Anzeige

Interview mit Dr. Susanne Eichholz-Klein Frisch und emotional

Susanne Klopsch | 18. August 2014

Der weitere Ausbau der Backstationen im Handel muss nicht auf Kosten der Bäcker in der Vorkassenzone gehen. Davon ist Dr. Susanne Eichholz-Klein, Bereichsleiterin bei der IFH Retail Consultants GmbH in Köln, überzeugt.

Anzeige

Im „Branchenreport Backwarenmarkt und Bäckerhandwerk 2020“ prognostizieren Sie eine Marktsättigung durch die im Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) nahezu flächendeckend vertretenen Backstationen im Jahr 2015: Hat sich an dieser Einschätzung etwas geändert?
Susanne Eichholz-Klein: Wir gehen derzeit von einem weiteren Wachstum der Backstationen aus, da diese gerade ihre Sortimente ausweiten und zudem nach wie vor noch nicht alle Filialen mit Backstationen ausgerüstet sind.

Was kann für die belebenden Impulse sorgen?
Belebende Impulse in der Backstation sind vor allem durch Sortimentsausweitung (Klein- und Feinbackwaren), Emotionalisierung (sichtbare Öfen und Vorprodukte, Inszenierung der Produkte, Frühstückswelten), Herausstellung des Frischeaspektes und Marketing by Duft erzielt werden.

Der LEH investiert schon seit einiger Zeit verstärkt in Gastro-Konzepte und die Modernisierung seiner Vorkassenzonen-Bäcker (mehr Bewirtung, hochwertiges Angebot, Snack-Konzepte): Ist das aus Ihrer Sicht das richtige Konzept für einen langfristigen Markterfolg?
Mit solchen Konzepten betreibt der LEH Uptrading und impliziert, dass sich die Bäckereien der Vorkassenzone im Sortiment deutlich von den Discountern bzw. deren Backstationen abheben und einen stärkeren Fokus auf regionale Brotsorten und Kleinbackwaren, auf Biosortimente und besondere Feinbackwaren legen. Bislang haben die Bäckereien in der Vorkassenzone eher von der Frequenz des LEH profitiert, der neue Ansatz geht eher von einer gegenseitig wirkenden Attraktivitäts- und Frequenzverstärkung aus. Eine funktionierende Vorkassenzone schafft auch für den LEH-Betreiber zusätzliche Frequenz und führt dann für den Bäckereibetreiber und den LEH zu einer Win-win-Situation.

Wie wird sich die Stärkung der Vorkassenzonen-Bäcker auf das Sortiment im Markt selbst auswirken (SB-Regal, Backstation)?
Das Sortiment im Laden wird sich auf die Standardprodukte konzentrieren.

Der demografische Wandel führt u. a. dazu, dass die Zahl der Kleinhaushalte steigt: Wie kann der LEH das bei Brot und Backwaren hierzulande für sich nutzen?
Da sich das Verzehr- und Einkaufsverhalten der Verbraucher in den vergangenen Jahren stark in Richtung Snack/ Sofortverzehr geändert hat, bedient der LEH ohnehin auch die Zielgruppe der Kleinhaushalte. Bei Backwaren bedeutet dies, dass der LEH sein Angebot Richtung Kleinbackwaren weiter ausweitet und auch kleinere Brote anbietet.