Rewe West Spanisches Temperament an deutsche Theken! - Friedhelm Scholz

Pilotprojekt der Rewe West: Zwölf junge Spanier wollen im Herbst eine Ausbildung in Köln und Düsseldorf starten.

Freitag, 16. Mai 2014 - Management
Heidrun Mittler
Artikelbild Spanisches Temperament an deutsche Theken! -  Friedhelm Scholz
Bildquelle: Eilers

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Doch ganz gleich, wer den Unterricht bezahlt – Friedhelm Scholz ist sich bewusst, dass Beraten am Fleisch- oder Käsetresen in erster Linie über die Sprache geht. Doch er setzt auch auf die Ausstrahlung der jungen Leute: „Sie reden mit dem ganzen Körper, haben viel Temperament und bringen südländisches Flair an unsere Theken.“

Zurzeit schnüren die Personalentwickler aus Hürth ein Gesamtpaket für die Pioniere: Wo werden sie eingesetzt, wo wohnen sie, wer betreut sie? Die Praktika in den Märkten „laufen sicher problemlos“, ist sich Scholz sicher – man setzt auf Filialen in und um Köln und Düsseldorf. Dabei schaut man zum einen auf bewährte Ausbilder, aber ebenso auf Mitarbeiter, die Spanisch sprechen. Schwieriger dürfte es mit den übrigen Punkten werden. „Wir sind uns im Klaren, welche große Verantwortung wir für die jungen Menschen übernehmen“, sagt der Leiter der Personalentwicklung.

Scholz sucht Rewe-Mitarbeiter, die als Mentoren für die Pioniere tätig werden. Dabei baut er unter anderem auf das „ Generationen-Netzwerk“ der Rewe, in dem engagierte Ehemalige zusammengeschlossen sind. Die Mentoren helfen bei der Integration, etwa der Wohnungssuche, unterstützen bei Behördengängen und helfen, die Freizeit sinnvoll zu gestalten. Schon jetzt haben sich zudem einige Nachwuchsführungskräfte bereit erklärt, die Neuen unter die Fittiche zu nehmen. „Wir haben sicher noch nicht jeden Gedanken zu Ende gebracht“, meint Scholz, aber man befinde sich auf einem guten Weg.

Natürlich machen sich die Personalentwickler Gedanken über die Frage, wie nachhaltig ihr Engagement ist . Klar hoffen sie darauf, dass die jungen Spanier bei der Rewe bleiben. Falls sie direkt nach der Ausbildung wieder in ihre Heimat zurückkehren, dann „ist das zwar für die jungen Menschen ein Weg, aber dann leider kein gemeinsamer mit uns“. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass es auch mit einer guten Ausbildung immer noch sehr schwierig ist, in Spanien eine unbefristete Arbeit zu bekommen. „Die Bewerber, mit denen wir gesprochen haben, haben so viele Negativ-Erlebnisse geschildert“, weiß Tim König zu berichten. „Sie konnten kaum glauben, dass sie in Deutschland während der Ausbildung bezahlt werden. Geschweige denn, dass wir bei der Rewe eine Übernahmegarantie bei gutem Abschluss geben.“

Auch Teamleiter Scholz ist überzeugt, dass sich die zwölf Einsteiger ausrechnen, „in Deutschland etwas aufzubauen und ihr Glück hier zu versuchen“. In Hürth jedenfalls ist man schon gespannt auf die Neuen: „Wir freuen uns darauf, dass zwölf junge Menschen aus Spanien kommen – das wird eine Win-Win-Situation für beide Seiten.“

Die rheinische Mentalität und Lebensart wird den spanischen Azubis den Start in Deutschland erleichtern, hoffen Friedhelm Scholz (oben) und Tim König.

Auf einen Blick: Rewe West

Mit einem Umsatz von 16,4 Mrd. Euro im Jahr 2013, mehr als 90.000 Mitarbeitern und weit über 3.000 Rewe-Märkten gehört die Rewe Markt GmbH zu den führenden Unternehmen im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Die Rewe Region West ist eine von sechs Regionen der Rewe Markt GmbH und ein bedeutender Nahversorger in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Insgesamt engagieren sich 17.000 Mitarbeiter in dieser Region für die Supermärkte, rund 1.000 junge Menschen absolvieren in den Märkten oder der Verwaltung derzeit ihre Ausbildung. Der Hauptsitz der Rewe West liegt in Hürth. Von den Lagerstandorten Köln-Langel und Koblenz aus werden täglich ungefähr 580 Rewe- und Nahkauf-Märkte sowie außerdem Sonderkunden beliefert.

Das Team der Personalentwicklung ist beim Branchenwettbewerb „Ausbilder des Jahres“ bereits zweimal ausgezeichnet worden. Im vergangenen Jahr ging der Kreativ-Cup nach Hürth, prämiert wurde die „1. FC Köln Azubi Elf“. Jugendliche, die zuvor schwer vermittelbar waren, bekamen eine neue Chance und besonders intensive Betreuung, um den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen.