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Ladenumbau Drei Beispiele

Reiner Mihr, Heidrun Mittler | 03. Juni 2016

Neubauen kann – fast – jeder. Die wahre Herausforderung ist der Umbau eines Supermarktes im laufenden Betrieb. Bei rund 38.000 Lebensmittelgeschäften in Deutschland und einem durchschnittlichen Renovierungszyklus von 8,6 Jahren wird die Dimension der Maßnahmen zur Modernisierung eines Geschäftes deutlich.

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Platz für neues schaffen
Gründe für einen Umbau sind häufig Erweiterungen des bestehenden Marktes. Die früher ausreichende Fläche wird im Lauf der Zeit zu klein. So kann der Markt bei Vergrößerung neu gestaltet werden.

Für Edeka-Kaufmann Florian Hellwig liegt die „gesunde“ Größe eines Supermarktes irgendwo zwischen 2.000 und 3.000 qm. Sein Markt – 2007 im nordhessischen Edermünde-Besse eröffnet – kam so gerade ran, knapp über 2.000 qm. Dabei hatte er die Getränke im Markt, das Drogeriesortiment war übersichtlich. „Die ersten Überlegungen hab ich während der Schlecker-Pleite gemacht“, sagt Hellwig. Er wollte – genau wie seine Regionalgesellschaft, die Edeka Hessenring in Melsungen – nicht zuschauen, wie Rossmann und dm in der Region zweistellig wachsen. „Wir haben unser Drogeriesortiment nicht so perfekt rübergebracht wie die beiden – breit und übersichtlich.“ Da wollte er ran.

Außerdem war ihm schon länger die Getränkeabteilung zu klein geworden, die große Sortimentsvielfalt, Ein- und Mehrweg, waren hier nicht mehr darstellbar. Und schließlich gab es zuletzt einige Sortimentsveränderungen, wie der Trend zum Dry-aged-Beef, die Aufbackstation im Markt, veganes und Bio-Sortiment oder auch die Neulistung von Alnatura. Damit war klar: Eine Erweiterung und Neuorganisation des kompletten Geschäfts musste her.

Hellwig stemmte einen 800-qm-Anbau für die Getränkeabteilung, Riesensortiment, modernste Abwicklung der Leergutrücknahme, drei Kassen. Damit schuf er Platz für rund 600 qm Drogerieabteilung. Zuerst wurde der Anbau realisiert, dann ging es an die Umorganisation des gesamten Marktes: Umbau Fleischabteilung (jetzt mit Dry-aged-Beef), neue Kassen (jetzt fünf statt vier) wurden an neuer Stelle installiert, die Obst und Gemüseabteilung erweitert, die Backstation gebaut, das Drogeriesortiment ausgewählt und platziert. Seine insgesamt nun acht Kassen sind auf kontaktloses Zahlen vorbereitet, die lokale Sparkasse forciert ein entsprechendes Projekt. Die Beleuchtung ist komplett auf LED umgestellt. Dabei wurde auch ein wenig in Deko investiert. Deckenhänger trennen die Abteilungen deutlicher voneinander ab, eine durchgehende Holzverkleidung in allen Abteilungen sorgt für warme Wohlfühlatmosphäre.

„Den Getränkemarkt haben wir Anfang Dezember 2015 eröffnet, gleichzeitig war die Fleischabteilung neu. Ab Mitte Januar folgte dann der Rest in nur drei Wochen.“ Florian Hellwig ist jetzt noch stolz auf diese Energieleistung. Er sagt: „Genaue Planung bis wirklich in jedes Detail ist entscheidend.“ Wichtig war für ihn auch, dass alle Beteiligten Hand in Hand gearbeitet haben. Beim Kosmetiksortiment zum Beispiel wurden Kundenfragen gesammelt, die zuständigen Mitarbeiter und Marktleiter einbezogen, der Vertrieb habe das Sortiment dann gespiegelt, ein Dienstleister verräumte die Ware.

Die Kunden haben die Umbauphase akzeptiert, auch wenn mal Gänge vollgestellt waren, Ware umgeräumt wurde, gehämmert und gebohrt wurde. „Neuorientieren muss der Kunde sich allerdings nach dem Umbau schon. Aber da muss er durch.“

Jetzt fühlt sich Hellwig mit seiner Marktgröße von knapp unter 3.000 qm rundherum wohl. Sein Sortiment umfasst nun rund 40.000 Artikel. Seine bisherigen Pluspunkte (großer Parkplatz, breite Parkbuchten, Sortiment, Standort, Kundenorientierung) hat er durch vergrößertes Sortiment, superschnelle Leergutabwicklung und mehr Atmosphäre im Markt ausgebaut. Der Stellenwert bei den Kunden im kleinen Edermünde-Besse und den umliegenden Ortschaften hat er deutlich gefestigt und ausgebaut. Kein Wunder, dass seine Umsatzergebnisse deutlich über denen aller Prognosen im Vorfeld der Eröffnung liegen.

Fakten
  • Edeka Hellwig In der Lache Besse
  • Ziel war der Ausbau des Drogerie- und Getränkesortiments
  • 800 qm Verkaufsfläche für Getränke wurden angebaut
  • Die frühere Getränkefläche wird jetzt komplett von Drogerieware belegt
  • Sortimente neu strukturiert