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Interview mit Jürgen Norbert Baur „Ich brauche keine Baur-Eigenmarke“ - Interview mit Jürgen Norbert Baur: Teil 2

Reiner Mihr | 10. August 2018
Interview mit Jürgen Norbert Baur: „Ich brauche keine Baur-Eigenmarke“

Bildquelle: Jürgen Norbert Baur

Er kann in diesem Jahr 25 Jahre seiner Selbstständigkeit feiern: Jürgen Norbert Baur darf zu Recht als einer der erfolgreichsten Edeka-Kaufleute genannt werden. Es muss damit zu tun haben, dass er stets rechtzeitig die Weichen stellt. Auch bei der Nachfolge.

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Wollen Sie noch größer werden?
Wir haben derzeit einige Märkte in der Entwicklung. Damit erreichen wir eine strategische Größe, die uns absolut konkurrenzfähig macht.

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit am meisten?
In nicht allzu ferner Zukunft werden mehr Lebensmittel online verkauft werden. Das werden vor allem solche sein, die wenig oder keine Emotionalität vermitteln. Das wird vor allem die Discounter treffen. Der Supermarkt der Zukunft wird sich verändern, spezialisieren und seine Sortimente vertiefen müssen. Eine große Chance für den Vollsortimenter.

Zum Supermarkt der Zukunft gehört mehr. Was wird das sein?
Es hört sich fast langweilig an: Dem Kunden dienen. Wer einen Dienst leistet, ehrlich und gut, der gewinnt. Das bedeutet: Bereitschaft zu hohen Personalkosten, die Ausrichtung am Kunden und Sortimente, die sonst keiner hat. Wir müssen ständig nach Produkten suchen, die der Kunde am Standort will – bei aller Zentralisierung. Der Supermarkt wird zum Frischelieferant par excellence. Der Versorgungskauf steht dabei nicht im Vordergrund. Der Convenience-Gedanke wird eine große Rolle spielen, die Kühlung wird noch wichtiger, Gesundheitsbewusste müssen bedient werden. Wichtig ist mir: Wir machen keine Läden von der Stange.

Ihre Meinung zur Gastronomie im Handel?
Da bin ich konservativ. Wir machen das behutsam. Da, wo wir es anbieten, läuft es gut. Wir sehen das als Dienstleistung für den Kunden und ein Stück Marketing.

Sie haben keine Baur-Eigenmarke. Warum? Viele Ihre Kollegen machen das anders...
Die Edeka-Eigenmarken führen wir zu 90 Prozent. Ich selber brauche keine Eigenmarke. Ich setze eher auf Regionalität. Seit 2004 habe ich die Marke „Gutes vom See“ mitentwickelt. Hier werden auf einer Plattform Erzeuger gebündelt, die etwa 50 Kilometer rund um den Bodensee angesiedelt sind

Sie haben in 25 Jahren als selbstständiger Kaufmann viel erreicht. Und nicht nur mit den eigenen Läden, sondern auch als Aufsichtsrat bei Edeka Südwest und in der Hamburger Zentrale. Wie verkraftet man Erfolg?
Das, was ich tue, ist meine Erfüllung. Das fordert mich und meine Mitarbeiter. Ich bin ein zufriedener Mensch. Dabei geht es nicht immer aufwärts. Im Laufe der Zeit wird das Tal kleiner und der Berg größer. Ich war allerdings schon mit meinem ersten Standort recht erfolgreich, und die Filialisierung ging dann schnell voran. Über die 25 Jahre hinweg hatte ich insgesamt 20 Märkte. Davon wurden auch einige wieder geschlossen. Aus dieser Phase habe ich viel gelernt und zusammen mit der Edeka die Strukturen in meinem Unternehmen verbessert: Personal, Einkauf, Marketing. Mit unseren jetzt zehn Märkten sind wir sehr gut aufgestellt.