinden. Das hat den Nebeneffekt, das zudem auch die Menge des Verpackungsmülls deutlich ansteigen wird.

Zwei Berufstätige werden einen Senior finanzieren
Im Jahr 2000 lag der Anteil der Senioren an der gesamten Weltbevölkerung bei elf Prozent. Bis zum Jahr 2030 wird dieser Anteil auf 18 Prozent steigen. Ist doch nicht so dramatisch, könnte man meinen, aber in Nordamerika und Europa wird der Seniorenanteil bis dahin sogar bei 33,8 Prozent bzw. 37,4 Prozent liegen. Mit anderen Worten: weniger als zwei Berufstätige müssen so viel in die Rentenkassen einzahlen, damit ein Senior davon leben kann – von Gesundheits- oder Pflegekosten ganz zu schweigen.

Kleine Haushalte

Auch bei globaler Betrachtung werden die Konsumenten immer älter, die Haushalte immer kleiner und die Versorgung konzentriert sich immer stärker auf Nahversorger. Bei den Verpackungen werden künftig die kleineren Einheiten stärker nachgefragt.

Die Steuern zahlende Mittelschicht trifft es demnach besonders hart. Ihre Abgabenlast wächst unaufhörlich. Die Ausgaben für den Konsum – auch für Lebensmittel – dürften sich tendenziell auf preisgünstigere Produkte fokussieren. Der Trend zu Discount-Märkten und auch zu kleinflächigen Nahversorgern in der fußläufigen Nachbarschaft wird sich verstärken. Trotzdem gewinnt auch der Premiumsektor. Das ist aber keineswegs ein Hinweis darauf, dass alles halb so schlimm ist, sondern es deutet auf eine sich weiter vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich hin.

300 Millionen Menschen werden weltweit allein leben
Für Hersteller und Handel bedeutet das, dass beim Kampf um die Regalplätze derjenige gewinnt, der akzeptable Qualitäten zu erschwinglichen Preisen anbieten kann. Das gilt auch für Produkte im Online-Handel.

Es ist kein Geheimnis, dass Senioren weniger mobil sind als junge Menschen. Das führt immer stärker zum urbanen Wohnen. Die Marktforscher von Planet Retail gehen deshalb davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren die Zahl der in Städten lebenden Weltbevölkerung um eine halbe Milliarde zunehmen wird. Das ist gleichbedeutend mit einer zunehmenden Nachfrage nach Nähe, Convenience und unkomplizierter Verfügbarkeit. Auf Einpersonenhaushalte entfallen innerhalb der kommenden fünf Jahre rund 15 Prozent aller rund zwei Milliarden Haushalte weltweit. Mit anderen Worten: global leben rund 300 Millionen Menschen in Ein-PersonenHaushalten.

Der Trend zu leicht zu handhabenden, leicht zu öffnenden oder vorportionierten Kleinprodukten erhält also einen zusätzlichen Impuls – sowohl bei Lebensmitteln als auch bei Körperpflege- und Haushaltsprodukten. Bei den meisten Konsumenten wird sich die Einkaufshäufigkeit erhöhen und der durchschnittliche Einkaufskorb pro Einkauf wird kleiner. Die frühere Gewohnheit, einmal pro Woche die Vorräte aufzufüllen und dazu den Hypermarkt aufzusuchen, wird abnehmen. Aus globaler Sicht führt dies dazu, dass der Marktanteil von Hypermärkten von derzeit 20 Prozent in fünf Jahren, also im Jahr 2023 auf 16,6 Prozent sinken wird.