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»Globus hat erkannt, dass es für ein Handelsunternehmen nicht einfach ist, mit der rasanten Entwicklung neuer Technologien Schritt zu halten. Deshalb wurde in Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) bereits 2007 das Innovative Retail Laboratory (IRL) gegründet, das in der Globus-Zentrale in St. Wendel untergebracht ist. Dort werden innovative Ideen für den Handel getestet. Zentrale Themen sind derzeit laut IRL-Leiter Gerrit Kahl die personalisierte Interaktion sowie Einkaufsassistenz für Kunden (siehe Beispiele auf den nächsten Seiten). Aktuell werde etwa ein Color-Berater für Haarcolorationen entworfen, der im nächsten Jahr vorgestellt werden soll.Globus-Geschäftsführer Thomas Bruch ist überzeugt: „Das IRL erzielt mit seinen Forschungsobjekten einen klaren Nutzen für unsere Kunden.“ Das im IRL entwickelte Assistenzsystem „Artikelfinder“, von dem testweise schon die zweite Generation im Einsatz ist, sei z. B. nicht nur ein guter Kundenservice, sondern bringe Globus auch in der Differenzierung zum Wettbewerb weiter.
Mobile Produktlupe als Hilfe für Allergiker
Für Verbraucher, die auf eine besondere Ernährungsform achten müssen oder wollen, hat das IRL eine App entwickelt, in der jeder individuell festlegen kann, welche Inhaltsstoffe für ihn ungeeignet sind. Hat er dies getan, kann der Kunde die App, die als mobile Produktlupe fungiert, direkt am Regal aktivieren. Sobald die Smartphone-Kamera den fraglichen Artikel erkannt hat, zeigt die App an, ob das Produkt geeignet ist. Ist dies der Fall (grüner Haken), kann der Kunde sein Handy näher an das Produkt heranführen und bekommt dann ein Bild gezeigt, wie das Produkt ohne Verpackung aussieht. Ist es ungeeignet(rotes Kreuz), bekommt er angezeigt, weswegen (z. B. „könnte Nüsse enthalten“).
Wagen organisiert Navigation und Einkaufsliste
Vielseitige Funktionen hat der intelligente Einkaufswagen „SmartCart“, der über ein Display mit Touchscreen, einen Fingerabdruckleser und eine Schnittstelle zum Bezahlen per NFC (Near Field Communication) verfügt sowie mit RFID-Antennen ausgestattet ist. Per Fingerabdruck kann sich der Kunde registrieren und so seine zu Hause, z. B. am intelligenten Kühlschrank (siehe S. 18/19), erstellte Einkaufsliste aufrufen. Der Wagen verfügt über eine aktive Navigation (leitet den Kunden von Produkt zu Produkt auf der Liste) und eine passive (Erinnerungsfunktion, was noch auf der Liste steht, ohne Weg vorzugeben). Der Kunde kann auch gezielt ein Produkt anklicken, zu dem er als nächstes navigiert werden will. Denkbar ist, Zusatzhinweise einzubauen, z. B. „Das sind die neuen Müsli-Sorten“, wenn der Kunde am Müsli-Regal vorbeifährt.
Hat ein Kunde ein Produkt in den Wagen gelegt, erkennt dieser es und streicht es von der Einkaufsliste, sodass stets klar erkennbar ist, was noch eingekauft werden muss.
Voraussetzung für dieses System ist, dass alle Produkte mit einem RFID-Chip versehen sind. Derzeit ist diese Technologie für Supermärkte allerdings noch sehr teuer.
Optimale Vergleichbarkei dank des Produkt-Beraters
Auch der Produkt-Berater basiert auf der RFID-Technologie. Sobald beispielsweise ein Müsli aus dem Regal genommen wird, werden auf dem Monitor verschiedene Produktinformationen angezeigt. Nimmt man ein zweites oder drittes Müsli in die Hand, erscheinen auf dem Monitor alle relevanten Informationen zu den einzelnen Artikeln nebeneinander. Dadurch kann der Kunde optimal vergleichen und die beste Wahl treffen. Die Anzeige erlischt, sobald die Produkte in den Einkaufswagen oder zurück ins Regal gestellt worden sind.
Freunden Botschaften per Keks zukommen lassen
Produkte entwickelt das IRL nicht, stellt aber u. a. diese Idee vor, die das
Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kooperation mit der Juchem Gruppe auf den Markt gebracht hat. Kunden können eine Backmischung für Cookies kaufen, in die eine Oblate mit QR-Code eingebacken wird. Der Bäcker kann individuell festlegen, auf welche Webseite der Code führt. So kann er Freunden z. B. eine Einladung oder eine Danksagung zukommen lassen. Inzwischen gibt es auch Glücks-Qkies, die moderne Variante des Glückskekses.
Regallücken werden sofort erkannt
Mit dem Regal „FibreShelf“ bleibt „Out of Stock“ nicht mehr unentdeckt. Das funktioniert mittels eines speziellen Regalbodens, in den Glasfaserkabel integriert sind. Diese senden mithilfe einer unterhalb des Regals angebrachten
Kamera durchgehend Signale. So wird permanent abgeglichen, ob die Artikel noch an der für sie vorgesehenen Stelle stehen. Ist dies
nicht der Fall, wird dem Mitarbeiter auf seinem Überwachungsdisplay „Empty“ (leer) angezeigt. Wurde ein falscher Artikel ins Regal gestellt, erhält er den Hinweis „Wrong“ (falsch).
Obstkiste „steuert“ die Warenauszeichnung
Zusatzinformationen werden auch bei Obst und Gemüse stärker nachgefragt.
Die Obstkisten mit eingebautem RFID-Chip erleichtern den Mitarbeitern die Auszeichnung. Auf den Chips sind Informationen zu Sorte, Herkunft, Handelsklasse, Preis sowie weitere Hinweise zum Umgang mit der Ware gespeichert. Diese werden automatisch auf dem Display an der Obstkiste eingeblendet, sobald der Mitarbeiter eine neue Kiste auf der Schnittstelle platziert hat. So bleiben die Angaben des „digital Signage“ auch bei häufigem Warenwechsel stets aktuell.
Software errechnet ideale Regalgestaltung
Wie ein Händler den Profit eines Regals optimieren kann, dafür hat das IRL einen Algorithmus entwickelt. Es wird z. B. errechnet, wie sich der Absatz von Marke A entwickeln würde, wenn Marke B ausgelistet würde, wie viele Facings nötig sind, um den optimalen Abverkauf zu erreichen oder wie Produkte beim Kunden ankommen, je nachdem, wie sie nebeneinander platziert sind. Zudem eine Hilfe für die Mitarbeiter: Die Software der„Space Planning“-Applikation bereitet
dreidimensional auf, wie ein Regal am besten aussehen sollte.
RFID-Schleuse erleichtert Bezahlvorgang
Bezahlen, ohne die Ware aufs Kassenband zu legen, das geht: Die Kunden fahren den Wagen in die RFIDSchleuse, wo alle Produkte automatisch erkannt werden. Dann kann der Kunde bargeldlos bezahlen, etwa mit einem mobilen Gerät mit NFC-Technologie (z. B. Smartphone oder Autoschlüssel) oder per Fingerabdruck. Der Bezahlvorgang ist zügig abgeschlossen. Zusatzfunktion: Der gekaufte Artikel wird gespeichert. Will ihn ein Kunde umtauschen, kann der Händler erkennen, ob das Produkt wirklich bei ihm gekauft wurde.
Kunde muss nur noch auf ein Produkt zeigen
Normalerweise ist nicht immer ersichtlich, welche Wurst aus der Theke der Kunde wirklich kaufen will. Im IRL schon. Eine Tiefensensorkamera über der Theke erkennt, auf welche Wurstsorte der Kunde zeigt. Die Nachfrage, welche Wurst genau er meint, entfällt. Das Beratungsgespräch kann sofort beginnen. Hat die Kamera die Wurst identifiziert, wird die Information übertragen auf die beiden Waagen-Displays. Der Kunde sieht den Preis sowie einige Produktinformationen, der Verkäufer bekommt zudem Hintergrundwissen angezeigt, um den Kunden noch besser beraten zu können.
Kühlschrank kommuniziert mit dem Supermarkt
Der intelligente Kühlschrank zeigt nicht nur an, welche Produkte darin falsch gelagert
oder kurz vor Ende des MHD sind. Auch der zurückgelegte Lieferweg und der Temperaturverlauf kann angezeigt werden, alles mittels RFID. Zudem kann jeder Benutzer auf dem Touchscreen ein Profil anlegen und wird dann gewarnt, wenn er ein Produkt entnimmt,
das für ihn ungeeignet ist. Am Bildschirm können Einkaufslisten erstellt werden, die der Einkaufswagen im Supermarkt, Registrierung vorausgesetzt, erkennt. Sogar während des Einkaufs aktualisiert sich die Liste, sollte jemand zu Hause noch Artikel hinzufügen.
Der Kühlschrank durchsucht auch Werbeprospekte nach passenden Angeboten.
