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Interview mit Michael Junker So wird der Markt zur Marke

Reiner Mihr | 02. Juni 2016
Interview mit Michael Junker: So wird der Markt zur Marke

Die Kernkompetenz im Supermarkt herausarbeiten – das ist Aufgabe und Herausforderung bei Neu- und Umbau. Erst dann kann ein Markt zur Marke werden. Ein Gespräch mit Innenarchitekt Michael Junker.

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Für Michael Junker ist klar: „Einkaufen ist mehr als Warenbeschaffung. Einkaufen ist Lebenskultur. Kunden konsumieren nicht mehr nur, sie wollen ein Erlebnis.“ Junker unterstützt viele Einzelhändler dabei, ihren Markt zur Marke zu machen. Er kann auf viele Jahre Erfahrung bei Neu- und Umbau zurückblicken.

Herr Junker, wo sehen Sie aktuell große Herausforderungen im Ladenbau?
Michael Junker: Einiges. Das beginnt bei neuen Kompetenzfeldern, die man vor zehn Jahren noch nicht gesehen hat: Süßwaren, Feinkost, Kaffee/Tee und ähnliches. Das muss sich im Markt widerspiegeln. Es geht weiter mit der Technik, elektronischer Preisauszeichnung, Self Scanning, Geldtresore – hier geht es rasant voran. Dann die Frage, wie werde ich als Händler zur Marke? Die Antwort darauf führt unterschiedlichen Interessen im Ladenbau.

Wie meinen ...?
Es kommt schon vor, dass eine Zentrale ihre Ladenplanung durchsetzen will. Vor Ort darf nichts verändert werden. Das wird stereotyp und führt z. B. zu Gondelköpfen mit Eigenmarken. Natürlich dürfen einige Händler in der Gestaltung mehr als andere. Aber wenn Individualität ein Wettbewerbsvorteil ist, muss man die auch zulassen. Die meisten Händler sind dann ja doch systemtreu – im Idealfall mit persönlicher Note.

Wie gehen Sie vor?
Zu Beginn muss ich den Betreiber kennenlernen. Ich muss wissen, wie der tickt. Ich muss mich über die Kundensicht informieren. Was passt am Standort. Eher authentisch? Oder vielleicht futuristischer? Danach muss man sich aktuelle Märkte ansehen, um zu prüfen, welche Architektursprache/Stimmung zu dem Händler passt. Dabei geht es immer ums „Wohlfühlen“ im Markt. Für Kunden, Betreiber und Mitarbeiter. Wichtig sind letztlich nicht Regale, sondern Ware und Warenfolge.

Worauf achten Sie besonders?
Wegführung, Bildsprache, Farbgebung, Sortimentsabfolge, Warenpräsentation, Kompetenzbereiche, Waren-Leitbilder, Aktionsfläche, neue Technik. Und natürlich: Ist das alles finanzierbar? Danach muss sich auch richten, ob ich Teilbereiche aktualisiere oder ein Gesamt-Facelift anvisiere.

Was sind die größten Fehler, die man machen kann?
All das Genannte nicht beachten. Falsche Prioritäten setzen. Schnick-Schnack, Übertreibungen. Nicht darauf achten, was wirkliche Verkaufsimpulse bringt.

Welchen zeitlichen Rahmen setzen Sie für einen Umbau an?
Kommt natürlich drauf an. Aber für die reine Planung würde ich im Idealfall vier bis sechs Wochen ansetzen. Die reine Umsetzung hängt dann vom Umfang der Maßnahmen ab, kann schnell erledigt sein, aber auch dauern. Wichtig ist die Überlegung, wer denn konkret realisiert. Erfahrene Handwerker sind von Vorteil, da es in der Regel Umbauten im laufenden Geschäft sind.

Zur Person

Michael W. Junker ist Dipl. Ing. Innenarchitekt und seit 1980 als Berater und Architekt tätig. Er war als Messe- und Ladenbauer mit eigener Produktion aktiv, danach bei der Metallwarenfabrik Wanzl als Vertriebler, heute ist er selbstständiger Einzelhandelsberater und Planer. Sein Portfolio reicht von der konzeptionellen Beratung über die Entwicklung von Lichtkonzepten bis zur Komplettumsetzung. Beim AEZ München war er genauso beteiligt wie bei Rewe Kramer in Recklinghausen oder Rewe Filips in Dortmund.

Was ist bei der Planung besonders wichtig?
Sie müssen natürlich voraus denken. Zum Beispiel, wenn sie eine Rasterdecke entfernen wollen – wo sind Versorgungsstränge, Leitungen bzw. wo sollen die in Zukunft hin? Das gilt auch für Wasserversorgung und Kühlung. Im Bedienbereich müssen sie mit Behörden, z. B. dem Veterinäramt zusammenarbeiten. Die Abstimmung der Montage-Abläufe ist zu koordinieren. Ganz wichtig: Keine Architektur zum Selbstzweck. Kein reiner Zeitgeist, auch die schönste Deko macht viel Arbeit.

Wie lange kann ein Umbau Bestand haben?
Ein gut gemachter Umbau – und damit meine ich eine ideale Zusammenarbeit von Planer, Händler, Architekt und Handwerkern – muss schon für zehn Jahre reichen.

Welche Anforderungen bringt die Zukunft?
Bildsprache beeinflusst die Kaufentscheidung. Das muss sinnvoll im Markt eingesetzt werden. Aber es ist ein schmaler Grat. Das darf den Kunden nicht „erschlagen“. Gefährlich ist es zum Beispiel mit exzellenten Makroaufnahmen im Obst/ Gemüsebereich zu arbeiten, die dann besser sind als die eigentliche Ware. Außerdem wird es künftig nötig sein, das Profilierungs-Sortiment sehr viel stärker in die ladenbauliche Planung einzubeziehen.

Ihr idealer Markt?
Mir gefällt, wenn Händler ein standorttypisches Thema auch im Markt spiegeln. Industriekultur zum Beispiel oder Bezug zur regionalen Architektur/ Landschaft. Ideal ist ein Markt auf neuestem Stand, der Ware im Einklang mit dem Händler, den Menschen bei guter Atmosphäre präsentiert.