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Warenverkaufskunde Milchnahrung für Säuglinge

Hedda Thielking | 18. April 2017

Milchnahrung für Säuglinge ist ein beratungsintensives Sortiment. Mitarbeiter in LEH und Drogeriemärkten sollten mit den wichtigsten Produktgruppen und deren Besonderheiten vertraut sein.

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Zu den Anfangsnahrungen zählen die Säuglingsmilchnahrungen mit den Bezeichnungen Pre und 1.

  • Pre-Nahrungen enthalten wie Muttermilch als einziges verdauliches Kohlenhydrat Laktose (Milchzucker). Sie sind daher ähnlich dünnflüssig wie Muttermilch.
  • 1-er Nahrungen enthalten neben Laktose Stärke oder andere Kohlenhydrate (z. B. Maltose oder Malto-dextrin). Dadurch wird die Nahrung etwas sämiger und sättigender. Sie ist kalorisch aber gleich oder fast gleich. Pre- und 1-Nahrungen können von Geburt an während des gesamten 1. Lebensjahres nach Bedarf gefüttert werden.

Folgenahrungen
Diese Säuglingsnahrung gibt es in den Stufen 2 und 3 im Handel. Folgenahrungen enthalten außer Milchzucker (Laktose) zusätzlich Stärke und andere Kohlenhydrate. In der Regel weisen sie auch einen höheren Eisengehalt als Anfangsnahrung auf.

  • Folgenahrungen 2 sind Milchnahrungen, die in ihrer Zusammensetzung auf das Beikostalter abgestimmt sind. Sie sollten frühestens ab dem 7. Lebensmonat im Rahmen einer gemischten Ernährung mit Beikost gefüttert werden. Sie können bei Bedarf gefüttert werden, wenn das Baby von der 1er-Nahrung nicht mehr satt wird. Sie ist häufig sämiger und etwas energiereicher.
  • Folgenahrungen 3 haben Hersteller für die Ernährung von Säuglingen ab dem 10. Monat entwickelt. Der Stärke-, Nährstoff- und Energiegehalt der 3er-Nahrung ist höher als der einer 2er-Nahrung, wodurch eine längere Sättigung erreicht wird.

Folgemilch ist für nicht gestillte Säuglinge nicht zwingend notwendig. Sie sollte nicht wie Anfangsnahrung nach Bedarf gefüttert werden, sondern genau nach Herstellerangaben.


Pulver oder trinkfertige Nahrung?

Milchpulver enthält pro Mahlzeit fast die gleichen Inhaltsstoffe wie eine trinkfertige Nahrung derselben Marke und Produktgruppe. Aufgrund eines anderen Herstellungsprozesses können sie jedoch etwas unterschiedlichschmecken. Die Pulverform ist praktischer zu beschaffen und preiswerter als trinkfertige Nahrung. Letztere hat wiederum den Vorteil, dass sie nur im Wasserbad erwärmt werden muss und praktisch für unterwegs sein kann.

HA-Nahrung
Anfangsnahrung wird zusätzlich als HA-Nahrung angeboten (HA Pre, HA 1). Sie richtet sich an nicht gestillte Säuglinge mit einem erhöhten Allergierisiko. Ein erhöhtes Allergierisiko haben Kinder, wenn Mutter, Vater und/oder Geschwister eine Allergie haben oder hatten.

HA steht für „hypoallergen“ und bedeutet weniger allergieauslösend. So ist bei HA-Nahrungen das enthaltene Kuhmilcheiweiß so weit aufgespalten, dass der Körper nicht so leicht mit Antikörpern darauf reagiert. Deshalb sollten nicht (voll) gestillte allergiegefährdete Säuglinge mindestens bis zum Beginn des 5. Monats HA-Anfangsmilch (HA Pre oder HA 1) erhalten. Wenn das Baby den ersten Brei isst, muss es keine HA-Nahrung mehr bekommen. Die Milchnahrung kann dann von HA-Nahrung auf herkömmliche Säuglingsmilch umgestellt werden. Zur Erweiterung des Sortiments bieten manche Hersteller auch HA-Folgenahrung an (HA 2).

Spezialnahrungen können sinnvoll sein, wenn nicht gestillte Babys immer wieder Probleme mit der Nahrungsaufnahme und -verwertung haben. So gibt es Spezialnahrungen für Babys mit Blähungen, Drei-Monats-Koliken und Verstopfung oder übermäßigem Spucken. Auch für Babys mit diagnostizierter Kuhmilcheiweißallergie und für Frühgeborene bieten einige Unternehmen besondere Nahrungen an. Sie enthalten speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Inhaltsstoffe (s. Text unten „Spezialnahrungen“).

Spezialnahrungen

Die Anti-Reflux-Spezialnahrung (AR)richtet sich an Babys, die vermehrt spucken und aufstoßen. Sie enthält den natürlichen Quellstoff Johannisbrotkernmehl. Er macht die Nahrung besonders sämig und vermindert den Rückfluss in die Speiseröhre (Reflux).

Säuglinge können unter Blähungen, laktosebedingten Drei-Monats- Koliken und Verstopfung leiden, da ihr Verdauungssystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Für dieseSymptome gibt es Spezialnahrungen mit weniger Laktose oder einer besonderen Fettstruktur, die diese

Wichtig
Spezialnahrungen sollten ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle gefüttert werden. Bevor das Baby zum ersten Mal eine Spezialnahrung bekommt, sollte der Arzt in jedem Fall die individuelle Verträglichkeit der Nahrung testen. Klingen die Beschwerden trotz der Gabe von Spezialnahrung nach einigen Tagen nicht ab, sollten sich die Eltern erneut an den Arzt wenden.

Kindermilch
Zu den Säuglingsmilchnahrungen gibt es eine weitere Produktgruppe: die Kindermilch. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist dieses Milchgetränk kein Muss.

Kindermilch sollte den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) entsprechen. Dazu zählen – im Vergleich zur Kuhmilch – unter anderem ein altersgerecht reduzierter Eiweißgehalt sowie ein höherer Gehalt an Vitamin D, Folsäure, Jod und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Einige Kindermilchen werden zusätzlich mit Ballaststoffen angereichert.

Kindermilch gibt es ebenfalls als Pulver und als trinkfertige Milch, und zwar jeweils in den Stufen Kindermilch 1+ und 2+. Manche Hersteller bieten auch die Stufe 3+ (Juniormilch) an. Kindermilch 1+ eignet sich für Kleinkinder ab einem Jahr und Kindermilch 2+ für Kleinkinder ab zwei Jahren – jeweils als Milchgetränk zum Frühstück, Abendessen oder für zwischendurch im Rahmen einer ausgewogenen und altersgerechten Kleinkindernährung. Da Kindermilch ein Milchgetränk und keine Mahlzeit ist, sollte das Kleinkind erst nach der Entwöhnung von der Flasche Kindermilch bekommen und diese nur aus dem Becher oder der Tasse trinken. Für Säuglinge ist Kindermilch nicht geeignet.