Power Tüte Kraft zum Lernen

Mitten in Deutschland herrscht Hunger: Viele Schulkinder frühstücken nicht. Die Rewe sammelt in einem Pilotprojekt Spenden und verteilt „Power Tüten".

Donnerstag, 07. April 2011 - Management
Heidrun Mittler
Artikelbild Kraft zum Lernen
Bildquelle: Hans-Joachim Thienemann

Chiara freut sich: Heute Morgen gibt es ihren Lieblings-Joghurt, außerdem Käse auf dem Brot – das mag sie gern. Zufrieden frühstückt die Schülerin, die die dritte Klasse der Pestalozzi-Schule in Eschwege besucht, ehe es wieder ans Rechnen geht. Ihre gesamte Klasse wird seit Ende vergangenen Jahres jeden Tag mit einem gesunden Frühstück versorgt, kostenlos bereitgestellt von der Rewe Group.

Der Volksmund sagt zwar: „Ein voller Bauch studiert nicht gern." Doch für viele Schulkinder stellt genau das Gegenteil ein Problem dar: Sie gehen morgens ohne Frühstück aus dem Haus. Warum das so ist, sei dahin gestellt – doch es ist Fakt. Ebenso bedenklich ist, dass ein Drittel der 6- bis 14-jährigen Jugendlichen laut statistischen Erhebungen den Schulweg ohne Pausenfrühstück antritt. Im Zweifel sind das die gleichen Schüler, die schon hungrig in den Tag gestartet sind.

Kein Wunder, dass diese jungen Menschen im Unterricht nur bedingt leistungsfähig sind – wer interessiert sich schon für das große Einmaleins, wenn der Magen knurrt und der Blutzuckerspiegel am Boden ist?

Ausgehend von diesen Überlegungen hat die Rewe Group 2009 eine Initiative gestartet, um diesem bedauerlichen gesellschaftlichen Phänomen zu begegnen. Gemeinsam mit verschiedenen Industriepartnern und den gemeinnützigen Tafeln hat sie eine Initiative gestartet, bei der Grund- und Förderschüler ein kostenloses Frühstück erhalten. Das Projekt nennt sich „Power Tüte": Diese enthält immer ein belegtes Pausenbrot, Obst, ein Getränk und weitere Lebensmittel. Ohne die ausgefeilte Logistik der Rewe Foodservice GmbH wäre das Projekt allerdings nicht möglich. Denn, wie so oft, liegt die Herausforderung darin, die Lebensmittel richtig zu verteilen.

Der Weg der Power Tüten beginnt im Frischezentrum in Hildesheim. Hier gehen die Bestellungen der derzeit acht belieferten Projektschulen ein, mit der Anzahl der Tüten, die für den nächsten Tag benötigt werden. Ein holländischer Zulieferer beginnt, Pausenbrote zu schmieren – mal gibt es Hähnchenbrust, ein anderes Mal Käse aufs Brot. Der Spezialist kann sicherstellen, dass alle Hygiene-Anforderungen erfüllt sind. Die Brote werden verpackt und gekühlt ins Frischezentrum transportiert.

Ausgefeilte Logistik

Hier sind Jens Wegner und Dimitri Werwai schon damit beschäftigt, die Ware aus dem Hochregal-Lager zu entnehmen. An einem eigenen Arbeitsplatz bestücken sie die Tüten mit Ware, jeweils 12 kommen dann in eine Transportkiste. Was in die Tüten kommt, wurde vorher von einer Ernährungsexpertin unter dem Aspekt „ausgewogene Ernährung" festgelegt und wird von Unternehmen gespendet.

Während die Mitarbeiter noch die Transportkisten bestücken und versandfertig machen, läuft im Hintergrund schon die Tourenplanung. Rewe Foodservice betreibt einen eigenen Fuhrpark, mit dem die Kunden beliefert werden, das sind in erster Linie Gastronomie, Großküchen und Großverbraucher. Doch zunächst gibt es eine weitere Station: das Verteillager in Kassel, wo die Kommissionierung erfolgt. Von hier aus treten die Power Tüten im Morgengrauen den Weg zu den Schulen an, wo sie vor Unterrichtsbeginn eintreffen.

In den Schulen kommt das Projekt super an. „Die Kinder sind ausgeglichener und zufriedener", schreibt eine Lehrerin in einer anonymen Befragung. Eine andere gibt an, die Schüler hätten nun „Kraft zum Lernen". Für viele Kinder sei die Power Tüte außerdem die „einzige gehaltvolle Mahlzeit am Tag".

Bleibt nur zu hoffen, dass Chiara mittlerweile selbst gelernt hat, wie wichtig ein gesundes Frühstück für sie ist. Das Projekt wird fortgesetzt, nach den Sommerferien werden sich andere Schulen über die Tüten freuen.