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Interview mit Globus Scupin Die Großfläche vor neuen Herausforderungen

Reiner Mihr | 17. Oktober 2014

Der neue Globus-Sprecher Johannes Scupin über wichtige Zukunftsaufgaben, die Vorteile eines handwerks-orientierten Konzepts auf der Großfläche und den vermutliche zentralen Erfolgsfaktor im Unternehmen: Dem Menschenbild.

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Seit 1. Juli 2014 hat die Globus SB-Warenhaus Holding eine neu aufgestellte Geschäftsführung. Thomas Bruch, geschäftsführender Gesellschafter, konzentriert sich auf die Geschäftsführung der Holding, er wird sich künftig noch intensiver der Entwicklung der Unternehmenskultur, der Beziehungen zur Öffentlichkeit sowie dem Auslandsgeschäftes annehmen. Die Sprecherrolle hat nun Johannes Scupin inne. Scupin, 56, gehört seit 2002 der Geschäftsführung an.

LEBENSMITTEL PRAXIS: Herr Scupin, Sie sind bereits 12 Jahre Geschäftsführer bei Globus und jetzt Sprecher der Geschäftsführung. Was wird anders?
Scupin: Es erschien uns sinnvoll, die Aufgaben deutlicher aufzuteilen. Thomas Bruch wird sich künftig verstärkt auf übergreifende Aufgaben konzentrieren, während ich mich intensiver als bisher um die Koordination des Großflächengeschäfts in Deutschland kümmern werde.

Was heißt das konkret für Sie?
Es ist ein Grundsatz aus meiner Erfahrung im Handel: Einkauf und Vertrieb müssen gleichberechtigt im Unternehmen agieren; keiner darf dominieren. Das wird auch in meiner Person deutlich und dafür stehe ich.


Wo sehen Sie aktuell die wichtigsten Aufgaben für sich und für das Unternehmen?
Für mich sind die gute Zusammenarbeit, das Miteinander im Unternehmen und die Förderung der Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft wichtige Aufgaben. Operativ sind die Aufgaben definiert: Digitale Welt und Multichannel, Kommunikation mit Kunden, Sortiments-Weiterentwicklung sowie Mitarbeiter-Themen wie die Eigenverantwortung. Basis für jede Entwicklung auf diesen Feldern ist eine exzellente Leistung für den Kunden auf der Verkaufsfläche.

Das Globus-Konzept ist handwerks-orientiert, also personalaufwändig. Ist Ihr Kunde bereit, dafür einen Mehrpreis zu zahlen?
Das muss er nicht, denn es gibt für den Kunden keinen Mehrpreis. Natürlich sind Handwerk und Frische kostenintensiv – aber andere Vertriebsformen haben die Kosten in der Vorstufe. Entscheidend für den Wettbewerb ist, dass unser Konzept, besonders der Faktor Regionalität, von den Kunden geschätzt und gerne angenommen wird.

Ohne ausreichend und gutes Personal kann Globus weder die Herstellung der Ware noch den Verkauf stemmen. Haben Sie Sorgen, dass Ihnen in diesem Bereich das Personal ausgeht?
Wir wissen, dass Handwerksberufe immer weniger nachgefragt werden. Deshalb sind wir froh, dass wir unsere Metzger- und Bäckermeister immer noch aus den eigenen Reihen rekrutieren können. Uns hilft auch, dass Globus als Arbeitgeber einen guten Ruf hat. In Zukunft muss es verstärkt darum gehen, wie wir die Rahmenbedingungen noch optimieren können. Der zentrale Faktor ist das Menschenbild im Unternehmen, also der gegenseitige Respekt und das Wie des „Miteinander-Umgehens“. Daraus entwickeln sich dann die konkreten Rahmenbedingungen: Arbeitsklima, Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, faire Entlohnung.

Reichen die heutigen Rahmenbedingungen auch für die Zukunft?
Ein großes Thema wird in Zukunft die Arbeitszeit-Autonomie werden. Dabei geht es um Mitgestaltungsmöglichkeiten und Autonomie für Mitarbeiter mit viel Eigenverantwortung. Zwei weitere unverzichtbare Punkte sind die Qualifizierung und Weiterbildung. Wir intensivieren zum Beispiel die Weiterbildung zum Sommeliére in den Bereichen Wein und Käse und forcieren die Drogistenausbildung.