Der Handel ist bunt So gelingt Karriere im Handel - Sonja Müller

Mit den Strategien von gestern kann man die Jugend von heute nicht mehr erreichen. Wer Führungsnachwuchskräfte finden und ausbilden will, muss offen sein für Neues. Dazu gehören auch Quereinsteiger und Menschen mit ungewöhnlichen Lebensläufen. Der Handel ist bunt – und das ist auch gut so!

Montag, 13. April 2015 - Management
Heidrun Mittler
Artikelbild So gelingt Karriere im Handel - Sonja Müller
Tom Dienewald, Kaufland in Cottbus

Suat Öcalan, Tegut in Fulda

  • duales Studium
  • unterstützt von Tegut
  • trainiert junge Fußballer

studiert zurzeit und bereitet sich auf Führungsaufgaben bei Tegut… gute Lebensmittel vor. Der 27-Jährige mit türkischen Wurzeln ist in der Nähe von Marburg aufgewachsen und hat über ein Praktikum den Weg zu diesem Unternehmen gefunden. Er mag es, „mit vielen Menschen zusammen zu arbeiten“, freut sich über die große Produktvielfalt und vor allem über die Auswahl an Bio-Produkten. Was der Lebensmittelhandel generell ändern muss, um für Berufseinsteiger attraktiver zu werden? Öcalans Forderung: „Eine Perspektive bieten, und zwar eine langfristige. Man muss den jungen Menschen den richtigen Weg zeigen.“

Er fühlte sich bei Tegut von Beginn an gut aufgehoben, angefangen von der „guten Förderung“ von Frau Schulz, seiner ersten Ausbilderin, bis hin zu den Filialen, in denen er seine Praxisaufgaben absolviert, und betont, dass sein Arbeitgeber ihn „immer bestens“ auf Prüfungen vorbereite. Drei Jahre dauert das duale Studium zum staatlich geprüften Betriebswirt, dabei erhält er die Unterstützung vom Arbeitgeber: Zwei Monate Studium am privaten Bildungsunternehmen Jordan wechseln sich mit ebenso langen Praxisphasen ab.

Sein Ziel für die nächsten Jahre? Suat Öcalan will sich „persönlich weiterentwickeln“. Er nennt keine konkrete Stufe auf der Karriereleiter, strebt vielmehr „eine Position an, die mich und auch das Unternehmen weiterbringt, einen Job mit Verantwortung“. Er kann sich gut vorstellen, Nachwuchs auszubilden. Als aktiver Spieler trainiert er seit Jahren die Fußballjugend, von den Bambini bis zur A-Jugend. Mit der Arbeit kann er das gut koordinieren: „Das klappt zeitlich zwar nicht immer, aber oftmals.“

 Alexander Rinas, Aldi Süd in Bornheim

  • glänzende Noten
  • Filialleiter mit 22
  • Ausgleich im Fitnessstudio

ist ein ganz Schneller: Schon mit 22 Jahren hat er seine erste Filiale geleitet. Nach dem Fachabitur ist er mit 18 Jahren bei Aldi Süd eingestiegen, hat die Ausbildung mit der Note 1 bestanden und durfte zur Bestenehrung der IHK nach Köln. Dann bekam er sofort einen Vertrag, mit dem er als Filialvertretung in insgesamt acht Märkten eingesetzt war.

Ein halbes Jahr lang hat er Urlaubs- und Krankheitsvertretungen gemacht, „logisch, das waren lange Arbeitstage“, sagt er heute. Bald nutzte er die Chance, „seine“ erste Filiale zu übernehmen, zunächst kommissarisch, dann regulär. Seitdem wurde er immer weiter befördert, sprich: in eine umsatzstärkere Filiale versetzt. Mittlerweile führt er die dritte, im vergangenen Jahr durfte er seine erste Neueröffnung mitgestalten. Der ständige Wechsel – immer im Umkreis von maximal 30 km, sodass er die Wohnung beibehalten konnte – bringt Nachteile mit sich: „Ich musste ständig neue Teams bilden“, sagt Rinas, „es braucht Zeit und Geduld, ein gutes Gefüge zu bilden“. Und genau das liegt ihm, meint er selbst. „Es gelingt mir, alles in der Waage zu halten, dafür habe ich ein Händchen“, auch wenn täglich 20 verschiedene Anforderungen auf ihn einprasseln.

Sein Arbeitgeber hat ihn unterstützt, Rinas konnte Kurse der Aldi Süd Akademie besuchen, in denen Konfliktmanagement erlernt und Kritik- und Fördergespräche geübt werden. „Es ist entscheidend, Prioritäten zu setzen, sonst schafft man den Job nicht“, dieser Satz könnte von einem Mitfünfziger stammen. Rinas ist gerade erst 27 geworden, in seiner Freizeit geht er ins Fitnessstudio. Wo er sich in zehn Jahren sieht? „Auf jeden Fall bei Aldi Süd“ – das Unternehmen entwickelt sich seiner Meinung nach „spürbar weiter“. Er findet es wichtig, von der reinen Preisgestaltung wegzugehen und begrüßt, dass man verstärkt auf Dienstleistung, Kundenzufriedenheit und ein aufgeräumtes, immer sauberes Ladenbild setzt.

 Karina Witt, Marktkauf Ratzeburg

  • Saisonjob
  • JAP
  • Führungskraft Handel

stellvertretende Marktleiterin im Marktkauf in Ratzeburg, ist stolz darauf, eine „Power-Frau“ zu sein. Mit zwei weiteren Frauen leitet sie den Marktkauf, der von der Familie Süllau betrieben wird. Als Karina Witt mit Anfang 20 aus ihrer Heimatstadt Omsk in Sibirien nach Deutschland kam, hatte sie zunächst keine guten Karten. In Russland hatte die angehende Lehrerin studiert, hier aber wurde kein Abschluss anerkannt. Sie musste jobben, um sich durchzuschlagen und ist dabei – zufällig – auf den Handel gestoßen. Nach einer Sommersaison auf der Ostseeinsel Fischland-Darß-Zingst war ihr klar: „Handel ist das Richtige für mich.“ Sie bewarb sich um eine Ausbildung. Edeka-Kaufmann Hendrik Süllau, der gemeinsam mit der Familie heute vier Märkte vor den Toren Hamburgs betreibt, hat ihr Potenzial erkannt und sie während und auch nach der Ausbildung gefördert. Nach dem JAP (Juniorenaufstiegsprogramm) hat sie die Weiterbildung zur Führungskraft Handel durc hlaufen und im Januar 2015 erfolgreich abgeschlossen. Die heute 32-Jährige liebt es, neue Projekte umzusetzen, Verkostungen durchzuführen, Abteilungen zu vergrößern und für die Kunden möglichst attraktiv zu gestalten. Ihre Lieblingsabteilung ist Obst und Gemüse: „Hier kann ich kreativ sein und der Abteilung eine persönliche Note geben“, erklärt sie ihre Vorliebe. Was sie gut beherrscht? Organisieren. Was sie noch lernen muss? Sie zögert einen Moment und entgegnet dann: „Das Delegieren fällt mir manchmal noch schwer.“ Wenn sie eine Aufgabe sieht, greift sie zumeist ein und erledigt die Aufgabe schnell selbst. Dabei weiß sie genau, dass etwa ihre Azubis auch einmal Fehler machen dürfen. Das ist genau wie bei ihrer 9-jährigen Tochter: Man wächst an den Aufgaben.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Tom Dienewald, Kaufland in Cottbus
Bild öffnen Wassili Hofmann, Rewe Nieth in Wangen
Bild öffnen Alaa Kasto, Edeka Sanetra in München
Bild öffnen Simona Keinerknecht, Real Mülheim/Ruhr
Bild öffnen Mark Koenigsfeld, Metro St. Augustin
Bild öffnen Sonja Müller, Kaiser´s in Solingen
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Bild öffnen Alexander Rinas, Aldi Süd in Bornheim
Bild öffnen Karina Witt, Marktkauf Ratzburg