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Interview mit Georg Schindler „Das Upgrading auf dem Grill geht weiter“

Dieter Druck | 31. März 2015
Interview mit Georg Schindler: „Das Upgrading auf dem Grill geht weiter“

Grillen ist inzwischen bei allen Vertriebstypen im Lebensmittel-Einzelhandel ein großes Thema. Aber mit steigenden Kundenansprüchen steigen insbesondere für den Vollsortimenter die Chancen, sich abzuheben.

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Georg Schindler ist bei der Edeka Südwest in Offenburg Gesamtfachbereichsleiter Metzgerei / Käse / Fisch / Gaststätten und hat als solcher insbesondere die Frischetheken im Blick. Er weiß Trends rund um das Thema Grillen kunden-und praxisorientiert zu bewerten.

Herr Schindler, zum Einstieg ein kurzer Check Ihres aktuellen Griller-Status. Wann im Jahresverlauf grillen Sie?
Georg Schindler: Inzwischen ganzjährig, auch im Winter.

Was kommt auf den Grill, und wie wird der befeuert ?
Wir grillen mit Gas, das ist schnell und sauber. Das Grillgut wechselt mit der jeweiligen Saison. Im Sommer überwiegen die Klassiker wie Steaks und Bratwurstvarianten sowie Käse, Fisch und Geflügel. Im Winter eher ganze Braten von Rind oder Kalb sowie Schwein oder Geflügel.

Wie würden Sie sich selbst einstufen: Einsteiger, Fortgeschrittener oder Lifestyle-Griller?
Ich würde mich als klassischen Griller mit zunehmender Experimentierfreude beschreiben. Als gelernter Metzgermeister setze ich weniger auf Convenience, ich präferiere Eigenkreationen. Zuletzt im Winter war das beispielsweise eine Wildbratwurst, die ich zuhause hergestellt habe.

Das klingt schon gehoben. Gilt dies inzwischen auch für das Einkaufsverhalten an den Theken von Edeka Südwest?
Es ist für uns klar erkennbar, dass die Mengen- bzw. Preisorientierung zurückgeht. Ich spreche für den Vollsortimenter, um das noch einmal klarzustellen. Und bei uns werden immer mehr kleinere, dafür aber hochwertigere Stücke verkauft ebenso wie Fingerfood und Snacks, z. B. kleine Spieße mit Seafood.

Die viel zitierte Schweinebauchanzeige ist aber nach wie vor präsent in der Handelswerbung. Stimmt das etwa nicht?
Natürlich besitzt ein ’Super-Aktionspreis’ für viele Kunden unverändert eine hohe Impulskraft. Die Preisdenke ist noch in vielen Köpfen drin, weil man damit aufgewachsen ist. Aber trotz alledem setzen wir auf den Trend zum qualitätsorientierten Einkauf.

Was heißt das für die Thekenbestückung, wie muss ich als Händler reagieren, um eine entsprechende Kundenansprache zu erzielen?
Wir haben registriert, dass heute viele Kunden anstatt zwei Artikel, z. B Nackensteak und Bratwurst, bis zu zehn Artikel, teilweise noch mehr kaufen. Das bedienen wir mit einem breiten, vor allem mit Spezialitäten gespicktem Grillangebot. Gleichzeitig ist das ein wichtiges Differenzierungsmerkmal zum Discount. Das bedeutet nicht, dass wir die Sortimentsbasis vernachlässigen. Nur die Theke bietet den Rahmen für individuelle Beratung und damit die Basis für aktives Verkaufen auch von erklärungsbedürftigen Produkten wie beispielsweise Dry-aged-Beef

Aber nochmals, wie empfänglich ist der Kunde dafür?
Wir erkennen, dass viele Kunden – ich spreche nicht von der Mehrheit, aber einer steigenden Klientel – allein mit der Vorgabe ’Grillen’ und ohne weitere Einkaufsplanung in unsere Märkte kommen und sich vom Thekenangebot inspirieren lassen. Wenn sie als Händler gut sind, qualitativ überzeugen und die Produkte ins rechte Licht rücken, schwindet der Preiseinfluss. Kunden lassen sich überzeugen, dabei ist der Kontakt an der Theke essenziell.

Also der Premiumgriller ist heute das Maß – immer spezieller, immer individueller?
So kann man das ungefähr formulieren. Nehmen wir das Magazin ’Beef’. Zweifelsfrei wurde hier frühzeitig genau dieser Trend erkannt und bedient. Der Wunsch nach dem Besonderen, nach Individualität, wird bei uns inzwischen bis an die Theken herangetragen. Das ist, um es noch einmal zu betonen, nicht die Masse, aber es sind die Käufer, die die Meinungsführerschaft besitzen und Trends setzen können.

Inwieweit hat das Grillfeuer auf die anderen Frischetheken übergegriffen?
Käse und Fisch greifen das Thema heute gleichermaßen auf. Da ist das Thema Grillen schon lange keine Randerscheinung mehr. Hier stechen vor allem convenient aufbereite Produkte mehr und mehr hervor. Auch die Maultasche für den Grill zähle ich dazu. Und Sie sehen ja selbst, wie viele andere Warengruppen im Trocken- und Getränkesortiment heute den Bezug zum Grillen herstellen.

Damit einher geht eine Flut von Promotions und Zweitplatzierungen von großen Markenartiklern, die das Umfeld von Frischeangeboten suchen. Wie beurteilen Sie das Aktionsgeschäft?
Sicherlich kommt da alljährlich eine Flut auf uns zu. Starke Marken sind in der Regel gesetzt, dann nehmen wir auch nicht alles.

Welche Kriterien sind maßgebend?
Individuelle, maßgeschneiderte Promotions können uns überzeugen, weil wir uns damit abheben können. Auch ein guter thematischer Aufhänger, Authentizität, beispielsweise ’Originale’ aus den USA, Australien oder anderen Ländern mit BBQ-Background oder ein Produkt mit eigener Geschichte im Hintergrund sind gefragt.

Vegetarisch und vegan ist heute angesagt – auch beim Grillen?
Ich weiß nicht, ob man von vegan und vegetarisch sprechen soll. Wir reden eher über fleischlose Alternativen und beziehen damit eine größere Zielgruppe ein, die sich heute bewusster ernährt, ohne ideologischen Hintergrund. Auf alle Fälle ist das mehr als ein Trend, der sich noch stärker in unseren Theken und SB-Angeboten widerspiegeln wird. Den behalten wir im Auge.

Auch das Nonfood-Angebot? Welche Bedeutung ist dem beizumessen?
Ein unverzichtbares Angebot unter dem Thema Grillen. Vom Anzünder, über den Grill, Pappteller, Servietten bis zur Grillzange und dem Zahnstocher – alles das finden sie bei uns in flächenangepassten Angeboten. Ein Posten, der einfach dazu gehört und zusätzliche Erlöse verspricht.

Nichts ist schlimmer für einen Händler, als den Start in die Grillsaison zu verpennen. Wie ist man in Offenburg gerüstet?
In der Regel sind wir ab April einsatzbereit. Aber die Wetterkapriolen nehmen zu, und wir sind auch für einen Frühstart gerüstet, wobei wir verständlicherweise dabei nicht das volle Programm abspulen. Das erste sonnigen Wochenende kann uns nicht überraschen. Wir warten nur drauf.