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Karriere Die fantastischen Vier

Heidrun Mittler | 03. Juni 2016

Wie gelingt es jungen Frauen, Karriere im Handel zu machen? Auf jeden Fall nicht ohne Männer. Welche Voraussetzungen nötig sind, zeigt das Beispiel Real.

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Aber sind nicht gerade die Geschäftsleiter ein Hindernis, weil sie die guten Mitarbeiter selbst behalten wollen? Thorsten Beineke überlegt kurz: „Es liegt in der Natur der Sache, dass der Ausbilder an seinen guten Kandidaten hängt, sie ungern für weitere Karriereschritte und damit andere Häuser freigibt.“ Doch er halte „viel davon, dass die Nachwuchskräfte den Rest der Real-Welt kennenlernen“. Wenn man hingegen deren Karriere deckele, besteht die Gefahr, dass sie von der Konkurrenz abgeworben werden.

Als Vater von drei Kindern bezieht Beineke klar Stellung zur Frage nach Beruf und Karriere. Wenn eine Nachwuchskraft mitteilt, dass sie schwanger ist, beglückwünscht er sie von Herzen, „genauso wie ich das auch im privaten Umfeld mache“. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass sich alles ändert und die werdende Mutter ihr Privatleben neu ordnen muss. „Aber damit ist ihr Karriereweg nicht vorbei, er ist nur unterbrochen.“ Wenn sich die Mutter richtig organisiert, ist vieles möglich: „Für einen guten Kandidaten finden wir immer eine geeignete Stelle.“ Beineke weiß, dass es sich lohnt, den Wiedereinstieg zu erleichtern: „Mitarbeiter, die man selbst an die Hand genommen hat, geben am meisten zurück, weil sie eine starke Bindung ans Unternehmen haben.“

Gabriela Patriota

23, hat gerade die Prüfung zur Handelsassistentin abgelegt. Im Real- Markt Bad Sobernheim kümmert sie sich als Teamleiterin um Trockensortiment und Getränke. Ihr Ziel: die Fortbildung zur stellvertretenden Geschäftsleiterin. Wenn sie nicht arbeitet, tanzt sie als Funkenmariechen in einem Bingener Fastnachtsverein.

Perspektiv-Wechsel: Wie geht es den angehenden weiblichen Führungskräften auf ihrem Weg nach oben auf der Karriereleiter? Yasmin Mas-Distler, Katy Koch, Gabriela Patriota und Nathalie Weyand treffen sich zum Fototermin im Real-Markt in der Wiesbadener Äppelallee. Die jungen Frauen im Alter von 23 bis 35 Jahren sind unisono der Auffassung, dass sie ebenso gute Chancen im Unternehmen haben wie ihre männlichen Mitstreiter. Wenn das Potenzial vorhanden ist und die Person den nötigen Einsatz zeigt, mache Real ihren Erfahrungen nach keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Bewerbern.

Trotzdem müssen sich die Vier natürlich in einer Männerdomäne behaupten. Katy Koch bringt es auf den Punkt: Als Teamleiterin Getränke in der Äppelallee arbeitet sie mit sieben Männern zusammen, „und ich bin die Jüngste“. Gerade am Anfang sei es nicht einfach gewesen, sich den Platz in dieser Männerrunde zu erarbeiten. Ihr Rezept? „Anpacken und ein gutes Beispiel vorleben – dann ziehen auch die Männer mit.“ Gabriela Patriota, gerade mit der Ausbildung fertig und demnächst Teamleiterin Trockensortiment und Getränke in Bad Sobernheim, kennt das Problem: Gerade als Frau ist es nicht einfach, Anerkennung und Respekt von männlichen Mitarbeitern zu bekommen. „Führung ist ein spannendes Thema, aber ein schwieriges“, so ihre Erfahrung. „Nur durch den Zusammenhalt und die Mitarbeit im Team können Häuser gebaut werden.“

Auch Yasmin Mas-Distler, Teamleiterin Nonfood in Ingelheim, nennt als größte Herausforderung im Alltag „die Schwierigkeit, alle Mitarbeiter zu überzeugen, den Weg mitzugehen“. Die besten Ideen, der sensibelste Zugang zu den gestellten Aufgaben nutze im Alltag nichts, wenn man sie nicht im Team umsetzen könne.

Nathalie Weyand

24, arbeitet als Teamleiterin Food abteilungsübergreifend im Real-Markt Wiesbaden an der Mainzer Straße. Sie strebt die Laufbahn Stellvertreterin und dann Geschäftsleiterin an. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge.

Jeder Tag brinGt neue Aufgaben
Für Nathalie Weyand, Teamleiterin Food im Real Wiesbaden Mainzer Straße, ist der nicht planbare Arbeitstag die größte Herausforderung, aber zugleich auch der Reiz an ihrem Beruf. „Immer platzt irgendetwas dazwischen.“ Ganz gleich, ob der Leergut-Automat streikt oder ein Außendienst-Vertreter ungeplant vor der Tür steht, ein Kollege ausfällt und vertreten werden muss oder die Polizei wegen eines Diebstahls in die Filiale kommt – sie muss mit ihren 24 Jahren alle diese und weitere Herausforderungen meistern. Genau das aber mache ihr Spaß, deshalb möchte sie ins Stellvertreter- und später ins Geschäftsleiter-Programm von Real aufgenommen werden.

Und wie sieht es mit dem Thema Familie aus? Diese Frage gehen die Vier ganz entspannt an. Sie nennen als wichtiges Argument, dass auch Teamleiter bei Real in Teilzeit arbeiten können. Zudem werden im aktuellen Teamleiter-Entwicklungsprogramm derzeit Kollegen fortgebildet, die 20 Jahre älter sind als sie selbst. Also besteht auch die Möglichkeit, sich erst der Familie zu widmen und anschließend weiter Karriere zu machen. Was ist denn wirklich entscheidend für den Weg nach oben? „Ein vertrauensvoller und guter Draht zum Geschäfts- und Regionalleiter“, sagt Weyand.