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EuroCis Sieht aus wie gedruckt

Sonja Plachetta | 31. März 2015

Bisher konnten sich elektronische Regaletiketten im deutschen LEH nicht durchsetzen. Dank weiterentwickelter Technologie steigt das Interesse der Händler an der digitalen Preisauszeichnung nun jedoch.

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Im deutschen LEH fristeten elektronische Regaletiketten – nach der englischen Bezeichnung Electronic Shelf Label kurz ESL genannt – bisher eher ein Schattendasein. Nur 13 Prozent der FMCG-Händler setzen laut der aktuellen EHI-Studie „IT-Trends im Handel“ die digitale Preisauszeichnung bisher ein. Allerdings ist darüber hinaus bei der Hälfte der befragten Händler ESL inzwischen durchaus ein Thema: Bei 10 Prozent ist ein ESL-Einsatz in Planung, 40 Prozent haben ESL unter Beobachtung. Bestes Beispiel: Rewe hat angekündigt, künftig in allen neuen Filialen auf elektronische Preisschilder umzurüsten. Die verbesserte Darstellung und geringere Preise sind laut Ulrich Spaan, Mitglied der Geschäftsführung beim EHI, ausschlaggebend dafür, dass ESL in Deutschland an Fahrt gewonnen hat. Bei der Handelstechnologiemesse EuroCis in Düsseldorf präsentierten die Anbieter statt der bislang üblichen LCD-Etiketten durchgängig E-Paper-Etiketten, die außer Schwarz und Weiß auch die Darstellung in Rot ermöglichen. „Ihre Qualität ist fast so gut wie Papier“, sagt Dion Broeken von Displaydata. Sie seien flackerfrei und gestochen scharf. Christian Schallenberg von Lancom Systems ergänzt: „Den Kunden fällt oft gar nicht mehr auf, dass es sich um ESL handelt.“ Das sieht er als Vorteil, denn zahlreiche Verbraucher hätten Vorbehalte gegenüber ESL, weil sie befürchteten, dass mit den Preisen getrickst werde.

Tatsächlich wird es mit ESL „einfacher, Preiselastizitäten zu testen“, sagt Schallenberg. Händler können in Echtzeit auf Nachfrageschwankungen reagieren und die Preise anpassen. Solche Preisoptimierungen erhöhen nicht nur die Marge, sondern sind gerade in Zeiten wachsender Online-Konkurrenz von Bedeutung. Es ist sogar möglich, personalisierte Preisanpassungen vorzunehmen. So stellte Displaydata bei der EuroCis z. B. ein funkgesteuertes digitales Regaletikettensystem vor, das über einen in der Hardware integrierten BLE-Beacon verfügt, worüber gezielt Informationen direkt an den Kunden übermittelt werden können. Lancom Systems integriert drei Funktechnologien in einem Gerät. Die sogenannten Access Points unterstützen neben klassischem WLAN auch ESL und iBeacons. Durch diese zentrale Bündelung müssen die Preisschilder zur Datenübertragung nicht mehrfach angefunkt werden. Auf diese Weise kann laut Schallenberg die Lebensdauer der ESL 5 bis 7 Jahre erreichen, während die Batterien bei Preisschildern, die mehrfach angefunkt werden, bereits nach 2 bis 3 Jahren leer seien.

Pricer wählt einen anderen Weg für die drahtlose Kommunikation zwischen Kassensystem, ESL und Filialserver: die Infrarot-Datenübertragung. Als Neuheit stellte das Unternehmen SmartFlash vor. Dieses System verbindet In-Store-Geolokalisierung mit kabellosen Lichtsignalen für ESL. Bei Mitarbeiter- oder Kundenanfragen beginnt es auf Befehl zu blinken und soll so die Effizienz von Mitarbeitern steigern und das Einkaufserlebnis verbessern.

Für Volker Wissmann von Online Software ist klar: „Die Zeit für ESL ist reif. Das wird in diesem Jahr eines der großen Themen.“ Das Unternehmen ermöglicht durch eine neue Schnittstelle die Integration von ESL verschiedener Anbieter in ein zentrales PoS-Werbesystem.

Auch der Ladenbau nimmt sich des Trendthemas an. So integriert Umdasch Shopfitting die digitale Preisauszeichnung in seine Standardregalsysteme. Damit die Technik nicht wie ein Fremdkörper wirkt, wurde eine Schiene entwickelt. Die Schilder können individuell eingesteckt werden, sind dann fix positioniert, und das Facing ist durchgängig geschlossen.