Food-Start-ups:„Ich betrachte uns als Trüffelschweine“

Bildquelle: Ingo Hilger

Food-Start-ups „Ich betrachte uns als Trüffelschweine“

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Edeka-Kaufmann Dirk Goerzen und René Drißang (Personalmanagement Edeka Goerzen) aus Koblenz haben eine Leidenschaft für neue innovative Produkte. Ein Gang durch den Markt zeigt das aktuelle Who‘s who der Food-Start-up-Szene. Ein Gespräch über blauäugige Jungunternehmer, Lieferengpässe und die Edeka-Plattform Foodstarter.

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Mit den meisten Neuheiten aus der Gründerszene kann man erstmal kein großes Geld verdienen. Im Gegenteil. Was treibt Sie an?
Dirk Goerzen: Ich betrachte uns als Trüffelschweine. Ich möchte den Red-Bull- oder Bionade-Erfinder von morgen entdecken. Das habe ich mir auf die Fahne geschrieben.

Wollen das nicht viele Ihrer Händler-Kollegen?
Die Edeka-Zentrale in Hamburg unterstützt Händler wie mich mit der Foodstarter-Plattform, die die Zusammenarbeit mit den Gründern erleichtert. Aber es gibt auch Kollegen, die das belächeln. Jemand hat mal zu mir gesagt: „Goerzen, was machst du eigentlich da? Die Aufgabe des Kaufmanns ist es, dafür zu sorgen, dass morgens das Licht angeht und genügend Personal hinter der Bedientheke steht. Themen wie Start-ups machen höchstens die vierte Stelle hinter dem Komma beim Umsatz aus.“ Der Mann hat natürlich irgendwo Recht, aber mir macht das trotzdem Spaß.

Foodstarter ist eine Plattform für die rund 4.000 selbstständigen Kaufleute. Gründer stellen hier offiziell seit knapp drei Monaten online ihr Produkt vor, während die Einzelhändler sich die Vorschläge ansehen und bei Interesse direkt ein Probepaket anfordern können.

Stichwort Foodstarter. Wie funktioniert das Projekt und nehmen Sie das Angebot war?
Ich bin froh, dass wir das Food-Tech-Projects-Team in der Hamburger Zentrale haben. Die haben sich des Themas angenommen und treffen für uns bei den unzähligen Start-up-Projekten eine gewisse Vorauswahl. Teilnehmende Händler bekommen einmal in der Woche per SMS 3 bis 5 neue Produkte vorgestellt. Dabei halte ich natürlich Ausschau nach den Dingen, die noch keiner hat. Das x-te Craft Bier oder die 40. Erdbeermarmelade braucht keiner.

Das klingt sehr anonym. Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt mit den Gründern?
René Drißang: An erster Stelle steht für uns das Produkt. Das muss uns überzeugen. Aber der persönliche Kontakt kann durchaus auch sehr wichtig sein um, um sich einer Idee überhaupt erst zu öffnen. Das war beispielsweise bei Grillido so. Die Jungs haben wir beim Symposium „Feines Essen und Trinken“ getroffen und hatten gleich einen guten Draht zu denen, inhaltlich sehr konstruktiv. So kam es zu der ersten Bestellung. Ähnlich war es bei Frau Frucht und Herr Gemüse (Hersteller von Aufstrich. Anm. d. Redaktion). Trotzdem: Grundsätzlich geht es um das Produkt. Das muss sich von selbst verkaufen.

Abgrenzung

Dirk Goerzen weiß, dass er sich als Händler immer mehr vom Discount und Online-Geschäft abgrenzen muss. Beispielsweise mit diesem Ingwer Drink von Kloster Kitchen. Der hat zwar einen stolzen Preis, findet aber bei seinen Kunden durchaus Anklang.

Sie können jetzt mal die Werbetrommel rühren. Was ist Ihre aktuell spannendste Neuentdeckung und warum?
Goerzen: Einer unserer stärksten Lieferanten ist Hafervoll. Das sind handwerklich hergestellte Haferriegel aus England. Ich mache diesen Job im Markt seit 30 Jahren und bilde mir ein, beurteilen zu können, was läuft und was nicht funktioniert. Ich war am Anfang skeptisch, aber diese Produkte laufen gut. Außerdem erfolgreich sind die bekannte Marke Grillido und Chimpanzee, die proteinreiche Energie-Riegel produzieren.

Drißang: Favoriten sind immer geschmacksabhängig. Chimpanzee kommt derzeit aber am besten bei den jungen Leuten an. Die Hersteller, die für das Produkt stehen, treffen unsere Zielgruppe. Das sind in erster Linie junge Leute, Studenten, die auf Innovationen stehen und immer was Neues brauchen, um den eigenen geschmacklichen Horizont zu erweitern.

Verkauft sich das auch?
Goerzen: Displayweise, ja.