Warenverkaufskunde Club-Äpfel

Ob Pink Lady, Jazz, Kanzi oder Red Prince: Club-Äpfel sorgen seit vielen Jahren für Impulse in der Obstabteilung. Was hat es damit auf sich?

Freitag, 25. Februar 2022 - Warenkunden
Hedda Thielking
Artikelbild Club-Äpfel
Bildquelle: BVEO, Fresh Forward, Crimson Snow®, Swing®, Red Apple Germany GmbH, Deutsches Obst-Sorten Konsortium GmbH

Dass Club-Äpfel eine Sonderstellung genießen, ist nicht von der Hand zu weisen: Sie kommen als sorten- und markengeschützte Premiumäpfel in den Handel und werden professionell vermarktet. Die wohl bekannteste und älteste Club-Sorte ist Pink Lady. Sie gilt gewissermaßen weltweit als Markenprodukt. Im Lauf der Jahre sind viele weitere Club-Sorten hinzugekommen. Ein paar neuere Sorten stellen wir hier kurz vor.

  • Crimson Snow
    Eine intensiv purpurrote Schale (engl. crimson = purpur) und weißes Fruchtfleisch (englisch snow = Schnee), das zeichnet Crimson Snow aus. Der Apfel ist knackig, saftig und hat einen süßsauren Geschmack. Er soll bis zwölf Monate lagerfähig sein und sich deshalb auch für die Vermarktung in der zweiten Saisonhälfte eignen, wenn weniger rotschalige Sorten verfügbar sind. Zudem ist der Apfel wenig anfällig für Druckstellen, was das Handling erleichtern soll. Crimson Snow wird vor allem in Südtirol angebaut. Erntezeit ist Ende Oktober.
  • Fräulein
    Fräulein ist aus einer natürlichen Kreuzung in der Hildesheimer Börde hervorgegangen, man spricht hier von einem Zufallssämling. Der Apfel ist besonders saftig, er hat eine knackig-krispe Konsistenz mit einem ausgewogenen Süße-Säure-Verhältnis und sehr guten Lagereigenschaften. Angebaut wird er zurzeit in Deutschland vom Bodensee bis zum Alten Land und von Sachsen über Mittelbaden bis zum Rheinland. Erntezeit ist im Oktober, im Handel ist er bis April. Er kann auch für Salate, zum Kochen und Backen verwendet werden.
  • Kissabel Rouge
    Kissabel steht für drei rotfleischige Apfelsorten mit unterschiedlichen Farbausprägungen. Es gibt Varian-ten mit roter, gelber und orange-farbener Fruchtschale und zartrosa bis tiefrotem Fruchtfleisch. Kissabel Rouge hat eine rote Schale, kräftig rot gefärbtes Fruchtfleisch und ein Beerenaroma. Die Farbe beruht auf der natürlichen Kreuzung von heutigen Apfelsorten mit Wildäpfeln. In Deutschland wird Kissabel im Alten Land und am Bodensee angebaut und ist zwischen Oktober und Dezember im Handel erhältlich. Der Apfel macht in Salaten, Kuchen und gekochten Speisen auch optisch etwas her.
  • Magic Star
    Magic Star ist der Markenname für die Sorte SQ159 aus konventionellem Anbau. Dafür wurde die Sorte Elise mit einer schorfresistenten Selektion gekreuzt. Erntezeit ist von Mitte Oktober bis Anfang November. Der rot bis dunkelrot gefärbte Apfel ist knackig im Biss und schmeckt saftig-süß. Magic Star wird in Deutschland exklusiv für Edeka produziert und in den Edeka-Regionen unter den jeweiligen Regionalmarken angeboten. Aufgrund der sehr guten Lagereigenschaften lässt sich mit Magic Star die Verkaufssaison für heimische Äpfel verlängern.
  • Natyra
    Natyra ist die Bio-Variante von Magic Star und ist ausschließlich im Biomarkt bzw. Biosektor erhältlich. Er verfügt über die gleichen Eigenschaften wie Magic Star.
  • Rockit
    Mit einem Durchmesser von 45 bis 60 Millimeter kommt Rockit als Mini- beziehungsweise Snackapfel in den Handel. Sein Kerngehäuse ist so klein, dass es mitgegessen werden kann. So ist der Apfel auch praktisch für unterwegs. Rockit hat eine hellgelbe Grundfarbe mit rot- bis dunkelroter Deckfarbe. Es handelt sich um eine besonders saftig-süße, knackige Sorte mit sehr guten Lagereigenschaften. Hierzulande wird Rockit derzeit im Alten Land, am Bodensee und in der Neckar-Region angebaut. Er ist von Ende Oktober bis Anfang September des Folgejahres verfügbar.
  • SweeTango
    SweeTango ist eine natürliche Kreuzung der beiden Apfelsorten Honeycrisp und Zestar. Seine Fruchtschale ist rubinrot gefärbt, das Fruchtfleisch hat einen sehr knackig-frischen Biss. Produziert wird der Apfel in Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz und Spanien. In Deutschland wird die Apfelsorte von Mitte August bis Anfang September in den Anbaugebieten zwischen Niederelbe und Bodensee geerntet. Aufgrund der kurzen Erntephase ist der SweeTango immer nur kurze Zeit bis Ende November im Handel. Er schmeckt pur und eignet sich auch zum Kochen und Backen.
  • Swing Xeleven
    Swing Xeleven hat eine feste Struktur und ist besonders knackig und saftig. Er verfügt über ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker und Säure. Die Frucht ist leuchtend rot mit hohem Farbanteil und sichtbaren Punkten. Angebaut wird dieser Markenapfel zum Beispiel in Deutschland (Bodensee), Österreich, Schweiz, Frankreich, Kroatien und Australien. Die Ernte von Swing Xeleven erfolgt von Ende Oktober bis Anfang November.

Doch was sind eigentlich Club-Sorten?
Während Apfelproduzenten „alte“ Apfelsorten nach eigenem Ermessen anbauen können, stammen neue Sorten häufig aus privat finanzierten Züchtungsprogrammen. Züchter wollen in der Regel Apfelsorten entdecken beziehungsweise züchten, deren Eigenschaften für Apfelerzeuger, Vermarkter und Verbraucher interessant sind. So wünschen Produzenten Sorten, die beispielsweise robust gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sind und sich gut lagern lassen. Händler möchten nicht nur eine Sortimentsvielfalt bieten, sondern auch erntefrische Äpfel über einen langen Zeitraum vermarkten, was mit frühen und späten Sorten gelingen kann. Und Verbraucher achten auf sensorische Eigenschaften des Apfels ebenso wie die Herkunft, Convenience-Aspekte (Snackapfel) oder Verwendungsmöglichkeiten. Kurzum: Neue Apfelsorten sollen Produzenten, Händlern und Verbrauchern einen Mehrwert bieten. Und nicht zuletzt wollen Erzeuger und Vermarkter damit auch Geld verdienen.

Das Züchten einer neuen Sorte ist ein langwieriges Unterfangen. Es dauert meistens zehn bis 15 Jahre, bis eine neue Sorte mit Marktpotenzial gefunden wird. Diese benötigt für eine erfolgversprechende Vermarktung einen einprägsamen geschützten Markennamen. Anschließend stellt der Inhaber dieser Marken- und Sortenrechte den Apfelbauern und ihren Erzeugerorganisationen den neuen Apfel vor. Sind sie von dem Produkt überzeugt, schließen sie mit dem Inhaber der Sorten- und Markenrechte einen kostenpflichtigen Lizenzvertrag. Weitere Jahre vergehen, bis die jungen Apfelbäume Früchte tragen.

Die Organisationen und Anbaugebiete, die an dieser Entwicklung beteiligt sind und für die Verbreitung der Apfelsorte sorgen, arbeiten also in vertraglichen Strukturen – einem Club – zusammen. Deshalb spricht man bei deren Apfelsorten von Club-Sorten. Neue Club-Sorten werden meist in mehreren Anbaugebieten angebaut, oft deutschlandweit, teilweise auch auf mehreren Kontinenten. Direktvermarkter dürfen diese Sorten – bis auf ein paar Ausnahmen – in der Regel nicht anbauen.

For Members only: die Exklusivität ist garantiert
Die Lizenznehmer sind an bestimmte Bedingungen gebunden: Sie verpflichten sich beispielsweise, dass sie nur eine vorgeschriebene Menge dieser Apfelsorte anbauen. Dadurch soll eine gewisse Exklusivität des Apfels gewährleistet sein. Die Produktions-, Qualitäts-, Verpackungs- und Vermarktungskriterien sind ebenfalls festgelegt. Zudem erhält der Lizenzinhaber einen bestimmten Anteil der Verkaufserlöse.

Mit der Lizenzgebühr finanziert der Club die Forschung und Entwicklung, stellt den Apfelproduzenten das Verpackungsmaterial zur Verfügung und kümmert sich um das einheitliche Marketing für die Marke über alle Vertriebsorganisationen hinweg. Um die Sorte bekannt zu machen, werden Club-Äpfel beispielsweise mit ihrer „Geschichte“ auf einer eigenen Internetseite vorgestellt, entsprechende Werbematerialien entwickelt und Verkaufsförderungsaktionen durchgeführt.

Ob rot- oder grünschalig, groß oder klein, regional oder international, süßlich oder säuerlich, ob zum Reinbeißen oder zum Backen, durch eine geschickte Sortimentsgestaltung von Club-Äpfeln und klassischen Sorten können Händler auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse eingehen.

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Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e. V. für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.

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