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Befragung Trend 2017

Reiner Mihr | 08. Januar 2017

2016 war in Ordnung – mal sehen, was 2017 bringt. So kann man das Stimmungsbild im deutschen Lebensmittelhandel zum Jahresstart beschreiben. Das legen jedenfalls die Ergebnisse der jüngsten Trend-Umfrage der Lebensmittel Praxis nahe. Eines bestätigt sich: Essen wird immer politischer.

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Essen ist mehr als Sattwerden. Das wissen Lebensmittelhändler schon länger. Aber ging es in früheren Jahren um Genuss, Premium, Preise oder vielleicht Produktinnovation, rückt heute die politische Dimension der Nahrungsaufnahme immer stärker in den Mittelpunkt. „Wir gestalten die Welt mit unserem Essen“, sagte Ursula Hudson, die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, kürzlich beim Symposium „Zukunft gestalten – Mit Qualität und Vielfalt“ der Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel. Daher würden immer mehr Verbraucher ihre Kaufentscheidungen an ethischen Grundsätzen orientieren.

Dennoch sieht die Realität oft anders aus: weniger Zeit für Essen, immer mehr Convenience-Produkte in Supermärkten, die Zahl der Bauern, Bäcker und Metzger sinkt. Zudem landet etwa ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel auf dem Müll, in den Industrieländern noch mehr.

Diesen Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit spüren Lebensmittelhändler Tag für Tag im Laden: Immer stärker gefragt sind regionale Sortimente, vegane und vegetarische Artikel oder Bio-Produkte. Nicht zufällig landen deshalb diese Produktgruppen bei der Trend-Umfrage 2017 der Lebensmittel Praxis ganz oben im Ranking. Und genauso wenig zufällig finden sich scheinbar „weniger politisch korrekte“ Produkte wie Tabakwaren, Alkohol oder auch Fleisch und Wurst am hinteren Ende der Skala (siehe Tabelle auf dieser Seite), obwohl sie doch einen nicht unerheblichen Teil zu Umsatz, Spanne und Ertrag im Supermarkt beitragen.

Dabei sind die teilnehmenden Händler unserer Befragung durchaus wohlgestimmt, das zurückliegende Jahr wird überwiegend positiv beurteilt. Durchaus zu Recht, der Lebensmittelumsatz stieg. Und auch für 2017 setzt u. a. die Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud auf den Konsum. Dieser werde ein wesentlicher Treiber der Konjunktur bleiben. Tarifsteigerungen, Rentenanpassungen und ein weiterer Beschäftigungsanstieg würden dafür sorgen. Sie ist sicher: „Deutschland, der vermeintliche Konsumverweigerer, geht einkaufen.“ Dennoch sehen die Kaufleute 2017 etwas skeptischer als 2016. Kaum verwunderlich, sind doch die äußeren Einflüsse auf Stimmung und Befindlichkeit enorm. Immerhin gibt es 2017 viele offene Themen: Bundestagswahl, Rechtsruck, europäische Uneinigkeit, Terror, Trump, um nur einige zu nennen.

Trotzdem: Die Grundstimmung ist positiv, und der Indexwert der LP-Trendbefragung liegt wie im Vorjahr bei 45. Das ist der höchste Wert seit 2010/2011.

Die zu beackernden Themen in den nächsten Monaten werden deshalb nicht leichter: Natürlich werden Kostendruck und Preiskampf genauso bleiben wie Discounterstärke und Marktkonzentration. Bei vielen anderen Themen schimmert das Bedürfnis nach Differenzierung im Wettbewerb durch. Zwei Themen stehen zu Unrecht weniger im Fokus der Befragten. Zum einen das Thema Personal. Dessen Beschaffung und Entwicklung wird eine der ganz großen Herausforderungen für den Handel bleiben. Zum anderen das Thema „Online-Verkauf von frischen Lebensmitteln“. Richtig ist: Der mit im Internet bestellten Lebensmitteln erzielte Umsatz ist nur marginal im Vergleich zu dem, was direkt in Läden ausgegeben wird. Aber das wird sich ändern, und das Thema muss auf der Prioritätenliste nach oben rücken.

Zur Methode der Befragung

Die Lebensmittel Praxis hat erneut Mitte November bis Mitte Dezember des vergangenen Jahres ausgewählte Führungskräfte im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel zu ihrer Bewertung des Jahres 2016 und ihrer Einschätzung für 2017 befragt. Das zurückliegende Jahr wird dabei zum Zeitpunkt der Befragung überwiegend positiv beurteilt, das gerade begonnene Jahr wird noch vorsichtig skeptisch beurteilt. Dennoch: Der Optimismus für 2017 überwiegt. Auch nach den entscheidenden Themen, die den Handel in den kommenden Monaten am ehesten beschäftigen, wurde wieder gefragt. Spannend auch die Frage nach den Investitionen, die Händler 2017 vornehmen wollen. Und natürlich wollte die Redaktion auch wieder wissen, welche Sortimente vermutlich im begonnenen Jahr die größten Chancen für Absatz- und Umsatzerfolge bieten könnten. Rund 1.000 Fragebögen wurden verschickt, die Rücklaufquote lag bei knapp 50 Prozent. Die LP bedankt sich bei allen, die mitgemacht haben!